News aus dem Thurgau

Blumen für André Thomkins

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17.01.2022
Wie man in Sursee einst zu kostbaren Kirchenfenstern des renommierten Künstlers André Thomkins kam. Warum man später jahrelang auf wertvollen Skizzen sass. Und weshalb die Menschen heute unter Kirchenbänke kriechen.

Fachkundige verwenden bei Andr├ę Thomkins gerne den Superlativ. Wie etwa ein Kurator des Kunstmuseums Bern, als dieses eine grosse Retrospektive des verstorbenen K├╝nstlers durchf├╝hrte. Paul Tanner adelte Thomkins als einen, der ┬źzu einer Generation Schweizer K├╝nstler geh├Ârt, die international anerkannt war wie keine davor und danach┬╗. Das Kunstmuseum Basel bezeichnete ihn als einen ┬źherausragenden Maler┬╗ und die neue Galerie in Graz als einen der ┬źinnovativsten und vielseitigsten K├╝nstler der 2. H├Ąlfte des 20. Jahrhunderts┬╗.

Andr├ę Thomkins war Schweizer. 1930 in Luzern geboren, befinden sich seine Werke heute in bekannten Museen im In- und Ausland, aber auch in der Schweiz, wie das monumentale Xylophon f├╝r Fl├╝eli-Ranft, zwei Wandbilder, die er zusammen mit dem K├╝nstler Rolf Winnewisser f├╝r die Nationalbank in Luzern realisierte, sowie zehn Glasfenster in der reformierten Kirche Sursee. Auf die zehn Fenster ist man stolz in Sursee. Zu Recht.

Kleine Kirche, grossartige Fenster
Der Schweizerische Kunstf├╝hrer GSK behandelte die Glasfenster auf ganzen 15 Seiten. ┬źDie relativ kleine und schlichte Pfarrkirche von Sursee verdankt ihren Glanz haupts├Ąchlich den Glasfenstern, die vom bedeutenden Schweizer K├╝nstler Andr├ę Thomkins 1966 neu gestaltet wurden┬╗, steht dort. ┬źSie stellen ein ausgesprochen innovatives Werk in der Geschichte der Glasmalerei dar.┬╗ Doch wie kam man in Sursee zu einem derart prominenten K├╝nstler? Nat├╝rlich mit einem Qu├Ąntchen Gl├╝ck, das nicht fehlen darf. Denn dort ahnte man vor 55 Jahren nicht, dass sich dieser Andr├ę Thomkins sp├Ąter international einen Namen machen w├╝rde.

Vater engagierte Sohn
Und eigentlich wollte man damals, 1966, nur die B├Ąnke in der Kirche erneuern, und die Heizung, samt einem neuen Anstrich der W├Ąnde. Stattdessen schlug John Thomkins, der sich als Kirchenarchitekt einen Namen gemacht hatte und mit den Renovationsarbeiten beauftragt wurde, vor, die Kirche vollkommen neu zu gestalten. Und so kam es, dass Vater Thomkins seinem K├╝nstler-Sohn Andr├ę den Auftrag f├╝r die Kirchenfenster gab. Ein Entscheid, der nicht zwingend auf der Hand lag. Denn Andr├ę hatte bis dorthin erst einmal mit Kirchenfenstern zu tun gehabt, in einer K├Âlner Schule, 1963. R├╝ckblickend gesehen d├╝rfte es wohl ein Akt der Unterst├╝tzung des Vaters f├╝r den Sohn gewesen sein.

Eine Reise nach Liechtenstein
Zahlreiche Vorstudien zu diesen Fenstern kamen unl├Ąngst wieder zu Tage. Acht Skizzen fielen dem Archivar, der Dokumente ordnete, in die H├Ąnde. Diese waren v├Âllig in Vergessenheit geraten. Doch was tun damit? ┬źEs machte keinen Sinn, die Skizzen bei uns zu behalten┬╗, sagt Kirchgemeindepr├Ąsident Christan Marti. ┬źSie geh├Ârten weder der Kirchgemeinde, noch konnte man sie f├╝r eine Ausstellung finden, da sie ja nicht katalogisiert waren.┬╗ Also begann er zu recherchieren und brachte in Erfahrung, dass der Nachlass von Andr├ę Thomkins dem Kunstmuseum Liechtenstein vermacht worden war. So reiste Christian Marti vergangenen Herbst nach Liechtenstein und ├╝berreichte die Skizzen. Daf├╝r kam er mit einer Vereinbarung unter dem Arm zur├╝ck.

Das Kunstmuseum versicherte ihm schriftlich, dass die Kirchgemeinde jederzeit berechtigt ist, die Skizzen f├╝r Ausstellungen auszuleihen und f├╝r ihre Publikationen zu verwenden. Fragt sich lediglich, wie hoch der Wert der Skizzen war, auf denen man in Sursee so lange gesessen hatte. Im Kunstmuseum in Liechtenstein konnte man die Frage nicht beantworten. Ein Blick auf vergangene Auktionen ist auch wenig pr├Ązise, erm├Âglicht jedoch eine Ann├Ąherung. Lempertz, das ├Ąlteste Auktionshaus Europas, verkaufte zwischen 2000 und 2015 mehrere Objekte von Andr├ę Thomkins. Der Preis dieser lag zwischen 2000 und 7000 Franken. Der finanzielle Wert der Skizzen ist somit ├╝berschaubar, der ideelle wohl um ein Vielfaches h├Âher.

Ungewohnte Perspektive
Christian Marti ist froh. Das Archiv in der Kirchgemeinde ist nun aufger├Ąumt. ├ťberraschungen d├╝rfte es keine mehr geben. Andr├ę Thomkins ist weiterhin ein Thema in Sursee. ┬źBlumen f├╝r Thomkins┬╗ heisst die Ausstellung, in Anlehnung an die Jubil├Ąumsausstellung ┬źBlumen f├╝r die Kunst┬╗ im KKLB. Vierzig Kunstschaffende, die grossmehrheitlich aus der Region kommen, zeigen Werke, die man in der reformierten Kirche Sursee nur in sehr ungewohnter Position sehen kann: Man legt sich unter die Kirchenb├Ąnke.

Thomkins Sohn zu Besuch
Ein ungeahnter Besucher der Ausstellung ist Christian Marti bereits aufgefallen. ┬źVergangenen Oktober besuchte ein Sohn von Andr├ę Thomkins die Ausstellung.┬╗ G. Nicolas Thomkins, von Beruf Designer, hatte eine Widmung im Besucherbuch hinterlassen. Er zeichnete just jenen VW-K├Ąfer, den sein Vater als Vorlage f├╝r das Chorfenster in der Kirche benutzt hatte. ┬źVielen Dank f├╝r diese wirklich zauberhafte Ausstellung┬╗, schrieb er. ┬źMein Vater h├Ątte helle Freude daran gehabt.┬╗

Carmen Schirm-Gasser, kirchenbote-online

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