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Kirche

Eine Art Lebensmotto

Drei Wochen nach der Konfirmation sehen wir uns wieder. Die Konfirmandengruppe ist eingeladen, bei uns im Garten zu grillieren. Mein Mann und ich sind beide Pfarrpersonen und in Rorschach für den Konfirmandenunterricht zuständig. Schon seit einigen Jahren laden wir zum sogenannten Nach-Konf-Grillen ein.

Kurz vor 18 Uhr trudeln die ersten «Ex-Konfis» bei uns im Garten ein. Einige erzählen vom vorabendlichen Fussball-Match («Wieder mal verloren…»), andere von der Lehrstelle, die sie bald antreten, wieder andere von ihren Plänen für den Sommer. Die Stimmung ist gelöst. Fast alle sind gekommen – auch um das Konfirmationsfoto abzuholen. Fünf Mädchen und elf Jungen haben sich in diesem Jahr in der evangelischen Kirche konfirmieren lassen. Dazu hat jeder und jede von ihnen einen Konfirmationsspruch gewählt und dazu später eine persönliche Konfirmationskerze gestaltet.

Eine Liste mit Sprüchen zur Auswahl
Im Laufe unseres Grillabends sind sie bereit, mir einige Fragen zu ihren Sprüchen zu beantworten. Wie war das, sich einen Bibelvers für die Konfirmation auszuwählen? Es sei ihnen leichtgefallen, sagen alle einmütig. Schliesslich hätten sie ja von uns eine Liste zur Auswahl der Bibelsprüche erhalten. Die meisten sind hier fündig geworden. Einer hat sich im Internet auf die Suche gemacht. Ein anderer hat in der Bibel gelesen und in der Familie nach möglichen Konfirmationssprüchen herumgefragt.

«Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.»
Psalm 18,30

«Er muss zu mir passen»
Ob denn die anderen ihren Vers alle allein gewählt hätten, will ich wissen. Hier steht es halbe-halbe. Die eine Hälfte hat die Wahl des Bibelwortes mit sich allein ausgemacht, die andere Hälfte hat mit den Eltern beraten. Untereinander hätten sie nicht über die Sprüche gesprochen, und auch Grosseltern oder Gotte und Götti wurden nicht zu Rate gezogen. Was denn für sie wichtig war beim Aussuchen, frage ich. «Dass er zu mir passt und etwas mit mir zu tun hat», sagen viele. Der Spruch soll eine Wahrheit beinhalten, äussert sich eine. Er soll eine gute Aussage haben, ein anderer. Für einige ist es wichtig, dass der Spruch kurz ist und schön klingt. Zwei geben an, bei ihnen hätte einfach der Zufall entschieden; sie hätten da nicht viel studiert. 

Es wird sich weisen, ob er wichtig ist
Ob es für sie wichtig sei, einen Konfirmationsspruch zu haben, will ich zum Schluss wissen. Hier sagen die meisten: «Nein, wichtig ist das nicht.» Zwei Mädchen sind anderer Meinung: Der Spruch gehöre dazu und sei so eine Art Lebensmotto, meinen sie. Und einer findet, dass sich das ja erst herausstellen müsse, ob diese Worte wichtig würden – im Laufe des Lebens.

 

Text: Esther Marchlewitz, Pfarrerin, Rorschach | Foto: zVg  – Kirchenbote SG, Juli-August 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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