News aus dem Thurgau

Via Handy mit Kongo verbunden

von Manuel Ditthardt
min
01.03.2026
Ob Kobaltabbau im Kongo oder fehlende Saatgutvielfalt im globalen Süden – Unrecht gibt es vielerorts. Die diesjährige ökumenische Kampagne setzt sich für die Rechte von Bäuerinnen und Bauern im Süden der Welt ein. Rund um Weinfelden legt ein ökumenisches Team den Fokus auf Menschenrechte im Kongo.

Auch im Jahr 2026 veranstalten die katholische Hilfsorganisation Fastenaktion und das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (HEKS) eine gemeinsame Kampagne. Das Motto heisst «Zukunft säen». Konkret geht es darum, dass Saatgutvielfalt im Globalen Süden für eine gesunde Ernährung von hoher Bedeutung ist.

Aus diesem Grund engagieren sich HEKS und Fastenaktion für das Recht von Bäuerinnen und Bauern, Saatgut zu tauschen und zu verkaufen. Dieses Recht sei nämlich über politische Einflussnahme von Industrieländern mit sogenannten «Sortenschutzgesetzen» beschnitten worden. Agrarkonzernen würden diese Gesetze helfen, ihre kommerziellen Sorten abzusichern.

Gleichzeitig gefährdeten sie jedoch die Sortenvielfalt von Saatgut. Ziel der vom 18. Februar bis 5. April stattfindenden Kampagne ist, Menschen in der Schweiz für das Thema zu sensibilisieren und Spenden für die Projekte in den betroffenen Regionen zu sammeln.

Weinfelder Team zeigt Einsatz

Ein ökumenisches Team aus Weinfelden und Umgebung unterstützt immer für zwei Jahre ein Hilfsprojekt, das gemeinsam ausgewählt wird. Das Team besteht aus insgesamt sieben Personen aus der katholischen Kirchgemeinde Weinfelden sowie den evangelischen Kirchgemeinden Weinfelden und Märstetten.

In diesem und im nächsten Jahr konzentrieren sie sich auf den Kobaltabbau im Kongo. Es handelt sich um eines von vielen Projekten, die von HEKS und Fastenaktion für die ökumenische Kampagne 2026 vorgeschlagen wurden.

Für Perspektive sorgen

Tobias Arni, Pfarrer in der Evangelischen Kirchgemeinde Märstetten, ist Teil dieses ökumenischen Teams. Kobalt, erklärt er, sei ein bedeutendes Metall, da es für «die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien in Smartphones, Laptops und Elektroautos verwendet wird».

Circa 70 Prozent des weltweiten Kobalts komme aus dem Kongo. Der Abbau von Kobalt sei dort «häufig mit schlechten Arbeitsbedingungen, Umweltproblemen und teils auch Kinderarbeit verbunden». Deshalb möchten er und sein Team 2026 und 2027 Spenden für die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo sammeln und ganz im Sinne der Ökumenischen Kampagne «Zukunft säen».

Arni zufolge brauche der betroffene Teil der kongolesischen Bevölkerung «juristische und moralische Unterstützung», um sich gegen «ausbeuterische Strukturen» von Firmen zu wehren. Dass nur eine elitäre Minderheit von den Rohstoffschätzen profitiere, betrachtet er als grosse Ungerechtigkeit.

Eyecatcher «Riesenhandy»

Für Unterstützung will das Team mit unterschiedlichen Anlässen sorgen, bei denen die Kollekte oder der Erlös für das Projekt bestimmt ist. So sind im März beispielsweise ökumenische Gottesdienste mit anschliessendem Essen oder ein Tulpenverkauf geplant. Ausserdem wird ein Aufruf zur Spende für das Projekt im Kongo an jeden Haushalt in Weinfelden, Märstetten, Ottoberg und Boltshausen verschickt.

Für die Gottesdienste hat sich das Team etwas Besonderes überlegt: Ein überdimensional grosses «Handy» soll als «Eyecatcher» (Blickfang) dienen, der auf die Situation im Kongo aufmerksam macht. «In jedem unserer Handys hat es ja Kobalt, und so sind wir auch alle mit den Menschen im Kongo verbunden», begründet Tobias Arni.

Unsere Empfehlungen

«Gebet kann Verfolgten Mut machen»

«Gebet kann Verfolgten Mut machen»

Der Jurist und Familienvater Fabian Baumer-Schuppli, verheiratet mit einer Thurgauer Pfarrerin, erklärt im Interview, warum er sich seit einigen Jahren in der Kommission Solidarität mit bedrängten und verfolgten Christen engagiert.
Die Kunst, mit der Spaltung zu leben

Die Kunst, mit der Spaltung zu leben

Vor 500 Jahren trafen sich in Baden Katholiken und Reformierte zum Schlagabtausch. Die Disputation sollte den wahren Glauben klären – eine Einigung kam damals nicht zustande. Die Spannungen mündeten in die ersten Religionskriege, doch Baden wies den Weg, wie sich Gräben überwinden lassen.
«Saatgut ist ein Gemeingut»

«Saatgut ist ein Gemeingut»

Die Sammelkampagne 2026 der kirchlichen Hilfswerke rückt Saatgut in den Fokus und warnt vor der Monopolisierung durch Grosskonzerne. Entwicklungsexpertin Tina Goethe von Heks erklärt, warum die Zukunft bei den Kleinbauern liegt.