News aus dem Thurgau

Tiefe und Weite fürs Leben

von Emil Keller
min
24.04.2023
Anhand von 20 Persönlichkeiten und 20 Ereignissen beschreibt Niklaus Kuster im Buch «Innere Tiefe – grenzenlose Weite» die franziskanische Spiritualität und welchen Einfluss diese in ihrer 800-jährigen Geschichte hatte.

«So weit wie man von oben auf dem Säntis blicken kann. Das ist unser Kloster», beschreibt Niklaus Kuster bildhaft sein Wirkungsfeld und das seiner Brüder und Schwestern. Als Kapuziner im Kloster Rapperswil verbreitet er die franziskanische Spiritualität, welche auf den Ordensgründer Franziskus von Assisi zurückgeht. Diese bekennt sich zu einem einfachen Leben, welches solidarisch und geschwisterlich mit seinen Mitmenschen umgeht.

Dieses rigorose Bekenntnis zum Evangelium hat bereits Martin Luther beeindruckt, der Franz von Assisi als evangelischen Menschen bezeichnete. So ist auch die Klostergemeinschaft in Rapperswil, in dem Kuster lebt und arbeitet, ökumenisch zusammengesetzt. In der Lesung von Kuster, der ebenfalls als Kirchenbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Luzern lehrt, beschreibt er am Beispiel von bedeutenden Persönlichkeiten der Geschichte den Einfluss der «franziskanische Spiritualität». In den acht Jahrhunderten seit Entstehung der Bewegung sei diese Spiritualität immer wieder neu definiert und an die Gegebenheiten angepasst worden.

Als «wandernder Bindungsarbeiter» bezeichnet, versteht es Kuster ausgezeichnet, anhand dieser Personen und Ereignisse den franziskanischen Geist zu vermitteln, der für Lebensfreude und Liebe zur Schöpfung steht. Inspiration dazu erhält Bruder Kuster oft auf Studienreisen nach Assisi, wo Franziskus den Orden gegründet hat.

Den Worten Raum geben

Musikalisch begleitet wird die Lesung von Christine Lehmann am Klavier und Marina Massolin an der Klarinette. «Wir werden versuchen, die innere Tiefe und grenzenlose Weite musikalisch passend umzusetzen», verrät Massolin im Vorfeld zur Lesung. Sprache und Musik seien seit langem stark miteinander verbunden. Mittels der musikalischen Umrahmung soll den Worten von Niklaus Kuster mehr Raum gegeben werden. «Die Zuhörenden erhalten so die Möglichkeit, ihre Gedanken weiterzuspinnen und das Gesagte zu verarbeiten. Wir wollen dies musikalisch unterstützen und werden versuchen, unsere Stücke passend auszuwählen», so Massolin.


Die Lesung zum Buch «Innere Tiefe – grenzenlose Weite» von Niklaus Kuster findet am Mittwoch, 10. Mai, 19.15 Uhr im Zentrum Franziskus, Franziskus-Weg 3 in Weinfelden statt. Die Lesung ist kostenlos. Anmeldung erwünscht an rep@kath-tg.ch.

 

Unsere Empfehlungen

Eine Hand voll Glück in der Verenaschlucht

Eine Hand voll Glück in der Verenaschlucht

Seit dem Mittelalter pilgern Menschen in die Verenaschlucht, um ihre Hand in ein Felsloch zu legen und sich etwas zu wünschen. Aber auch sonst ist der Ort märchenhaft-verwunschen. Fünfter und letzter Teil der Sommerserie «Wandern auf spirituellen Pfaden».
Der Himmel hat keine Adresse

Der Himmel hat keine Adresse

Wohin richten wir den Blick, wenn wir in den Himmel schauen? Ein Gespräch mit der Philosophin Barbara Bleisch und dem Theologen Martin Werlen über Sehnsucht, Vanillepudding und die Frage, was bleibt. 
Zwischen Grotten, Göttern und Gemüsebeeten

Zwischen Grotten, Göttern und Gemüsebeeten

Die Ermitage Arlesheim und das Kloster Dornach gelten als alte Kraftorte. Ein Spaziergang zeigt: Die beiden Orte lassen nicht nur überzeugte Anthroposophen Kraft schöpfen. Teil 4 der Sommerserie «Wandern auf spirituellen Pfaden».
Auf Zwinglis Spuren durch die Wildnis

Auf Zwinglis Spuren durch die Wildnis

Moosige Baumriesen, Lavendelduft und hart erkämpfte Siege: Wer im Wildnispark Sihlwald und rund ums Kloster Kappel unterwegs ist, kommt dem Himmel schon vor dem ersten Schluck Klosterbier ein Stück näher. Teil 3 der Sommerserie «Wandern auf spirituellen Pfaden».