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Gesellschaft

«Mein bestes Studienjahr»

18.10.2021
Pfarrerin Irmelin Drüner aus der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen-Kradolf erzählt von ihrem Studienjahr in Israel vor 28 Jahren, das lehrreich, beeindruckend wie auch prägend war.

Hebräische Vokabeln büffeln, im Talmud und in der Mischna Verse lesen und zu verstehen versuchen, und das alles bei glühender Hitze. Daran erinnert sich Irmelin Drüner, wenn sie an ihr Studienjahr von 1993 bis 1994 in Jerusalem zurückdenkt. Aber auch Wanderungen in der Wüste, alle jüdischen Feste eines Jahres wie auch Begegnungen mit Menschen vor Ort sind ihr eindrücklich im Gedächtnis geblieben.

Ermöglicht wurde das Studienjahr durch das Programm «Studium in Israel», das von der Evangelischen Kirche in Deutschland EDK gefördert wird und das ebenso anderen Konfessionen und europäischen Ländern offensteht. Drüner fühlt sich mit dem Programm heute noch verbunden und besucht alle 2-3 Jahre ein Ehemaligentreffen. «Für mich war diese anspruchsvolle wie auch bereichernde Zeit mein bestes Studienjahr. Ein Riesengeschenk», sagt Drüner. Bedroht hat sie sich nicht gefühlt, auch wenn die politische Situation von Aufbruchsstimmung wieder in Attentaten mündete.

Einfluss auf ihre Gemeindearbeit
Nebst Freundschaften zu Mitstudierenden hat sie auch einige Antworten mitgenommen. «Uns verbindet viel mit dem Judentum und wir können daraus lernen. Dazu gibt es einen zweiten Weg, die Verheissungen des Alten Testaments auszuzulegen», sagt Drüner. Dieses Wissen hat sie in ihre Gemeindearbeit einfliessen lassen. Drüner erklärt: «Ich überlege mir, wie sich ein Mensch jüdischen Glaubens bei meiner Predigt fühlen würde. Respektiert oder enterbt? Auch die Lieder wähle ich bewusst aus.»

Dabei helfen ihr die jährlich erscheinenden Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext, bei denen sie selbst schon Texte beigesteuert hat. Rückblickend hätte sie sich mehr Kontakte mit den Menschen gewünscht. «Aber ich war sehr mit dem Studium beschäftigt», sagt Drüner, die heute für das Land und dessen Bevölkerungsgruppen Gefühle wie Mitgefühl und Verbundenheit hegt und zur Politik in kritischer Distanz steht.

 

(Claudia Koch)