Viele Sprachen, ein Geist, spirituelle Vielfalt
Von den Organisatorinnen wurde sie liebevoll die «Frömmigkeitstagung» genannt. Und tatsächlich drehte sich alles um die Frage, wie Menschen ihren Glauben leben: persönlich, individuell und durchaus unterschiedlich. Gerade im Thurgau ist diese Vielfalt gelebter Frömmigkeit bekannt und prägend.
Wie bunt das Spektrum ist, zeigte sich bereits im Vorfeld. Die knapp hundert Teilnehmenden erhielten einen Frömmigkeitstest, dessen Auswertung in Form eines Spider-Diagramms persönliche Schwerpunkte sichtbar machte: von liberal über wertekonservativ und biblizistisch bis hin zu kontemplativ.
Offenheit, Respekt, gegenseitiges Verständnis
An der Tagung selbst nahm Manuel Schmid, früher ICF-Pastor und heute Cheftheologe der Evangelischen Kirche Schweiz, die Anwesenden mit auf eine ebenso persönliche wie selbstironische Reise durch seine eigene Glaubensbiografie. Dabei beleuchtete er die Stärken, aber auch die Schattenseiten der verschiedenen Frömmigkeitstypen.
Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutierten unter der Moderation von Kirchenratspräsidentin Christina Aus der Au die Pfarrerin Silke Petermann aus Romanshorn, Pfarrer Michael Neracher aus Schönholzerswilen und Pfarrer Steffen Emmelius aus Aadorf über ihre Gottesbilder und ihr Bibelverständnis. Die Unterschiede waren spürbar, teils auch die Gegensätze. Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Offenheit, Respekt und gegenseitiges Verständnis über die unterschiedlichen Positionen hinweg möglich sind.
Persönliche Art des Glaubens
Diesen Geist nahmen die Teilnehmenden anschliessend in die Kleingruppen mit. In bewusst vielfältig zusammengesetzten Vierergruppen tauschten sie sich über ihre ganz persönliche Art des Glaubens aus: Was nährt mich im Glauben? Was hat sich im Laufe meines Lebens verändert? Was schätze ich an anderen Frömmigkeitsformen, und wo nehme ich Herausforderungen wahr? Die Auswertung via Mentimeter zeigte ein klares Bild: Gegenseitige Offenheit, Wertschätzung und auch eine kritisch-reflektierte Toleranz werden in der Landeskirche geschätzt und gewünscht.
Beim anschliessenden gemeinsamen Mittagessen in der Kartause Ittingen setzte sich der Austausch nahtlos fort – engagiert, angeregt und zugleich in fröhlicher Atmosphäre. Die Evangelische Landeskirche Thurgau zieht eine positive Bilanz der ersten Tagung im Rahmen des Thurgauer Forums Gemeindeentwicklung. Eine Fortsetzung ist für das nächste Jahr vorgesehen. Zahlreiche Themenvorschläge dafür liegen bereits vor.
Viele Sprachen, ein Geist, spirituelle Vielfalt