News aus dem Thurgau

«Ich habe da wohl einen Nerv getroffen»

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06.01.2017
Das zweite «Wort zum Sonntag» der reformierten Pfarrerin Catherine McMillan schlägt alle Rekorde: Fast 20‘000-mal wurde es im Videoplayer des Schweizer Fernsehens angeschaut und schafft es damit in die Top 3 der beliebtesten Kultursendungen 2016. Die Dübendorfer Pfarrerin erhielt auf die Sendung Reaktionen aus der ganzen Welt.

19‘420 Views verzeichnet die Sendung «Wort zum Sonntag» vom 5. November im Player des Schweizer Fernsehens (Stand 5.1.). Zum Vergleich: Durchschnittlich rund 1‘000-mal wurde letztes Jahr ein «Wort zum Sonntag» angeklickt. In den letzten Jahren erreichte nur Sibylle Forrer im MĂ€rz 2015 mit dem Thema «Ehe fĂŒr alle» einen Ă€hnlich hohen Wert (rund 15‘000 Views).

McMillan schildert in der Sendung zum Reformationssonntag, wie die Reformation zum eigenen, kritischen Denken angeregt hat und welche Rolle dabei die Übersetzung der Bibel spielte. Unter dem Titel «Bibel lesen ist kritisch» greift sie die Verfolgungsgeschichte von anders denkenden christlichen Gemeinschaften auf, namentlich die Geschichte der TĂ€ufer. Sie erinnert daran, dass Freikirchen wie Landeskirchen «Kinder der Reformation» seien.

Grosses Echo
Auf Anfrage, wie sie sich die hohen Zuschauerzahlen erklĂ€rt, offenbart McMillan: «Ich war selber sehr ĂŒberrascht.» Über hundert Zuschriften habe sie nach der Sendung erhalten, auch aus Spanien, Deutschland und den Philippinen. «Da habe ich wohl einen Nerv getroffen.» Nachkommen von TĂ€ufern hĂ€tten ihr ihre Familiengeschichte erzĂ€hlt. Das habe ihr einmal mehr gezeigt, dass da noch tiefe Verletzungen seien. «Die 300-jĂ€hrige Verfolgung der TĂ€ufer ist noch nicht ĂŒberall genĂŒgend thematisiert worden», stellt McMillan fest.

Auch Kollegen aus der Landeskirche und reformierte und katholische Gemeindemitglieder hĂ€tten sich fĂŒr ihre Worte bedankt, sagt McMillan. «Viele stossen sich an der herabsetzenden Kritik von Andersglaubenden. Sie stellen in den Medien ein ungehemmtes Bibel- und Freikirchen-Bashing fest.» Zudem sei oft beklagt worden, dass in manchen Sekteninfostellen keine theologisch ausgebildeten Personen arbeiten wĂŒrden.

Gleiches Fundament
Anlass fĂŒr ihr PlĂ€doyer im «Wort zum Sonntag» war ein Artikel im «Blick», wie McMillan erklĂ€rt. Die Zeitung habe in Zusammenarbeit mit einer Sekteninfostelle die auffĂ€lligsten Sekten in der Schweiz aufgelistet, darunter auch evangelische Minderheitskirchen. «Ich fand es unmöglich, dass Freikirchen in den gleichen Topf mit Scientology, den Zeugen Jehovas oder der KirschbaumblĂŒtengemeinschaft geworfen wurden.» Seit Jahren wĂŒrden Freikirchen in die Sektenecke gestellt, so McMillan.

«Viele Freikirchen teilen dieselben theologischen GrundsĂ€tze wie die Landeskirchen», betont die Reformationsbeauftragte der ZĂŒrcher Landeskirche. «Die Reformatoren haben dazu aufgerufen, die Bibel zu lesen und sich ein eigenes Urteil zu bilden.» So habe die Reformation zur Entstehung verschiedener Gruppen mit verschiedenen Nuancen gefĂŒhrt. Dieser Zusammenhang sei vielen nicht klar und habe wahrscheinlich zu einem Aha-Erlebnis gefĂŒhrt. «Vielleicht auch deshalb die grosse Resonanz», vermutet McMillan.

Umso mehr ist ihr wichtig, dass Begriffe wie «Freikirche», «Sekte» oder «Fundamentalismus» theologisch und gesellschaftspolitisch verantwortlich diskutiert werden. «Die Religionsfreiheit wird sonst unterdrĂŒckt.»

Podestplatz
Wegen der vielen Klicks gehört «Bibel lesen ist kritisch» mittlerweile zu den fĂŒnf beliebtesten Kultursendungen 2016, wie das Schweizer Fernsehen am 20. Dezember auf seiner Website mitteilte. Zwar erscheint McMillans «Wort zum Sonntag» da erst ganz am Ende der 5er-Liste, erreicht aber nach Klickzahlen vor dem «Literaturclub» und dem «Kulturplatz» zurzeit den 3. Platz.

Raphael Kummer / ref.ch / 6. Januar 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Das «Wort zum Sonntag» vom 5. November 2016
Die beliebtesten SRF-Kultusendungen 2016

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