News aus dem Thurgau

70-Millionen-Projekt: Zumthor baut für Zwingli

von Reto Wälter
min
30.10.2026
«Tut um Gottes Willen etwas Tapferes! Lebt Demokratie»: Mit diesem Zwingli-Motto lancierte die Stiftung «Vision Zwingli» im Zürcher Grossmünster ihr 70-Millionen-Projekt in Wildhaus. Neben dem versetzten Geburtshaus des Reformators soll ein Leuchtturmbau von Peter Zumthor entstehen.

Klein und unscheinbar steht in Wildhaus das Geburtshaus des grossen Reformators Huldrych Zwingli eingepfercht zwischen Häusern und Strassenkreuzung.

 

Die Geburtsstätte von Zwingli ist eines der ältesten Bauernhäuser der Schweiz.

 

Das soll sich ändern: Im Zuge des Projekts «Vision Zwingli» soll eines der ältesten Bauernhäuser der Schweiz, in dem Zwingli 1484 das Licht der Welt erblickte, um 50 Meter versetzt werden, um wieder, wie einst, auf der grünen Wiese zu stehen.

 

Das Zwinglihaus soll um 50 Meter versetzt werden.

«Der fachgerechte Ab- und Wiederaufbau des Strickbaus wurde uns vom Heimatschutz erlaubt, weil der Sockel des Hauses vor einigen Jahren komplett erneuert werden musste», sagte Architekt Timothy Allen im Hochchor des Grossmünsters in Zürich. Am Donnerstag fand dort die Kick-off-Veranstaltung für das 70-Millionen-Projekt «Vision Zwingli» statt. Im Grossmünster hatte Zwingli ab 1519 als Pfarrer gepredigt und die Zürcher Reformation angestossen. Der Umzug des Geburtshauses ist nur ein kleiner Bestandteil des Projekts, das in Wildhaus realisiert werden soll.

 

Ellipsenförmiger Rundweg

Auf einem ellipsenförmigen Rundweg ohne Anfang und Ende sollen Themen aus Diakonie und Bildung «skulptural, architektonisch und digital vertieft werden», wie Timothy Allen vom Architekturbüro Allen + Crippa Architektur sagt.

 

Der ellipsenförmige Rundweg schliesst die beiden Hauptprojekte mit Zwinglihaus und Neubau, sowie den Zumthor-Bau am Dorfeingang ein..

Noch seien in diesem Projektstadium nicht alle Standorte auf dem Rundweg bis ins Detail definiert, sagte Allen in Zürich, auch weil ein Teil des Weges durch das geschützte Munzenriet führt. Das Buchser Architekturbüro plant in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus einen massiven Neubau aus Stein, der die Auseinandersetzung der reformatorischen Grundsätze mit den Werten unserer heutigen Demokratie symbolisieren soll, wie es etwas vage in der Pressemitteilung heisst.

 

Leuchtturmprojekt von Stararchitekt Peter Zumthor

Neben diesem als «Epizentrum Reformation» definierten Standpunkt soll das «Epizentrum Demokratie» auf der anderen Seite des Dorfes den zweiten Bezugspunkt der sogenannten «Toggenburger Demokratie-Ellipse» bilden. Als Highlight gilt das «architektonische Leuchtturmprojekt» des weltbekannten Architekten Peter Zumthor. Zahlreiche Fragen der fast zwei Dutzend Medienvertreter konzentrierten sich auf dieses Bauwerk, das am Standort des zurzeit leerstehenden früheren Hotels Bellevue entstehen soll. «Zumthor hat erste Projektskizzen angefertigt, will aber der Öffentlichkeit seine Pläne erst präsentieren, wenn sie reif sind», sagte Martin Schmidt, der die Stiftung Vision Zwingli präsidiert. Hinter der Stiftung stehen die Reformierte Kirche St.Gallen, Toggenburg Tourismus, an der Medienkonferenz vertreten durch Präsident Bruno Fläcklin, und die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann, vertreten durch Gemeindepräsident Thomas Diezig.

Die Rede ist von einem Holzbau, der Platz für 300 Personen bietet. Beinhalten soll er unter anderem eine Orgel, sagte Peter Roth, Initiant der Klangwelt Toggenburg, durch dessen freundschaftliche Beziehung zu Peter Zumthor das Engagement für das Projekt zustande kam. Zwingli liess die Orgeln aus den Kirchen entfernen, «Teufels Dudelsack» nannte er sie. Musik hatte seiner Ansicht nach nichts in Kirchen verloren. Auch Gesang, Tanz und interreligiöse Dialoge soll es im neuen Bau geben. «Wir bringen die Orgel zurück, frei nach Zwinglis Motto ‹Tut um Gottes Willen etwas Tapferes! Lebt Demokratie›», sagte Christoph Sigrist, ehemaliger Pfarrer der St.Galler Stadtkirche St.Laurenzen und des Zürcher Grossmünsters, der sich im Rahmen der Stiftung engagiert. «Ich habe seit einem Jahr viele Gespräche geführt, darunter mit über 20 potenziellen Geldgeberinnen und Geldgebern. Derzeit werden alle hellwach beim Thema Demokratie.» Konkrete Finanzierungszusagen konnte er noch keine vorweisen. Ziel ist, dass grösstenteils Private für die Kosten aufkommen.

Ambitionierte Pläne

Mit dem Bund und den Kantonen Zürich und St.Gallen werden ebenfalls Gespräche geführt. Die veranschlagten 70 Millionen Franken beinhalten die Baukosten und 15 Millionen für einen Betriebs- und Substanzerhaltungsfonds. Ähnlich ambitioniert sind die Baupläne: Gestartet werden soll 2028/29 und zwei Jahre später soll eröffnet werden können. Die Planung rechnet mit rund 50000 Tagesbesuchen und rund 20000 zusätzlichen Logiernächten pro Jahr.

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