News aus dem Thurgau

«Gebet kann Verfolgten Mut machen»

von Ernst Ritzi
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28.02.2026
Der Jurist und Familienvater Fabian Baumer-Schuppli, verheiratet mit einer Thurgauer Pfarrerin, erklärt im Interview, warum er sich seit einigen Jahren in der Kommission Solidarität mit bedrängten und verfolgten Christen engagiert.
Fabian Baumer-Schuppli engagiert sich in der Kommission Solidarität mit bedrängten und verfolgten Christinnen und Christen. (Bild: zVg)

 

Als Jurist sind Sie mit rechtlichen Fragen vertraut. Welche Bedeutung haben die Menschenrechte im Zusammenhang mit der Verfolgung von Christinnen und Christen?

Fabian Baumer-Schuppli: In praktisch allen Ländern dieser Welt ist die Religions- und Glaubensfreiheit formell als Menschenrecht anerkannt. Die Realität sieht indes für viele Christinnen und Christen völlig anders aus.

Spätestens wenn sie sich mit anderen Gläubigen treffen oder Dritten von ihrem Glauben an Jesus berichten, erfahren sie Diskriminierung oder Verfolgung – sei dies durch staatliche oder private Akteure. Dabei wären solche äusseren Glaubensbekundungen zweifelsfrei durch die Religions- und Glaubensfreiheit geschützt.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Gebet und materieller Hilfe für bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen?

Es handelt sich um zwei sich ergänzende Handlungen. Gebet öffnet den Weg zur Lösungsfindung. Materielle Hilfe ist oft Teil einer solchen Lösung.

Was kann das Beten für die bedrängten und verfolgten Christinnen und Christen für uns Betende und für die Bedrängten und Verfolgten bedeuten?

Gebet ist einerseits ein Gespräch mit Gott; es verbindet uns jedoch auch mit unseren Mitchristinnen und Mitchristen. Gebet ist somit auch konkrete Anteilnahme. Umgekehrt berichten viele verfolgte Christinnen und Christen auf eindrückliche Weise, wie sie das Wissen darum, dass weltweit für sie gebetet wird, gestärkt hat. Unser Gebet hilft ihnen, Unaussprechliches durchzustehen.

Was motiviert Sie für die Mitarbeit in der Kommission Solidarität mit bedrängten und verfolgten Christinnen und Christen?

Verfolgte Christinnen und Christen verdienen mehr Aufmerksamkeit – sowohl innerkirchlich als auch politisch. Wir wollen ihnen eine Stimme geben. Gleichzeitig stimmt die Erkenntnis, dass sich die Zentren christlichen Lebens ausserhalb Europas und der USA befinden, auch immer wieder demütig. Wir können von unseren verfolgten Glaubensgeschwistern sehr viel für unser persönliches Glaubensleben lernen.

 

Subsahara: Christen von Gewalt betroffen

Jedes Jahr lädt der Thurgauer Kirchenrat die Kirchgemeinden ein, an einem Sonntag in der Fastenzeit in einem Gottesdienst an die bedrängten und verfolgten Glaubensgeschwister in der weiten Welt zu denken und für sie zu beten.

In diesem Jahr rückt die Kommission der Landeskirche die Situation der Christinnen und Christen in der Subsahararegion in Afrika in den Fokus. In dieser Region hat die Christenverfolgung in den letzten zehn Jahren stark zugenommen (siehe auch Karte oben).

Viele der Länder sind mit erheblichen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen konfrontiert. Dazu kommt der Vormarsch islamistischer Milizen, wie Alkaida, Fulani, Boko Haram und Islamischer Staat IS. Sie kämpfen gegen Regierungseinrichtungen, aber auch gegen Zivilisten, die ihre Ideologie nicht teilen.

Christinnen und Christen sind von der Gewalt besonders betroffen, da sie aus ihrer Sicht «Ungläubige» sind, deren Leben nichts wert ist. Auch moderate Muslime werden bedroht. Mit der Gottesdienstkollekte am Sonntag der verfolgten Christen soll die Arbeit des christlichen Hilfswerks Open Doors unterstützt werden.

Open Doors begleitet traumatisierte Christinnen und Christen und ermöglicht die Ausbildung von Spezialisten innerhalb der Kirche für diesen Dienst. Die Menschen werden mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Unterkünften unterstützt.

 

 

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