News aus dem Thurgau
Waffenexporte

EKS-Synode: Resolution gegen Kriegsmaterialgesetz verfehlt Zweidrittelsmehrheit knapp

von Stefan Degen
min
02.11.2026
«Ja, ja; nein, nein», heisst es in der Bergpredigt. So deutlich wollten einige Mitglieder der EKS-Synode in Bern auch die Kirche reden lassen. Für ein klares Nein zur Lockerung der Waffenexporte fehlten am Ende drei Stimmen.

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) tagt am Montag und Dienstag in Bern. Am ersten Tag befasste sich das Kirchenparlament unter anderem mit der Abstimmung vom 29. November über die Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes. Der EKS-Rat, die Exekutive, hatte schon Stellung genommen: Er kritisierte die Vorlage, vor allem, dass der Bundesrat mehr Befugnisse erhalten soll, verzichtete aber auf eine klare Parole.

Die Resolution «Keine Lockerung der Kriegsmaterialausfuhr» der Thurgauer Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au und 22 Mitunterzeichnenden wollte hier nachlegen. Die Kirchen hätten sich vor acht Jahren erfolgreich gegen Lockerungen der Waffenexportbestimmungen eingesetzt, so Aus der Au. Schliesslich seien die Bestimmungen im Jahr 2022 gar verschärft worden. Die Resolution spreche sich daher auch heute dagegen aus, Rüstungsgüter in Staaten zu exportieren, die Krieg führten oder in denen die Menschenrechte gravierend verletzt würden.

Die Zürcher Kirchenratspräsidentin Esther Straub bemängelte, die Stellungnahme des Rates sei unklar. Sie kritisiere zwar die Vorlage, beziehe aber nicht klar Position. Dem hielt Straub die Bergpredigt entgegen: «Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.»

Es gehe nicht darum, ob sich die EKS äussern dürfe, entgegnete EKS-Präsidentin Rita Famos. «Es geht darum, wie wir das tun.» Eine Parole verdichte die Debatte auf ein Ja oder Nein. «Eine Parole kann Orientierung geben», sagte Famos. Sie könne aber auch den Eindruck erwecken, sie stelle die einzig mögliche christliche Antwort dar. «Geben wir den Stimmberechtigten Argumente mit und lassen wir sie ihre eigene Einschätzung treffen», rief sie die Synodalen auf. «Parolen trennen, Argumente verbinden.»

41 von 66 Synodalen unterstützten schliesslich die Resolution. Obschon das eine klare Mehrheit war, verfehlte sie die nötige Zweidrittelsmehrheit um drei Stimmen. Damit bleibt es bei der Stellungnahme des Rates, die auf eine Parole verzichtet.

Unsere Empfehlungen

«Trump sieht sich als Erlöser Amerikas»

«Trump sieht sich als Erlöser Amerikas»

Warum unterstützen Evangelikale in den USA einen Präsidenten, der so gar nicht dem christlichen Ideal entspricht? Andreas Heuser, Experte für theologische Strömungen im weltweiten Christentum, erklärt, wie die sogenannte Herrschaftstheologie Donald Trump vom «Gesalbten» zum Messias gemacht hat.
Kein roter Teppich für Anna Netrebko

Kein roter Teppich für Anna Netrebko

Am 30. November soll die russische Opernsängerin Anna Netrebko in Basel auftreten. Dagegen protestierte der Verein «Ukrainer in Basel»: Netrebko stehe dem Kreml nahe. Unterstützt wird der Verein von der Reformierten Kirche Basel-Stadt, die sich zum Konzert differenziert äussert.