News aus dem Thurgau

SRG-Gebühr: 200 statt 335 Franken?

von Ernst Ritzi
min
27.01.2026
Die Volksabstimmung vom 8. März entscheidet über die künftige Höhe der Radio- und Fernsehgebühr. Die von der SRG-Initiative verlangte Senkung der Radio- und Fernsehgebühr auf 200 Franken könnte sich auch auf kirchliche Sendungen auswirken.

Bundesrat und Parlament lehnen die eidgenössische Volksinitiative «200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)» ab. Das Volksbegehren will die jährliche Radio- und Fernsehabgabe von 335 auf 200 Franken senken und Unternehmen ganz von der Abgabepflicht befreien. Die SRG-Initiative kommt am 8. März ohne Gegenvorschlag zur Volksabstimmung.

Die Pro- und Contra-Argumente

Bei einer Annahme der Initiative befürchten der Bundesrat und die Mehrheit des Parlaments «weitreichende Auswirkungen auf das publizistische Angebot und die regionale Verankerung der SRG».

Die Initianten argumentieren damit, dass die Schweizer Bevölkerung heute «die höchsten Radio- und Fernsehgebühren weltweit» bezahlen müssten. Die Initiative schaffe «Entlastung» und trage der Entwicklung Rechnung, «dass immer weniger Menschen SRG-Formate konsumieren» würden.

Was geschieht mit den kirchlichen Sendungen?

Zur Themenvielfalt der SRG in Radio und Fernsehen gehören auch die kirchlichen Sendegefässe «Wort zum Sonntag» (jeden Samstag nach der Hauptausgabe der Tagesschau), die Radiopredigt (Sonntag, 10.00 Uhr) und die Fernseh- und Radiogottesdienste (sieben Gottesdienste im Jahr). Die kirchlichen Sendegefässe sind in einer Leistungsvereinbarung mit der SRG geregelt.

Evangelisch-reformierter Vertragspartner sind die Reformierten Medien, ein von den Landeskirchen getragener Verein. Von den Sparanstrengungen der SRG waren in der Vergangenheit auch Sendungen zu Religion betroffen.

So wurden im Sommer 2021 die Radiosendungen «Zwischenhalt», «Blickpunkt Religion» und «Morgengeschichten» eingestellt. Die Redaktion hat je eine Person mit kirchlichem Bezug um eine Stellungnahme für oder gegen die «SRG-Initiative» gebeten.

 

Das meinen Christian Lohr und Fritz Wälchli:

 

Platz für Religion und Glauben

Christian Lohr, Nationalrat Die Mitte und Mitglied der Evangelischen Synode, Kreuzlingen. (Bild: zVg)

Und wieder geht es um die schnöde Geldfrage. Bei der Halbierungs-Initiative gegen die SRG geht es um partikulare Einflüsse privater Medien und anderer Interessenskreise.

Das grosse Schweizer Medienhaus beweist seit Jahrzehnten, wie man gutes Radio und Fernsehen macht. Der Qualitätsfrage, so meine ich, darf und muss man sich trotz der hohen Angebotspflicht (Aktualität, Regionalität, Themenvielfalt, Diversität…) immer wieder von neuem stellen.

SRG findet in seinen Programmen immer wieder Platz für Sendegefässe, die sich mit Gedanken und Gefühlen der eigenen Zuhörer- und Zuschauerschaft auseinandersetzen.

Viele Menschen fühlen sich durch Beiträge angesprochen, die Tiefgang haben, die gerade auch Glaubensfragen und ethische Themen in den Vordergrund stellen. Der Weg zum gesellschaftlichen Dialog wird dabei bewusst gesucht.

Bei den Privaten sucht man solche Elemente mit verstärkter Reflektion meist vergebens, da allzu vieles auf die medienwirksame Betroffenheit ausgerichtet ist.

Die SRG fundamental zu schwächen, das ist falsch. Ihr Publikum besteht aus unterschiedlichsten Personen. Mit vielen Informationen, Kultur und Sport sowie Unterhaltung begleitet sie diese durchs Alltagsleben.

Die Aufgabe, welche die SRG und ihre Mitarbeitenden erfüllen, ist vielschichtig und anspruchsvoll. Hierfür braucht es vernünftige Gebühreneinnahmen. Ich sage deshalb aus Überzeugung Nein zur Halbierungs-Initiative.

Kernauftrag aus den Augen verloren

Fritz Wälchli, ehemaliges Mitglied der Synode, Amriswil. (Bild: zVg)

Während viele Kirchgemeinden finanzielle Einschränkungen erleben, nehmen die Einnahmen der SRG zu. Als glaubensmässig interessierter Konsument stelle ich fest: In früheren Sparrunden wurden mehrere kirchliche Sendegefässe gestrichen.

Die Sorge, dass die SRG wieder bei den Kirchen fündig wird, ist berechtigt, ist doch die Radiopredigt seit kurzem nicht mehr schriftlich zu haben.

Mein Vertrauen in die Ausgewogenheit der SRG ist nicht sehr hoch. Einer Studie der ZHAW zufolge bezeichnen sich rund 70 Prozent der Journalisten als links. Dass von dieser Seite unserer jüdisch-christlichen geprägten Kultur nicht viel Wohlwollen entgegengebracht wird, ist kein Geheimnis.

Das zeigt sich auch in der Berichterstattung zum Nahostkonflikt, wo Israel oft einseitig die Schuld zugeschoben wird. Obwohl die Christenverfolgung weltweit ständig zunimmt und bald 400 Millionen Christinnen und Christen betroffen sind, ist das kein Thema für die Medien, ebenso wenig die Islamisierung.

Es stört mich, dass die SRG überrissene Gehälter bezahlt, während private Medienanstalten mit relativ kleinen Beträgen auskommen müssen, obwohl sie seriös berichten und interessante Talkshows bieten.

Und dann sind da noch Sendungen von Privaten, die überhaupt nichts von den Zwangsgebühren erhalten, wie das glaubensmässig gehaltvolle «Fenster zum Sonntag». Es geht nicht darum die SRG abzuschaffen, hingegen ist eine Fokussierung auf den Kernauftrag wünschenswert.

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