News aus dem Thurgau

Kirchen unterstützten Zentralschweizer Pride

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15.09.2022
Gemeinsam feierten die katholische, reformierte und christkatholische Kirche Luzerns einen Pride-Gottesdienst. Zum zweiten Mal wieder, seit 17 Jahren.

Mit einer Demonstration und verschiedenen Veranstaltungen machten queere Menschen Anfang September auf ihre Anliegen aufmerksam. Unterst├╝tzt wurden sie von der katholischen, reformierten und christkatholischen Kirche, die neben anderen Aktivit├Ąten auch zu einem ├Âkumenischen Gottesdienst eingeladen hatten. So war an jenem Sonntag, dem 4. September, f├╝r einmal alles anders in der Peterskapelle. Am Eingang standen T├╝rsteher, die f├╝r Sicherheit bedacht waren. Wird eine Messe in einer katholischen Kirche ├╝blicherweise am Altar gefeiert, wurde sie an jenem Sonntag auf der gegen├╝berliegenden Seite der Kirche abgehalten. F├╝r diesen Zweck war die Bestuhlung der Kirche um 180 Grad gedreht worden. So blickten die Besucher nicht auf den Altar, sondern die Farben der Transcommunity, vor der die drei Seelsorger den ├Âkumenischen Gottesdienst feierten: Vroni St├Ąhli, reformierte Pfarrerin, Meinrad Furrer, r├Âmisch-katholischer Seelsorger und Adrian Suter, christkatholischer Pfarrer.

Gesch├╝tzter Rahmen
Die Besucher waren zahlreich erschienen. Rund 150 Menschen sassen auf den B├Ąnken, M├Ąnner, Frauen, eine Familie mit Kind, j├╝ngere Menschen neben hoch betagten. Meinrad Furrer machte darauf aufmerksam, dass im gesch├╝tzten Rahmen gefeiert werde. Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1, das vor Ort war, sei angewiesen worden, Personen nur von hinten zu filmen. Die T├╝rsteher seien vor Ort, um zu vermeiden, dass sich das gleiche wiederholen k├Ânnte, wie im Juni dieses Jahres in Z├╝rich. Damals hatte eine Gruppe junger Fanatiker den Pride-Gottesdienst in Z├╝rich gest├╝rmt. Zwar konnten die Handvoll Menschen umgehend aus der Kirche entfernt werden, doch das Entsetzen bei den Besuchern blieb. Ebenfalls unter Sicherheitsvorkehrungen war der letzte Pride-Gottesdienst in Luzern gestanden, der 2005 stattgefunden hatte. Damals hatte die erzkonservative Piusbruderschaft im Vorfeld zu einer Gegendemonstration aufgerufen, wenn auch im Anschluss nichts Dramatisches passierte, ausser dass Priester und junge M├Ąnner in Zivil auf Knien w├Ąhrend des Umzugs beteten.

Solidarit├Ąt, Diversit├Ąt, Inklusion
Ist der o╠łkumenische Pride-Gottesdienst in Z├╝rich seit Jahren bekannt und akzeptiert, hat er in der Innerschweiz Seltenheitswert. Meinrad Furrer, er gestaltete jahrelang den Pride-Gottesdienst in Z├╝rich mit, initiierte diesen in Luzern, unter anderem auch deshalb, da er k├╝rzlich die Stelle als Leiter des Teams der Peterskapelle angetreten hat. So fragte er bei der Reformierten Kirche Kanton Luzern an, ob sich diese bei einem Pride-Umzug mitengagieren mo╠łchte. ┬źDa wir uns fu╠łr Solidarita╠łt, Diversita╠łt und Inklusion einsetzen, haben wir zugesagt┬╗, sagt Lilian Bachmann, Pr├Ąsidentin der Reformierten Kirche des Kantons Luzern. ┬źWir fu╠łhren den Dialog direkt mit queeren Menschen und nicht u╠łber sie. Alle sind Teil unserer Gemeinschaft. Kirche ist ein Ort, wo Menschen mit unterschiedlichen Hintergru╠łnden den Dialog zu Sinn- und Lebensfragen fu╠łhren ko╠łnnen. Wir sind dabei noch einer der wenigen Orte in unserer zusehends spezialisierten Gesellschaft, wo sich Menschen vielfa╠łltig begegnen ko╠łnnen.┬╗

Zeichen der Solidarit├Ąt
Lilian Bachmann besuchte ebenfalls den Gottesdienst. Gemeinsam mit ihren Zwillingen, 15, setzte sie damit ein starkes Zeichen der Solidarit├Ąt. Seitens der katholischen und christkatholischen Kirche waren keine offiziellen Vertreter anwesend. ┬źDer Gottesdienst wird von der Katholischen Kirche Luzern finanziell und ideell unterst├╝tzt, es ist daher eine ├ľffnung zu sehen┬╗, kommentiert Meinrad Furrer diesen Umstand. Er sparte jedoch nicht mit Kritik am Umgang der katholischen Kirche mit queeren Menschen. ┬źDass wir hier einen Gottesdienst feiern d├╝rfen, ist noch immer eine grosse Sache┬╗, begann er die Feier. Jahrhunderte lang seien queere Menschen verfolgt worden. Es sei an der Zeit, heilsame Zeichen zu setzen, auch von der katholischen Kirche her. Leider sei die offizielle Lehrmeinung noch immer, dass das Leben queerer Menschen zu verurteilen sei. ┬źIch kann nur sagen, dass mir diese Einstellung leidtut und ich diese Position nicht teile.┬╗

┬źDass wir zusammen feiern, gibt Zuversicht und Hoffnung┬╗ betonte die reformierte Pfarrerin Vroni St├Ąhli. Sie kommentierte die Geschichte eines besonders ┬źqueeren┬╗ Menschen aus der Bibel, eine der ersten Personen, die getauft wurde. Getauft werden heisse, man geh├Âre zu der Gemeinschaft, man m├╝sse nicht jemand sein, man m├╝sse sich nicht beweisen, oder zuerst etwas bekennen, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. ┬źIn der Kirche ist man richtig, so wie man ist┬╗. Adrian Suter, christkatholischer Pfarrer, lud die Anwesenden zu einer gef├╝hrten Meditation ein. ┬źMit jedem Einatmen ├Âffnen wir uns f├╝r neue Erfahrungen┬╗, hob er an. Worte, die stellvertretend standen daf├╝r, wie sich queere Menschen w├╝nschen, dass man auf sie zugeht.

Carmen Schirm, kirchenbote-online

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