News aus dem Thurgau
Denkpause zu Auffahrt

Auffahrt – aufwärts geht es

von Bert Missal
min
28.05.2025
Wie weltumwälzend die Auferstehung des hingerichteten Jesus von den Toten ist, darauf besinnen wir uns wohl nur selten. Zwischen ihr und der Auffahrt liegen 40 Tage, mit denen wir uns jede Woche mehr einem unbegreiflichen, kosmischen Wunder nähern. Ein Gastbeitrag von Pfarrer Bert Missal.

Jesus Christus, der Auferstandene war über vierzig Tage immer wieder erschienen. Mal liess er sich nicht berühren, mal forderte er dazu auf, seine Wunden anzufassen. Er ging durch verschlossene Türen und ass gebratenen Fisch. Manche haben vielleicht ähnliches mit verstorbenen nahen Angehörigen erlebt. Es ist kaum zu fassen, wenn ein Mensch, mit dem über Jahrzehnte das Leben geteilt wurde, plötzlich nicht mehr da ist. Da kann es sein, dass er oder sie plötzlich – so wie immer – am Tisch sitzt, die vertraute Stimme erklingt und vertraute Worte spricht.

Trauernde verarbeiten langsam die durch den Tod eingetretene Distanz.

Behutsam ist auch die Reihenfolge der Namen der Sonntage nach Ostern, die das Ereignis der Auferstehung Jesu jedes Jahr aufs Neue anzunehmen helfen: Wie neugeborene Kinder (Quasimodogeniti), der ruhige Sonntag vom guten Hirten (Misericordias Domini), das temperamentvolle Jubilate, das fröhliche wieder in singende Form gebrachte Kantate, dann die Erinnerung ans Gebet (Rogate). Wie weltumwälzend diese Auferstehung des hingerichteten Jesus von den Toten ist, darauf besinnen wir uns wohl nur selten.

Nach vierzig Tagen enden die Erscheinungen, Jesus fährt auf in den Himmel und setzt sich zur Rechten des himmlischen Vaters, des Schöpfers unserer Welt.

Dietrich Bonhoeffer kannte bereits die Gedanken des Theologen Rudolf Bultmann zur Entmythologisierung und fand sie gut. Dennoch konnte er in entsetzlichem Umfeld dichten über gute Mächte und die Welt, die unsichtbar sich um uns weitet. Wir suchen nach Worten und Vorstellungen, um uns dem Unaussprechlichen und dem Unvorstellbaren bei Gott zu nähern. Von einem dreistöckigen Weltbild sind unsere religiösen Gedanken geprägt. Kann es denn das Gute geben ohne das Böse, den Himmel ohne die Hölle?

Der Theologe Karl Barth meinte einmal: «Es gibt die Hölle, aber ich hoffe, sie ist leer.»

Physikalisch ist unsere Erde rund. Ihr Kern ist sehr heiss und mit Eisen und Nickel gefüllt, das unter grossem Druck bei über 5000 Grad trotzdem fest ist. Solche Hitze gibt es auch auf der Sonnenoberfläche. Mit 220 Kilometern pro Sekunde bewegt sich unsere Sonne um das Zentrum der Milchstrasse, die unsere Galaxie ist.

So rasen wir mit Sonne, Mond und Planeten mit fast 800'000 Stundenkilometern ohne es zu spüren. All das hat Gott, unser himmlischer Vater, erschaffen.

An Auffahrt nimmt Jesus Christus den Ehrenplatz an seiner rechten Seite ein. «Jesus Christus herrscht als König» singt ein Kirchenlied. Es endet mit den Worten: «Ehret, liebet, lobet ihn!» Er war als ein Dienender unter uns, verletzlich und ist verletzt worden, Opfer eines Justizmordes. Wenn er herrscht wird er es anders tun, wenn er richtet wird er es anders tun als üblich. Nicht aus Machtgier, sondern um der Liebe willen in Sanftmut. Wenn Jesus so zu herrschen und zu richten vermag, dass es zum Guten führt, ohne die Kehrseite des Bösen zu befördern, so führt dies zur Überwindung des Bösen durch das Gute. Wem anders könnte ich solches zutrauen als Jesus?

Denkpause von Bert Missal, Pfarrer der Ev.-ref. Kirchgemeinde Netstal

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