Kirchliche Nachbarschaftshilfe
Aktuell stammt rund ein Drittel der Pfarrpersonen, die in den 59 Thurgauer Kirchgemeinden tätig sind, ursprünglich aus Deutschland. Vor 20 Jahren lag der Anteil der deutschen Pfarrpersonen noch bei rund einem Viertel. Bis 1980 waren nur vereinzelte Pfarrerinnen und Pfarrer mit deutscher Herkunft im Thurgau tätig. Seither blieb der Zuzug aus dem Norden mit leicht steigender Tendenz konstant bei ein bis zwei Pfarrpersonen pro Jahr.
In den letzten fünf Jahren ist ein deutlicher Anstieg festzustellen. Es gab einzelne Jahre, in denen die Hälfte der Wechsel in den Pfarrämtern durch deutsche Theologinnen und Theologen besetzt wurden. Pro Jahr sind in der Thurgauer Landeskirche durchschnittlich sechs der rund 80 Pfarrstellen neu zu besetzen.
In der Mehrheit werden die Lücken, die durch Stellenwechsel und Pensionierungen entstehen, immer noch durch Schweizerinnen und Schweizer aufgefüllt. Der Anteil der Stellenbesetzungen durch Deutsche bewegt sich bei 40 Prozent. Hält der Trend an, dürfte sich der Anteil der deutschen Pfarrerinnen und Pfarrer in der Thurgauer Landeskirche in den nächsten Jahren langsam, aber stetig gegen 40 Prozent bewegen.
Rheinland und Süddeutschland
Betrachtet man die regionale Herkunft der zugewanderten deutschen Pfarrpersonen, so stammen die meisten aus der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und aus den an die Schweiz angrenzenden Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern. Fast alle sind im Thurgau und in der Schweiz geblieben. Nur ganz wenige sind nach einigen «jungen Jahren» im Thurgau wieder in ihre deutsche Heimat zurückgekehrt und haben dort eine Pfarrstelle übernommen.
Geschätzte Seelsorgende
In der Antwort auf die Anfrage eines jungen Pfarrers aus Deutschland, ob er sich im Thurgau um eine Pfarrstelle bewerben könne, machte der Kirchenrat ihm im Jahr 2005 mit folgenden Worten Hoffnung: «In den letzten Jahrzehnten haben auf dem Weg über den Verweserstatus nicht wenige Pfarrerinnen und Pfarrer aus deutschen Landeskirchen den Weg in das Pfarramt unserer Thurgauer Landeskirche gefunden und sie sind zu allseits geschätzten Seelsorgerinnen und Seelsorgern in unseren Kirchgemeinden geworden.»
Mangel belegen
Im gleichen Jahr hatte der Thurgauer Kirchenrat ein Kreisschreiben herausgegeben: Dieses sollte den Pfarrwahlkommissionen in den Kirchgemeinden eine Leitlinie zum Umgang mit Bewerbenden geben, die nicht den vorgesehenen Ausbildungsweg des Konkordats zur Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer absolviert hatten.
Anlass des Kreisschreibens war, dass «sich in jüngster Zeit die Gesuche von Pfarrwahlkommissionen an den Kirchenrat gehäuft hätten, Kandidaten oder Kandidatinnen, die nicht im Besitz des Wahlfähigkeitszeugnisses des Konkordats sind, den Weg zur Wählbarkeit in ein Pfarramt der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau zu öffnen».
Im Kreisschreiben wurde die ausländische Staatsangehörigkeit nicht erwähnt, obwohl die grosse Mehrheit der Gesuche ausländische Pfarrpersonen – fast auschliesslich aus Deutschland – betrafen. Konkret verlangte der Kirchenrat von den Pfarrwahlkommissionen, dass sie belegen mussten, dass die Kandidaten- und Kandidatinnen-Situation «im Blick auf das fragliche vakante Pfarramt» so sei, «dass sich die Gewährung einer Ausnahme rechtfertigt».
Serie: Deutsche Pfarrpersonen im Thurgau (1/3)
Wie haben sich Pfarrpersonen aus Deutschland in der Thurgauer Landeskirche eingelebt? Wie gehen sie mit den unterschiedlichen Mentalitäten und Kulturen um? Diesen Fragen geht der Kirchenbote in einer dreiteiligen Serie nach. Den Anfang macht der Beitrag zur Entwicklung der deutschen Zuwanderung in die Thurgauer Pfarrämter.

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