News aus dem Thurgau

Die Bibel für Einsteiger

min
22.08.2018
Im Zuge der Aufbruchsbewegung der 68er erschien «Die Gute Nachricht». Die Übersetzung des Neuen Testaments wollte modern und verständlich sein.

Es sollte eine Bibel in heutigem Deutsch geben, so leicht lesbar wie eine Zeitung. Mit diesem Wunsch bat im Jahr 1966 Pfarrer Hans-Ulrich N├╝bel von der W├╝rttembergischen Bibelanstalt Journalisten, das Neue Testament ins Deutsche zu ├╝bersetzen. Theologen sollten dann die ├ťbersetzung anhand des griechischen Textes pr├╝fen. Vorbild f├╝r dieses Projekt war die im selben Jahr in den USA erschienene ┬źGood News Bible┬╗. Die deutschen ├ťbersetzer arbeiteten so schnell, dass ein Neues Testament mit dem Titel ┬źGute Nachricht f├╝r Sie Ôłĺ NT 68┬╗ bereits im Herbst 1967 erschien.

Mit Kirchensprache nicht mehr vertraut
Bei der ├ťbersetzung wandte man ein neues Prinzip an, auch ┬źfunktional┬╗ oder ┬źkommunikativ┬╗ genannt. Der amerikanische Sprachwissenschaftler und Pastor Eugene Nida begr├╝ndete in den F├╝nfzigerjahren diese Methode zwischen w├Ârtlicher und freier ├ťbersetzung. Sie wendet sich an Leser, die mit der traditionellen Kirchensprache nicht mehr vertraut sind. Eine Bibel├╝bersetzung sollte das Zielpublikum einbeziehen, nicht nur den Urtext, forderte Nida mit seiner Theorie.

Urs Joerg erlebte als junger Theologie-Student die Publikation der Guten Nachricht Bibel. ┬źDie erste Ausgabe erschien in einem roten Einband wie die ÔÇÜMao-BibelÔÇÖ┬╗, erinnert er sich. Joerg ist Pr├Ąsident der Basler Bibelgesellschaft und leitete von 1993 bis 2008 die Schweizerische Bibelgesellschaft als Generalsekret├Ąr. ┬źIn den Sechzigerjahren versuchte man die Bibel lesbarer zu machen┬╗, sagt Joerg. Neben der ┬źGuten Nachricht┬╗ erschien schon 1965 in gleicher Absicht die Neu-├ťbersetzung des Theologen und Publizisten J├Ârg Zink. Oder ein Neues Testament mit Bildern.

Die beste ├ťbersetzung gibt es nicht
┬źDie Gute Nachricht Bibel kam bei den Lesern gut an, bei den Wissenschaftlern stiess sie eher auf Ablehnung┬╗, sagt Urs Joerg und gibt zu bedenken: ┬źDie beste Bibel├╝bersetzung gibt es nicht. Jede ├ťbersetzung ist eine Umsetzung mit einer bestimmten F├Ąrbung, die nicht dem Original entspricht.┬╗ Man m├╝sse sich vielmehr ├╝berlegen, wer die Bibel lesen soll. Er sei nach wie vor von der Guten Nachricht ├╝berzeugt. ┬źIch empfehle sie zur Lekt├╝re f├╝r Einsteiger. Es ist nicht sinnvoll, jemand, der zum ersten Mal die Bibel liest, die Z├╝rcher Bibel zu geben. Vielen verleidet es m├Âglicherweise gleich wieder.┬╗

Erste interkonfessionelle ├ťbersetzung
Die Gute Nachricht unterschied sich nicht nur sprachlich von den traditionellen ├ťbersetzungen. Gem├Ąss der Deutschen Bibelgesellschaft war sie zudem ┬źdie erste und bis heute einzige durchgehend interkonfessionelle deutsche Bibel├╝bersetzung┬╗. Neben den evangelischen und katholischen Kirchen beteiligten sich auch die Freikirchen daran. Die Gute Nachricht habe den Vorteil, dass sie eine Neu-├ťbersetzung sei, herausgegeben von der Deutschen Bibelgesellschaft, erkl├Ąrt Urs Joerg. Diese sei unabh├Ąngiger in der Zusammenarbeit mit Partnern, anders als beispielsweise bei einer Revision der Luther-Bibel, wo die Kirche das letzte Wort habe.

Seit der Erstausgabe der Guten Nachricht ist das Alte Testament hinzugekommen und der ganze Text mehrmals ├╝berarbeitet worden. Auch das Konzept, die Bibel-Lekt├╝re auf die Bed├╝rfnisse des Publikums auszurichten, entwickelte die Deutsche Bibelgesellschaft weiter. Das spannendste ├ťbersetzungs-Projekt sei zurzeit die Basisbibel, findet Urs Joerg. ┬źSie ist im knappen ÔÇÜBlickstilÔÇÖ gehalten und in Zeilen aufgebaut. Jede Zeile ist eine Aussage.┬╗ Das Spannende daran sei, dass dies den Ursprachen der Bibel erstaunlich nahe komme.

Karin M├╝ller, David Gysel, kirchenbote-online, 22. August 2018

Unsere Empfehlungen

Das Ende des Abendmahlstreits

Das Ende des Abendmahlstreits

1973 schrieben die protestantischen Kirchen Europas im Kanton Baselland Kirchengeschichte. Sie beschlossen Kirchengemeinschaft. Dies vereinfacht seither vieles zwischen den Reformierten, Lutheranern und Unierten. Manche Themen sind nach wie vor umstritten.