News aus dem Thurgau

Zuhause in der Welt der Zahlen

von Georg Stelzner
min
30.03.2026
Der 31. März 2026 stellt im Leben von Kathrin Argaud und damit auch in der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau eine Zäsur dar. Nach 15 Jahren übergibt die gebürtige Emmentalerin und seit 1985 im Thurgau lebende Quästorin ihr Amt.

Ob Kathrin Argaud ihren Arbeitsplatz am Bankplatz in Frauenfeld vermissen wird? Gut möglich, gestattet der Blick durch das Bürofenster doch eine herrliche Sicht auf die Altstadt. Doch nicht nur deswegen schätzte Kathrin Argaud ihre Tätigkeit im Dienst der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, für die sie als Quästorin seit April 2011 ein wachsames Auge auf die Finanzen hatte. Sie fühlte sich im Umgang mit Zahlen seit jeher wohl. So fungierte sie vor dem Wechsel in die Kantonshauptstadt während 14 Jahren in der Evangelischen Kirchgemeinde Wängi als Pflegerin. «Natürlich wurde ich oft gefragt, worin meine Arbeit in Frauenfeld überhaupt besteht», erzählt Argaud. Und natürlich wäre das kaum der Fall gewesen, fände anstelle des aus dem Römischen Reich stammenden Begriffs «Quästorin» der verständlichere Ausdruck «Finanzverwalterin» Verwendung.

Weichen früh gestellt

Wer vermutet, dass sich Kathrin Argauds Faible für Zahlen schon während der Schulzeit entwickelt hat, liegt richtig. «Rechnen lag mir, Französisch mochte ich aber genauso gern», sagt die 65-Jährige. Ein KV-Lehrer im Fach Buchhaltung habe sie entscheidend für die Welt der Zahlen zu begeistern vermocht. Die beruflichen Weichen waren damit gestellt. Argaud absolvierte in Zürich eine Ausbildung zur Fachfrau Finanz- und Rechnungswesen. Die Lieblingszahl der zweifachen Mutter ist die 26. Der Grund: Argaud wurde am 26. Juli 1960 geboren. «Ich bin nicht abergläubisch», versichert sie schmunzelnd, wenn sie darauf hingewiesen wird, dass die vermeintliche Unglückszahl 13 in ihrer Lieblingszahl gleich zwei Mal enthalten ist.

Triathletin und Bergsteigerin

Kathrin Argaud war gern Quästorin. Hinter jeder Zahl verberge sich eine Geschichte, sagt sie. Und aus der Bearbeitung unzähliger Buchungen resultiere am Ende eine einzige, entscheidende Zahl. Während sich an den Aufgaben nicht viel änderte, erlebte Argaud eine technologische Revolution direkt mit: Die Digitalisierung trat einen fulminanten Siegeszug an. «Meine Vorgängerin benutzte noch Karteikarten», erinnert sich Argaud, die in 15 Jahren gleich mit drei verschiedenen Buchhaltungsprogrammen arbeitete. Als markantesten Einschnitt bezeichnet sie die im Jahr 2020 erfolgte Umstellung auf das Harmonisierte Rechnungslegungsmodell 2. Neben Fachkompetenz brauchte Argaud bei ihrer Arbeit auch Ausdauer und einen starken Durchhaltewillen. Als Triathletin und Bergsteigerin konnte sie diese Eigenschaften in die Waagschale werfen.

Jetzt freut sich Kathrin Argaud darauf, mehr Zeit zum Ausruhen und für die Gestaltung ihres Gartens zu haben. Von ihren Kenntnissen im Finanzwesen werden die Evangelischen Kirchgemeinden Ermatingen und Lommis profitieren. «Ich mache dort ab Mai die Rechnungsführung», sagt die ehemalige Quästorin.

 

Hossmann wird neue Quästorin

Gabriela Hossmann startet am 1. April 2026 als neue Quästorin und Leiterin Finanzen der Evangelischen Landeskirche Thurgau. Sie folgt auf Kathrin Argaud, die pensioniert wird (siehe Artikel oben). Hossmann wurde 1969 geboren, wohnt in Frauenfeld, ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie ist ausgebildete Wirtschaftsprüferin und Betriebsökonomin. Zuletzt war sie in einem Industrieunternehmen als Financial & Accounting Managerin tätig. Ihre Stelle tritt sie im 90-Prozent-Pensum an.

 

 

Unsere Empfehlungen

Kirche setzt auf Prävention – und geht voran

Kirche setzt auf Prävention – und geht voran

Die Reformierte Kirche Kanton Luzern geht neue Wege: Als erste reformierte Kirche in der Schweiz hat sie ihre Mitglieder systematisch zum Thema Grenzverletzungen befragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Prävention ist kein Randthema.
Möglichkeiten am Schopf ergreifen

Möglichkeiten am Schopf ergreifen

Wenn am Bahnhöfli Löhningen die Blache draussen hängt und die Tür geöffnet ist, lädt der Pfarrer Lukas Huber zum Gespräch ein. Denn: Seit den Sommerferien 2025 werden die Bevölkerung von Löhningen und die an der viel befahrenen Hauptstrasse Vorbeifahrenden dazu aufgefordert, den Pfarrer bei der ...
Aufbruch braucht Mut

Aufbruch braucht Mut

In Amriswil ist etwas in Bewegung. Still, nicht unbedingt messbar – und doch deutlich spürbar. Jugendarbeiter Willy Ramazani beobachtet einen geistlichen Aufbruch, der ohne grosse Worte auskommt, aber viele Menschen berührt.