News aus dem Thurgau

Gewählt – ohne zu kandidieren

von Cornelia Brunner-Scherrer
min
07.09.2023
Ohne engagierte Behördenmitglieder würden unsere Kirch-, Schul- und politischen Gemeinden nicht mehr funktionieren. Doch immer weniger Menschen sind bereit, ein Amt zu übernehmen. Einer von ihnen ist Marco Dübendorfer.

┬źUnsere Gesellschaft funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu ├╝bernehmen┬╗, sagt Marco D├╝bendorfer. Dazu geh├Ârt auch die Arbeit in Ehren├Ąmtern: beispielsweise in der Ermatinger Primarschulschulpflege. Der ETH-Ingenieur und selbst├Ąndige Unternehmer hatte nicht kandidiert und wurde trotzdem gew├Ąhlt. Die Wahl hat er angenommen: ┬źEs gab schlicht keine Alternativen, es war auch im zweiten Wahlgang weit und breit kein anderer Kandidat bekannt.┬╗ Die Leute h├Ątten ihn gew├Ąhlt, weil sie ihn von einer fr├╝heren Podiumsdiskussion kennten.

Alle haben gleichviel Zeit

Eigentlich habe er keine Zeit f├╝r dieses Amt, sagt D├╝bendorfer. ┬źAber in Wahrheit haben alle Menschen die gleichen 24 Stunden pro Tag zur Verf├╝gung. Man muss sich nur entscheiden, wem man die Zeit schenken m├Âchte┬╗, meint er lachend. D├╝bendorfer erkl├Ąrt, dass es verantwortungslos w├Ąre, ein Schulhausprojekt f├╝r 10 bis 20 Millionen zu planen, ohne dass jemand f├╝r die Finanzen verantwortlich sei. ┬źIch habe daher mit dem Schulpr├Ąsidenten besprochen, dass ich einfach die Zeit zur Verf├╝gung stelle, die ich habe und mich dabei auf die wichtigsten Aufgaben fokussiere.┬╗ Dies sei besser, als das Ressort vakant zu lassen.

Als Vater von vier Kindern im Alter von 8 bis 18 Jahren m├Âchte er zudem der Schule auch etwas zur├╝ckgeben. Nun balanciert er effizient zwischen Job, Kinderbetreuung und seinen anderen ehrenamtlichen Engagements. Neben beruflichen Abstrichen m├╝sse er auch bei seinem Hobby zur├╝ckstecken. Doch sp├Ąt abends, wenn die meisten schon schlafen, geht er seiner Leidenschaft, der Musik nach. Am Computer, still und leise, komponiert und produziert er, spielt die einzelnen Instrumentenstimmen ein, ┬źbringt Stimmungen zu Ton┬╗ und tankt auf. Auf sp├Ąter muss er das Musizieren mit Freunden verschieben.

Kirchgemeinde lebt von Beziehungen

Nebst Amt, Arbeit und Familie bedeutet auch die ├Ârtliche Kirchgemeinde viel f├╝r D├╝bendorfer. Dort lernt er andere Sicht- und Denkweisen kennen, erf├Ąhrt von den Freuden und Sorgen von Menschen, die er weder im Berufsleben noch in seiner Beh├Ârdenarbeit antreffen w├╝rde. ┬źBeziehungspflege und Austausch, das ist das Einzige, womit man die Kirche am Leben erhalten kann┬╗, betont D├╝bendorfer als ehemaliges Mitglied der Kirchenvorsteherschaft.

Fachgruppen sollen unterst├╝tzen

Doch auch in den Kirchgemeinden wird es immer schwieriger, Freiwillige zu finden, die sich engagieren. D├╝bendorfer hat sich Gedanken dar├╝ber gemacht, wie dieses Problem zu l├Âsen w├Ąre: Buchhaltung, Lohnabrechnungen und das Erstellen von Arbeitsvertr├Ągen w├Ąren zu zentralisieren. Bei baulichen Fragen sollten Experten herangezogen werden. D├╝bendorfer erkl├Ąrt: ┬źEine Orgelrevision oder die Sanierung eines Kirchendaches kann man nur effizient planen, wenn man dies schon ein paar Mal gemacht hat.┬╗

In Bezug auf potenzielle Beh├Ârdenmitglieder hat er sich ├╝berlegt: ┬źHeute werden die Menschen immer ├Ąlter. Das Leben besteht aus einem Drittel Ausbildung, einem Drittel Berufsphase und einem Drittel Pensioniert-Sein.┬╗ Dieses letzte Drittel w├Ąre pr├Ądestiniert f├╝r Ehren├Ąmter. Mit der Unterst├╝tzung durch entsprechende Fachpersonen k├Ânnte sich jede und jeder ein solches Amt zutrauen.

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