News aus dem Thurgau

Dichtestress gibt es hier nicht

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04.08.2022
17 Kirchen und Kapellen begegnen Wanderern auf dem Luzerner Kapellenweg. Ob man dadurch frömmer wird, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die malerische Landschaft, die Einsamkeit und die historischen Kirchen und Ortsbilder das Herz öffnen.

Der Ausgangspunkt des Luzerner Kapellenwegs ist schnell zu erreichen. Ein Bus mit der Nr. B61 fĂ€hrt innert 25 Minuten vom Bahnhof Luzern nach HellbĂŒhl, wo man an der Haltestelle HellbĂŒhl Post aussteigt. Wer mit dem PKW anreist findet gegenĂŒber der Haltestelle HellbĂŒhl Post einen grossen Parkplatz. Dort kann ein Tagesticket fĂŒr fĂŒnf Franken gelöst werden. In HellbĂŒhl erwartet den Wanderer auch schon die erste von 17 Kirchen und Kapellen, die Pfarrkirche St. Wendelin, aus dem Jahr 1837. Von dort aus folgt man dem grĂŒnen Wegweiser Nr. 528, dem Luzerner Kapellenweg, weg von der Hauptstrasse, die Seitenstrasse entlang. Eine Wanderung in umgekehrter Richtung ist natĂŒrlich auch möglich, dann hat man den Pilatus und die Innerschweizer Berge vor Augen.

Der Kapellenweg ist in langsamem Schritttempo einfach zu begehen, allerdings empfiehlt es sich, nicht den gesamten Weg in einem StĂŒck zu planen, wie die Autorin dieses Artikels, da sich 21 Kilometer, nicht zuletzt aufgrund der einen oder anderen Steigung, in die LĂ€nge ziehen. Gar nicht zu reden davon, wenn man die Wegweiser nicht beachtet und Umwege geht, die landschaftlich eindrĂŒcklich, aber weitlĂ€ufig sind. Wie gesagt, wer den Weg in Etappen gehen möchte, der kann das. SĂ€mtliche Dörfer an der Strecke, die man passiert, sind mit Buslinien erschlossen.

Idyllische Szenerie mit Gleichgesinnten
Doch zurĂŒck zum Kapellenweg. Auf diesem wechseln sich immer wieder Waldwege, Kieswege und asphaltierte WegstĂŒcke ab. Dem Schild entlang Richtung Ruswil schlendert man vorbei an saftigen Wiesen, kauenden KĂŒhen und stattlichen Bauernhöfen, die den Weg sĂ€umen. Die Weite des Rottals breitet sich aus und bietet eine wunderbare Fernsicht. Die Ären der Weizenfelder biegen sich gemĂ€chlich im Wind, ĂŒber allem herrscht Stille, nur ab und an trifft man auf Bauern, die ihre Felder bearbeiten.

Mit Dichtestress, aufgrund zu vieler Menschen, muss nicht gerechnet werden. Eher zufĂ€llig trifft man auf Gleichgesinnte, wie zwei Frauen, die auf einem BĂ€nklein neben der kleinen Hunkelen-Kapelle rasten. Sie haben sich gerade erst kennen gelernt, erzĂ€hlen sie, und wollen nun gemeinsam einen kurzen Abschnitt des Kapellenwegs wandern, der immer lohnenswert sei. Der Kapellenweg war ursprĂŒnglich Teil einer historischen Strassenverbindung, welche von Luzern nach Aarburg fĂŒhrte, den Abschnitt von Buttisholz bis zur Kapelle Muttergottes in Oberroth nutzten bereits die Römer.

Juwel fĂŒr Wallfahrer aus nah und fern
Eine leichte Steigung abwĂ€rts und schon grĂŒsst das Dorfschild Ruswil. Im Dorfkern passiert man die Pfarrkirche St. Mauritius, eine Barockkirche aus dem Jahr 1793. Im Pfarrgarten kann Pause gemacht und die mitgebrachte Jause gegessen werden. Hier plĂ€tschert ein Brunnen fröhlich neben einem Fischteich. GestĂ€rkt geht es weiter, zuerst auf Asphalt, dann auf Kies. Von weitem erspĂ€ht das Auge die Kapelle St. Ottilien. 1669 erbaut, zog sie Wallfahrer aus nah und fern an. Sie gilt als Juwel unter den Sakralbauten im Luzerner Hinterland. Neben dem Weg findet sich ein PilgerstĂŒbli sowie eine Toilette fĂŒr Pilger, die ausnehmend sauber und gepflegt ist.

Weiter geht es, vorbei an grasenden Pferden, unzĂ€hligen KirschbĂ€umen und einem Bauern, der frisch geerntete Kirschen verkauft, fĂŒnf Franken ein halbes Kilo. Es ist nicht mehr weit bis Buttisholz, wo die Pfarrkirche St. Verena steht. Daneben findet sich der Gasthof Hirschen, mit einem schönen Gastgarten, gutem Essen und freundlichem Personal. Wer genug gewandert ist fĂŒr einen Tag, kann die gegenĂŒberliegende Haltestelle nutzen und mit dem Bus zurĂŒck nach HellbĂŒhl oder Luzern fahren.

Die Alemannen und Römer waren hier
Wer weiter gehen möchte, geht Richtung Grosswangen, einem historisch bedeutenden Ort. Grab-Überreste der Alemannen wurden hier ebenso gefunden wie Überreste einer römischen MilitĂ€rstation. Der Weg geht mitten durch das national geschĂŒtzte Ortsbild von Buttisholz mit der barocken Kirchenanlage. Über den alten Römerweg geht es weiter Richtung Ettiswil, entlang dem Naturlehrgebiet Buchwald, vorbei am Wasserschloss Wyher aus dem 14. Jahrhundert. In Ettiswil angekommen, fĂ€hrt auch von dort der Bus Richtung Luzern zurĂŒck.

Text und Bilder: Carmen Schirm-Gasser, kirchenbote-online

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