Logo
Politik

Die Studie zum «Wasser-Fussabruck» deckt unseren effektiven Wasserkonsum auf

Die halbe Wahrheit über das Wasser

12.07.2016
142 Liter Wasser am Tag, Tendenz sinkend: So viel verbraucht jeder Schweizer gemäss offizieller Statistik. Dies ist erfreulich. Doch sie erzählt nur die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich benötigen wir über 4000 Liter täglich, um unseren Lebensstil hochzuhalten.

Dies zeigt eine Studie zum Wasser-Fussabdruck, die in Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und dem WWF 2012 herausgekommen ist. 

Ein Swimmingpool für eine Jeans

Die Studie beschäftigt sich mit dem indirekten oder auch «virtuellen» Wasserverbrauch. Damit wird die Wassermenge bezeichnet, die für den Konsumenten nicht direkt sichtbar, aber zur Produktion von Konsumgütern für unseren Alltag nötig ist. So stecken in einem Paar Jeans 11’000 Liter Wasser, was einem vollen Swimmingpool entspricht. 4200 Liter braucht die Schweiz pro Person und Tag, um Lebensmittel, Getränke, Kleidung und andere Konsumgüter herzustellen. Der gesamte Wasserfussabdruck der Schweiz beläuft sich auf 11’000 Millionen Kubikmeter oder 11 Milliarden Liter pro Jahr. «Und: Mit der zunehmenden Klimaerwärmung hat sich die Situation verschärft und wird sich weiter verschärfen», erklärt Corina Gyssler vom WWF.

Ein grosser Wasser-Fussabdruck ist per se nichts Schlimmes. Ein Produkt, für das viel Wasser genutzt wird, das jedoch aus einer Region stammt, in der es grosszügige Wasservorräte oder ein gesundes Wassermanagement gibt, richtet keine Schäden an. Problematisch wird es, wenn Flüsse, Grundwasservorkommen und Seen übernutzt und verschmutzt werden und dadurch ökologische, wirtschaftliche und soziale Schäden verursacht werden. 

Gute Stossrichtung

Einen Schritt in die richtige Richtung macht die von kirchlichen Organisationen wie dem HEKS oder Brot für alle unterstützte und im April dieses Jahres mit 140’000 Unterschriften zustande gekommene Konzernverantwortungsinitiative. Sie verlangt, dass Schweizer Konzerne für ihre Geschäftsbeziehungen eine Sorgfaltsprüfung bezüglich Menschenrechte und Umweltschutz einführen. Kommt ein Konzern dieser Pflicht nicht nach, soll er künftig auch für allfällige Schäden haften, welche die von ihm kontrollierte Unternehmen im Ausland verursachen. Und was kann jeder Einzelne in der Schweiz tun, um den Wasser-Fussbabdruck zu verkleinern? 

«Konsumenten sollen darauf achten, dass sie mit unserem eigenen Wasser haushälterisch umgehen. Sie müssen sich aber bewusst sein, dass Produkte aus dem Ausland ebenfalls Wasser enthalten, auch wenn es sich dabei um Reis, Kaffee, Gold oder Textilien handelt. Wir raten, Produkte von guter Qualität und Langlebigkeit zu kaufen, auf das Umwelt-Label zu achten und lokale, saisonal produzierte Gemüse und Früchte zu bevorzugen», so Gyssler.

www.umwelt-stiftung.ch

 

Text: Katharina Meier | Foto: Louise Keller, Buchs  – Kirchenbote SG, Juli-August 2016

 

Wasserkrisen und das Fehlen von sanitären Anlagen

Laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden für neue Wasserversorgungen in Entwicklungsländern pro Jahr 4,2 Milliarden Dollar ausgegeben. Die weltweiten Militärausgaben belaufen sich auf 4,4 Milliarden Dollar – pro Tag. 

Diese Investitionspolitik wirkt sich auch auf die sanitäre Versorgung aus. Letztere fehlt gemäss dem schweizerischen Hilfswerk Helvetas 2,4 Milliarden Menschen. 946 Millionen müssten das tägliche Geschäft auf dem offenen Feld oder um die Häuser und die Siedlungen herum verrichten. Krankheitserreger gelangten so direkt in die Gewässer, in offene Trinkwasserstellen und damit in die Nahrungskette. Wegen dieser hygienischen Bedingungen sterben laut dem Hilfswerk jährlich 500’000 Kinder an Durchfallerkrankungen.

Die Hälfte aller Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser bewohnt die Trockengebiete südlich der Sahara. Mit dem Klimawandel nehmen die Wassernot und damit auch die Verteilungskämpfe um Wasservorräte zu. Funktionierende zivilgesellschaftliche und staatliche Strukturen tragen entscheidend dazu bei, Wasserprojekte langfristig zu sichern und Wasserkonflikte zu verhindern – in den Gemeinden und lokalen Wasserkorporationen hierzulande ebenso wie international.