News aus dem Thurgau
Geschäft mit Söldnern

Aus Kenia in den Ukraine-Krieg – Wie Russland in Afrika rekrutiert

von Birte Mensing/epd
min
10.04.2026
Rund 1000 Kenianer wurden von Russland für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Auch aus anderen afrikanischen Ländern sind Söldner im Front-Einsatz. Für ihre Familien bleibt ihr Schicksal oft ungewiss.

Die Verhaftung folgte kurz nach der RĂŒckkehr aus Russland – seitdem sorgt der Fall in Kenia fĂŒr Schlagzeilen. Festus O. soll Dutzende junge Kenianer an die russische Armee vermittelt haben. Nun muss er sich wegen Menschenhandels vor Gericht verantworten. Schon vergangenes Jahr hatte ein Gericht verfĂŒgt, dass er seine RekrutierungsbemĂŒhungen einstellen muss. Trotzdem konnte er seitdem noch mehrmals junge MĂ€nner nach Russland begleiten. Laut den Ermittlungsbehörden landeten mehrere von ihnen an der Front in der Ukraine.

Etwa 1000 kenianische MĂ€nner sind nach Angaben des kenianischen Geheimdienstes NIS von privaten Jobvermittlungs-Agenturen im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums fĂŒr den Krieg in der Ukraine rekrutiert worden. Auch aus anderen afrikanischen LĂ€ndern sind Söldner fĂŒr Russland im Einsatz. Die Initiative «All Eyes on Wagner», die Listen des ukrainischen MilitĂ€rs ausgewertet hat, beziffert ihre Zahl fĂŒr den Zeitraum von 2023 bis 2025 auf 1417. Offizielle Daten gibt es nicht.

Falsche Versprechen

Etliche der Söldner sind mittlerweile in ukrainischen Kriegsgefangenenlagern gelandet. Die Politikwissenschaftlerin Karen Larsen vom DĂ€nischen Institut fĂŒr Internationale Studien hat dort kĂŒrzlich 18 KĂ€mpfer interviewt, darunter mehrere aus afrikanischen LĂ€ndern. Sie alle seien ĂŒber Agenturen in ihrem Heimatland angeheuert worden, die Jobs im Ausland vermitteln, sagt Larsen. Viele von ihnen seien schon vorher, zum Beispiel in Dubai, fĂŒr Sicherheitsfirmen tĂ€tig gewesen.

Der kenianische Menschenrechtsaktivist Raskin Oyugi, erzĂ€hlt, dass Russland die jungen MĂ€nner hĂ€ufig mit falschen Versprechen locke, etwa verhĂ€ltnismĂ€ssig hohe GehĂ€lter fĂŒr zivile Jobs als Fahrer oder in Fabriken. «Wir sehen eine systematische TĂ€uschung und Ausbeutung von Menschen, die aus armen Familien kommen», sagt Oyugi, der sich bei der Organisation «Vocal Africa» engagiert.

Wenige Wochen an der Front

 Die Arbeitslosigkeit ist in vielen afrikanischen LĂ€ndern hoch, Jobs mit monatlichen GehĂ€ltern von umgerechnet mehr als 1000 Euro sind schwer zu bekommen. Die MĂ€nner brechen auf in der Hoffnung, das Leben ihrer Familien mit dem verdienten Geld positiv verĂ€ndern zu können, sagt Oyugi. Bei der Ankunft werde der Pass konfisziert und sie wĂŒrden gezwungen, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium auf Russisch zu unterschreiben.

Schnell entpuppen sich diese Hoffnungen als Illusion. Die meisten Rekruten landen laut Larsen nach nur wenigen Wochen Training als KĂ€mpfer an der Front–- so hĂ€tten es ihre Interviewpartner in den ukrainischen Kriegsgefangenenlagern und die RĂŒckkehrer in Kenia berichtet. Überlebende hĂ€tten zudem erzĂ€hlt, dass mehrere ihrer Kameraden bereits in der ersten Einsatzwoche getötet worden seien.

AuslÀndische Rekruten gelten als entbehrlich

Mehr als 300‘000 russische Soldaten wurden laut SchĂ€tzungen des Washingtoner «Center for Strategic and International Studies» (CSIS) seit Kriegsbeginn bereits getötet. Und die afrikanischen Söldner werden mitunter besonderen Risiken ausgesetzt. «Russland nutzt die auslĂ€ndischen Rekruten als entbehrliche Soldaten und schickt sie in gefĂ€hrlichen Situationen vor, um ihre eigenen Leute zu schĂŒtzen», sagt Larsen.

Kenianische Medien berichteten zuletzt vermehrt ĂŒber die Rekrutierung junger MĂ€nner fĂŒr den Krieg in der Ukraine. Und auch die Politik reagiert allmĂ€hlich. Noch im Juli verabschiedete Arbeitsminister Alfred Mutua fröhlich 50 junge MĂ€nner als Arbeitsmigranten nach Russland. Nun erklĂ€rte Aussenminister Musalia Mudavadi, dass er nach Moskau reisen wolle, um bei der russischen Regierung per Memorandum ein Ende der Rekrutierung zu erwirken.

Trauerfeier vor leerem Sarg

Es ist auch ein Zeichen fĂŒr die betroffenen Familien, deren Söhne an der Front getötet wurden. Über die TodesfĂ€lle erfahren sie oft nur von Kameraden der Gefallenen oder aus dem Internet. Viele verschwinden einfach und sind nicht mehr zu erreichen. Mehrere Familien haben deshalb in den vergangenen Wochen Trauerfeiern an einem leeren Sarg abgehalten.

 

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