Aufbruch braucht Mut
Zwischen Jugendgottesdiensten, neuen Formen von Kirche und der Vision «Aufbruch 27» stellt sich die Frage: Wie kann Kirche heute wachsen und Hoffnung weitergeben?

Ein leiser Aufbruch im Alltag
Geistlicher Aufbruch zeigt sich für Willy Ramazani nicht zuerst in grossen Programmen oder spektakulären Aktionen, sondern im ganz normalen Kirchenalltag. Besonders deutlich erlebt er dies in Amriswil in Gottesdiensten für junge Erwachsene wie dem Depo3 oder dem Godi Amriswil für Jugendliche.
Auffällig sei, dass vor allem junge Menschen ihren Weg in die Kirche finden – oft ohne gezielte Einladung. Ramazani spricht von einem «silent revival» – einer stillen Erneuerung, die sich nicht aufdrängt, aber langsam und sicher wächst. Ähnliche Beobachtungen macht er auch über Amriswil hinaus. In verschiedenen Gemeinden gibt es eine «neue Offenheit und geistliche Sehnsucht».
Generationen verbinden
Aus diesen Erfahrungen heraus ist die Idee von «Aufbruch 27» entstanden. Das Projekt will Kirchen im Oberthurgau stärken und miteinander vernetzen, aber vor allem den geistlichen Aufbruch fördern. Noch ist offen, ob und in welcher Form es umgesetzt wird. Klar ist jedoch das Kernanliegen: «Starkes stärken». Bestehende Angebote und Kirchgemeinden sollen ermutigt und weitergetragen werden, anstatt alles neu oder einfach grösser zu erfinden.
Willy Ramazani ist im Projektteam von «Aufbruch 27» dabei. Für die Vision Feuer gefangen hat er im Gespräch mit dem Initiator, Dave Ohnemus. Dieser hat Ramazanis Feuer verstärkt und das Anliegen gefördert, zur Tat zu schreiten.
Einheit in Vielfalt
Ein Stichwort der Vision ist auch Einheit. Wenn Kirchen unterschiedlicher Prägungen zusammenkommen, entsteht eine neue Kraft. Ein erstes Trägerschaftstreffen im vergangenen Oktober zeigte dieses Potenzial eindrücklich: Personen aus rund 16 Landes- und Freikirchen kamen zusammen, brachten Erfahrung, Leidenschaft und Kompetenz an einen Tisch. Projektleiter Dave Ohnemus, Pastor in der Viva Kirche Amriswil, formulierte dabei treffend: «An diesem Tisch sitzt eine ganze Arbeitswoche versammelt, da kann etwas daraus werden!»
Menschen aller Milieus sollen im Zentrum ein Zuhause finden.
Vision leben, prüfen und wachsen lassen
Im Alltag bedeutet Vision für Ramazani vor allem eines: mutig sein. Er bringt einen freikirchlichen Hintergrund mit und probiert in der evangelischen Kirchgemeinde bewusst neue Formen aus – etwa in der Bibelarbeit oder in Jugendangeboten.
Gleichzeitig schätzt er Beständigkeit. Angebote wie die «Lightfactory», die über Jahre hinweg treu geführt wurden, zeigen ihm, dass Ausdauer Früchte trägt – manchmal erst nach langer Zeit.
Der Bau des neuen Kirchenzentrums in Amriswil begeistert ihn und beflügelt seine Ideen: «Menschen aller Milieus sollen im Zentrum ein Zuhause finden und sich dort wohlfühlen. Aber das liegt allein in Jesu Hand.»
Als Meilensteine sehen
Visionen entstünden oft dort, wo etwas stört oder herausfordert, ist sich Ramazani sicher. Wer sich über Missstände ärgere, trage meist bereits ein Anliegen dafür in sich. Wichtig sei, diese Impulse zu prüfen, weiterzudenken und auch Fehler zuzulassen.
Kirche, so Ramazani, sei ein grosses Lernfeld. Nicht jede Vision gehe sofort auf, nicht jede Idee passe an jeden Ort. Doch Stillstand dürfe nie eine Option sein. Vielmehr sollten die erreichten Ziele als Meilensteine für ein grösseres Ganzes gesehen werden.
Sich trauen, Träumen Raum zu geben
Für die nächste Generation wünscht sich Ramazani Mut und Freiheit: junge Menschen, die Kirche mitgestalten, ihre eigene Stimme finden und Neues wagen dürfen. Die Umstände sollen nicht ihr Denken einengen, sondern sie sollen gross träumen und ausprobieren. Vielleicht beginne Aufbruch genau dort: bei Menschen, die sich trauen, diesen Träumen Raum zu geben.
Aufbruch braucht Mut