News aus dem Thurgau

Mit Tütensuppen gegen reformierte Kopflastigkeit

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27.01.2017
Zu intellektuell sei das Reformationsjubiläum. Deshalb bringen Heinz Wulf und Karolina Huber 37'000 Tütensuppen mit dem Konterfei der Reformatoren unters Volk. Die Buchstabensuppe als humorvolle reformatorische Botschaft.

Die frohe Botschaft muss nicht nur in den Kopf der Leute, sondern auch in ihre M├Ągen, in ihren Bauch, in ihre Seele. Davon sind Heinz Wulf und Karolina Huber ├╝berzeugt. Bei einem Glas Rotwein sinnierten die beiden an einem gem├╝tlichen Abend ├╝ber das Reformationsjubil├Ąum ÔÇô und ├Ąrgerten sich. Konzerte, Lesungen, Vortr├Ąge, alles sch├Ân und gut. Aber werden damit wirklich alle Gl├Ąubigen erreicht? Nein, fanden die beiden. ┬źDorthin kommen die Leute, die immer kommen. Damit bleibt das Reformationsjubil├Ąum in der kirchlich-b├╝rgerlichen Mittelschicht┬╗, sagt Heinz Wulf.

Dabei w├Ąre es doch viel wichtiger, auch andere Milieus zu erreichen. ┬źEs geht mir nicht um Intellektuellen-Bashing. Ich bin aber selber ein Arbeiterkind. Die reformierte Botschaft muss auch runter von der Kanzel und raus zu den Leuten┬╗, sagt Wulf. Und vor allem sei ihm und seiner Frau wichtig, dass das Ganze eine humorvolle, augenzwinkernde Komponente hat. ┬źDie Leute strahlen jedenfalls oft, wenn sie die Suppen anschauen. Und Religion ist nicht einfach bierernst, sondern soll auch Spass machen┬╗, so Wulf.

Zwingli, Luther und Calvin als Suppensujet
Wulf und Huber waren sich an diesem Abend einig, dass eine Suppe das beste Rezept ist, um die Leute auf eine witzige und einfache Art zu erreichen. ┬źMit dem Duft der Suppe verbreitete sich ja schon damals die Reformation┬╗, sagt Wulf. Durch einen pers├Ânlichen Kontakt konnten sie die Migros davon ├╝berzeugen, 37'000 P├Ąckchen ihrer Buchstaben-, Fideli- und Gersten-Suppen mit von Grafiker Bruno Fauser speziell gestalteten Reformatoren-Etiketten versehen zu lassen. So prangen die Reformatoren Zwingli, Luther und Calvin auf den Suppent├╝ten, begleitet von den Spr├╝chen Sola fide (allein der Glaube) und Sola gratia (allein die Gnade) und Sola scriptura (allein die Schrift). ┬źDie Buchstabensuppe ÔÇ╣Sola ScripturaÔÇ║ kommt besonders gut an┬╗, sagt Wulf. ┬źUnsere K├Ąuferinnen und K├Ąufer nehmen die Suppe nach Hause, schauen sie an und denken hoffentlich ├╝ber den Spruch nach.┬╗

Keine Werbung ÔÇô grosse Nachfrage
8'000 P├Ąckchen wurden bis jetzt verkauft. T├Ąglich werden zwischen 500 bis 600 f├╝r je zwei Franken bestellt, die im Keller des Kipferhauses in Hinterkappelen bei Bern lagern. Wulf verpackt und verschickt die Suppen in seiner Freizeit selber. ┬źWir sind von der Nachfrage und der Begeisterung der Leute ├╝berrascht. Wir haben ja nirgends Werbung gemacht┬╗, sagt Wulf. Die Mund-zu-Mund- oder heute eben Computer-zu-Computer-Propaganda funktioniere so gut wie damals bei der Reformation.

Gut 60 Prozent der Suppen m├╝ssen Wulf und Huber verkaufen, damit die Kosten gedeckt sind. Die weiteren Einnahmen spenden sie zur Unterst├╝tzung zum einen an die reformierte Kirchgemeinde Gambarogno im Tessin, zum anderen an die politische Gemeinde im B├╝ndner Safiental. Sollten tats├Ąchlich alle Suppen verkauft werden, spielt Wulf mit dem Gedanken, noch weitere Suppent├╝ten zu bestellen. ┬źWir sind ja zurzeit etwas m├Ąnnerlastig. Deshalb m├Âchten wir noch eine Frau auf die T├╝te drucken┬╗, sagt Wulf. Wibrandis Rosenblatt w├Ąre als Ehefrau dreier Reformatoren und eifrige Suppenk├Âchin f├╝r die Armen eine perfekte Kandidatin. Sie habe mit ihren Suppen gegen Not und Verzweiflung angekocht. Und somit eine wichtige reformatorische Rolle eingenommen.

Andreas B├Ąttig / ref.ch / 27. Januar 2017

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von ┬źreformiert.┬╗, ┬źInterkantonaler Kirchenbote┬╗ und ┬źref.ch┬╗.

Bezugsadresse der Reformationssuppen

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