News aus dem Thurgau

Religionsunterricht auch für Muslime?

von Ernst Ritzi
min
21.04.2024
Sollen sich die beiden Landeskirchen dafür einsetzen, dass an den Thurgauer Schulen auch islamischer Religionsunterricht erteilt werden kann? Die beiden Kirchenräte stehen dem Anliegen des Interreligiösen Arbeitskreises im Kanton Thurgau wohlwollend gegenüber.

An einigen Thurgauer Schulen wird islamischer Religionsunterricht f├╝r muslimische Kinder angeboten ÔÇô in Kreuzlingen schon seit 14 Jahren. Medienberichte zum Ausbau des Angebots in anderen Thurgauer Schulgemeinden mit einem hohen Anteil an muslimischen Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern haben zu Missverst├Ąndnissen und zu einer kontroversen ├Âffentlichen Diskussion gef├╝hrt.

Interreligi├Âser Arbeitskreis Thurgau ist Projekttr├Ąger
Gef├Ârdert und unterst├╝tzt werden die Projekte mit islamischem Religionsunterricht an vereinzelten Thurgauer Schulen vom Interreligi├Âsen Arbeitskreis im Kanton Thurgau. Es handelt sich dabei um einen Verein, der von Vertretern muslimischer Organisationen im Thurgau und von Pers├Ânlichkeiten getragen wird, die dem Bildungswesen und den beiden Thurgauer Landeskirchen nahestehen.

Lehrplanprojekt wird mit finanziellem Beitrag unterst├╝tzt
Das Interesse der Medien wurde geweckt, als der Interreligi├Âse Arbeitskreis Thurgau dar├╝ber informierte, dass ein kompetenzorientierter Lehrplan f├╝r den islamischen Religionsunterricht an den Thurgauer Schulen erarbeitet werden soll (siehe dazu auch den Artikel ┬źNeuer Lehrplan f├╝r den islamischen Religionsunterricht┬╗). Die beiden Landeskirchen unterst├╝tzen das Lehrplanprojekt mit einem einmaligen Beitrag von je 4000 Franken. Die inhaltliche Verantwortung f├╝r den Lehrplan liegt beim Interreligi├Âsen Arbeitskreis Thurgau. Der islamische Religionsunterricht wird von den muslimischen Organisationen finanziert. Die beiden Landeskirchen sind nicht Mitglied des Vereins. Es bestehen keine institutionellen Verbindungen. Die beiden Kirchenr├Ąte stehen dem Anliegen, dass auch muslimische Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in einem ┬źp├Ądagogisch verantworteten┬╗ Rahmen ihre Religion kennen und sch├Ątzen lernen sollen, positiv gegen├╝ber.

Die Thurgauer Kirchenratspr├Ąsidentin Christina Aus der Au und SVP-Nationalrat Pascal Schmid diskutieren dar├╝ber, ob an den Thurgauer Schulen neben dem christlichen Religionsunterricht der beiden Landeskirchen auch islamischer Religionsunterricht angeboten werden soll.

 

Das meinen Christina Aus der Au und Pascal Schmid:

 

Wir Kirchen k├Ânnen Religion

Christina Aus der Au, Kirchenratspr├Ąsidentin, Frauenfeld

┬źThurgauer Kirchen finanzieren islamischen Religionsunterricht! Eine Schlagzeile, die wohl manchen braven Kirchb├╝rger aufgeschreckt hat. Aber zum einen: Dies ist falsch. Und zum anderen: W├Ąre das wirklich so daneben?

Zum einen: Die Kirchen leisten einen kleinen Beitrag an die Entwicklung eines Lehrplans f├╝r einen islamischen Religionsunterricht im Thurgau. Dieser findet bis dato als jeweils breit abgest├╝tztes Projekt in drei Thurgauer Schulgemeinden nach dem w├╝rttembergischen Lehrplan statt, und der Bund unterst├╝tzt dies mit dreimal mehr Geld als die Kirchen. Die Argumentation des Bundesamtes f├╝r Polizei: Dies entspreche den Zielen der Verordnung gegen Radikalisierung und Extremismus. Angesichts der j├╝ngsten Nachrichten ├╝ber radikalisierte F├╝nfzehnj├Ąhrige ein dringendes Anliegen.

Zum anderen: Wer hat denn die theologischen und religionsp├Ądagogischen Kompetenzen, um einen entsprechenden Lehrplan auszuarbeiten? Wer hat jahrhundertelange Erfahrung in der Auseinandersetzung mit Texten und Traditionen, im Spannungsfeld von Glaube und Herausforderungen der Gesellschaft?

Genau ÔÇô wir Kirchen. Und deswegen sind wir nicht nur mit Geld dabei, sondern auch mit fachlicher Unterst├╝tzung. Damit muslimische Kinder ihre Religion ebenso fr├Âhlich, reflektiert und lebenstauglich kennenlernen d├╝rfen, wie christliche Kinder. Und damit Thurgauer und Thurgauerinnen ├╝ber Religionsgrenzen hinweg sich die H├Ąnde reichen in der Zusammenarbeit f├╝r eine lebenswerte Gesellschaft.┬╗

Ein absolutes ┬źNo Go┬╗

Pascal Schmid, Nationalrat SVP, Weinfelden

┬źDass die beiden Landeskirchen Steuergelder, die f├╝r christliche Zwecke erhoben worden sind, f├╝r Islamunterricht einsetzen, ist f├╝r mich ein absolutes 'No Go'. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Kirchenverantwortlichen auf eine solche Idee kommen.

Eines der Motive sei die Verhinderung von islamischem Extremismus. Das ist aber nicht Aufgabe der beiden christlichen Landeskirchen. Wenn eingewanderte religi├Âse Extremisten mit Steuergeldern bes├Ąnftigt werden m├╝ssen, um sie von Gewalttaten gegen die hier lebende Bev├Âlkerung abzuhalten, dann stimmt grundlegend etwas nicht mehr.

Jede Religionsgemeinschaft hat sich an die Grunds├Ątze unseres Zusammenlebens, wie sie in den Grund- und Freiheitsrechten unserer Bundesverfassung definiert sind, zu halten. Es geh├Ârt zur Integration, dass sich fremde Religionsgemeinschaften an unserer Werteordnung orientieren. Diese ist christlich-abendl├Ąndisch gepr├Ągt. Dazu geh├Ârt auch die Gleichstellung von Frau und Mann. Daran muss sich der Umgang des Islam mit Frauen messen. Erstaunlicherweise h├Ârt man dazu aus jenen Kreisen nichts, die sonst bei jeder Gelegenheit die Diskriminierung von Frauen beklagen. Wer sich nicht an unsere Rechtsordnung halten will, hat in unserem Land nichts verloren.

Das endlich konsequenter durchzusetzen, ist Aufgabe des Staates. Von den beiden Landeskirchen erwarte ich hingegen, dass sie sich f├╝r den Erhalt unserer christlichen Werte einsetzen ÔÇô und nicht daf├╝r, dass an unseren Schulen der Islam gepredigt wird.┬╗

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