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Fokus Hildegard von Bingen

Hildegard, das Universalgenie

von Tilmann Zuber
min
30.10.2023
Hildegard von Bingen (1098–1179) war eine der bemerkenswertesten Frauen des Mittelalters. Sie ragte in einer Zeit heraus, in der Frauen ansonsten wenig galten. Die Benediktinerin machte sich einen Namen als Äbtissin, Mystikerin, Komponistin, Gelehrte, Heilkundige und Schriftstellerin.

Noch heute ziert Hildegard von Bingens Name zahlreiche Medikamente und Cremen in Apotheken und Drogerien. Oder er steht f√ľr ein nachhaltiges Leben im Einklang mit Natur und Kosmos. Hier einige der wichtigsten Aspekte ihres Lebens und Wirkens:

Hildegard, die Benediktinerin

1098 wird Hildegard von Bingen als zehntes Kind des Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild geboren. Ihre Eltern geben sie mit acht Jahren in das Kloster Disibodenberg, in dem sie eine umfassende Ausbildung erhält. Es ist Brauch, eines der Kinder als Gottesopfer in ein Kloster zu geben.

Hildegard, die √Ąbtissin

Mit 38 Jahren wird Hildegard zur √Ąbtissin des Benediktinerklosters Disibodenberg bei Bingen am Rhein gew√§hlt. Sie lockert die strengen Regeln. Sie sieht sich in ihrem Handeln von Gott geleitet, gr√ľndet das Kloster Rupertsberg und wird auch dort √Ąbtissin, um frei vom M√§nnerkloster agieren zu k√∂nnen. Die Gemeinschaft w√§chst. Viele suchen Rat und Hilfe bei Hildegard.

Hildegard, die Gelehrte

Hildegard erfährt viel Anerkennung und ist eine geachtete Frau. Als Ratgeberin zeichnet sie sich durch ihr Wissen aus und unterhält einen regen Briefwechsel mit wichtigen Persönlichkeiten ihrer Zeit aus Politik und Kirche. Sie korrespondiert unter anderem mit Kaiser Barbarossa, König Heinrich II von England sowie den ­Päpsten Eugen III, Anastasius IV oder Hadrian IV.

Hildegard, die Mystikerin

Hildegard hatte mystische Visionen und behauptete, g√∂ttliche Botschaften zu empfangen. In ihren Schriften f√ľhrte sie diese Erlebnisse auf Gott zur√ľck und schrieb ausf√ľhrlich dar√ľber. Im Vorfeld der Trierer Papst¬≠synode von 1147 pr√ľft und best√§tigt eine Kommission die Sehergabe Hildegards. Papst Eugen III. erkennt ihre Sehergabe offiziell an und f√∂rdert sie so in ihrem Schaffen.

Hildegard, die Musikerin

Hildegard von Bingen ist eine der ersten bekannten Komponistinnen des Mittelalters. Sie komponierte liturgische Ges√§nge, darunter Sequenzen und Hymnen. Ihr bekanntestes Werk ist die ¬ęSymphonia armonie celestium revelationum¬Ľ, eine Sammlung musikalischer und poetischer Werke.

Hildegard, die Schriftstellerin

Hildegard verfasste zahlreiche theologische, philosophische und medizinische Werke. Ihr bekanntestes Buch ist der ¬ęLiber Scivias¬Ľ, in dem sie ihre mystischen Visionen und theologischen Gedanken niederschrieb.

Hildegard, die Naturheilkundige

Sie verf√ľgte √ľber ein umfangreiches Wissen √ľber Heilkunde und Naturheilmittel und schrieb B√ľcher √ľber die Anwendung von Kr√§utern und Naturheilmitteln zur Linderung von Krankheiten. Ihr Welt- und Menschenbild ist von den Naturkr√§ften des Kosmos bestimmt. Ihre prominente Stellung hindert sie nicht daran, sich
um Kranke und deren Gebrechen zu k√ľmmern.

Hildegard, die Wunderheilerin

Hildegard stirbt im Alter von 81 Jahren auf dem Rupersberg bei Bingen. An ihrem Grab sollen sich zahlreiche Wunderheilungen ereignen. Zahlreiche Pilger strömen zu ihrem Grab, um dort zu beten. Der Konvent ruft den Bischof von Mainz um Hilfe. Dieser besucht Hildegards Grab und verbietet der Verstorbenen, weiterhin Wunder zu wirken.

Hildegard, die Heilige

Hildegards Wirken und ihr Einfluss auf die mittelalterliche Kultur und Theologie sind bis heute anerkannt. Hildegard von Bingen wird 2012 von der katholischen Kirche heiliggesprochen und zur Kirchenlehrerin erkl√§rt, was ihre Bedeutung f√ľr Theologie und Spiritualit√§t unterstreicht.

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