News aus dem Thurgau

Schmerzlicher Verlust der Heimat

von Georg Stelzner
min
25.11.2023
Das Schicksal der aus Bergkarabach vertriebenen armenischen Bevölkerung droht im Schatten der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten in Vergessenheit zu geraten. Dieser Gefahr treten Menschen aus dem Thurgau entgegen.

Die Situation in Armenien ist dramatisch: Innert kurzer Zeit musste das Land ├╝ber 100'000 fl├╝chtende Menschen aufnehmen, die aus dem umk├Ąmpften Gebiet Bergkarabach vertrieben worden waren. Der Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche hat deshalb beschlossen, die diesj├Ąhrige Weihnachtskollekte f├╝r die Nothilfe in der Kaukasusrepublik zu verwenden. Zudem unterst├╝tzt er die Hilfswerke Little Bridge Schweiz und Christian Solidarity International (CSI) mit je 5000 Franken aus dem Fonds ┬źSolidarit├Ąt mit bedr├Ąngten Christen┬╗.

Traumatisiertes Volk

Das Hilfswerk Little Bridge Schweiz ist ganz auf Armenien fokussiert und setzt sich seit Jahren f├╝r die dortige Landbev├Âlkerung ein. Heuer hat Kathrin Ritzi aus Sulgen das Pr├Ąsidium des Vereins ├╝bernommen. Ihr Engagement f├╝r notleidende Menschen in einem bei uns wenig bekannten Staat ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass famili├Ąre Beziehungen mit Armenien bestehen. ┬źMeine Schwiegertochter Anna ist Armenierin, und ich habe das Land w├Ąhrend mehreren Aufenthalten kennengelernt┬╗, erz├Ąhlt die Sulgerin, deren Betroffenheit verst├Ąndlicherweise besonders gross ist.

Der vom Osmanischen Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ver├╝bte Genozid wirke bis heute nach und habe im armenischen Volk ein kollektives Trauma ausgel├Âst, gibt die Vereinspr├Ąsidentin zu bedenken. Laut Kathrin Ritzi verfolgt Little Bridge Schweiz den Grundsatz ┬źHilfe zur Selbsthilfe┬╗, wobei grosser Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werde. ┬źBei jeder Hilfe wird darauf geachtet, dass keine neue Ungerechtigkeit entsteht┬╗, erkl├Ąrt Ritzi.

Der ehrenamtlich und spesenfrei arbeitende Verein setzt in Armenien Personen ein, welche die Projekte pers├Ânlich begleiten und daf├╝r sorgen, dass das Geld im Sinne der Spender eingesetzt wird. Armenien verf├╝ge in der Welt ├╝ber keine nennenswerte Lobby und habe geopolitisch keinen hohen Stellenwert.

Enorme Herausforderung

Bei CSI mit Sitz im z├╝rcherischen Binz handelt es sich um eine politisch neutrale christliche Menschenrechtsorganisation. CSI ist eine Stiftung, die in 15 L├Ąndern f├╝r Religionsfreiheit und Menschenw├╝rde k├Ąmpft. Dies geschieht haupts├Ąchlich in Afrika und Asien, aber auch in Nicaragua und aktuell in Armenien, wo man mit der Caritas zusammenarbeitet.

Bei Hilfsleistungen setzt CSI auf die Wirtschaft vor Ort, um diese zu f├Ârdern und nachhaltig zu wirken. Das Hauptaugenmerk wird auf die Versorgung mit Lebensmitteln und auf die medizinische Betreuung gelegt. Zudem versucht CSI, die Interessen christlicher Gemeinschaften auf politischer Ebene zu vertreten.

Widerstand w├Ąre zwecklos

┬źWir unterst├╝tzen verfolgte christliche Minderheiten, missionieren aber nicht┬╗, erkl├Ąrt Reto Baliarda aus W├Ąngi. Er ist Redaktor des CSI-Magazins. Zur Entwicklung im Kaukasus sagt er: ┬źDie Herausforderung f├╝r Armenien ist nach dem Exodus der Bev├Âlkerung aus Bergkarabach enorm.┬╗ Die Aufgabe, so viele Menschen unterbringen und versorgen zu m├╝ssen, sei gigantisch.

├ťberrascht hat Baliarda das milit├Ąrische Vorgehen Aserbaidschans nicht. ┬źDer Angriff auf das armenisch besiedelte Gebiet hat sich abzeichnet. Widerstand zu leisten, w├Ąre zwecklos gewesen.┬╗ F├╝r Baliarda handelt es sich um einen Konflikt mit ethnischen und religi├Âsen Komponenten. Bergkarabach habe eine christliche Insel in einem muslimischen Meer dargestellt.

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