News aus dem Thurgau

Frömmigkeit: Was ist mein Stil?

von Ernst Ritzi
min
01.07.2026
Mit einer «nicht ganz ernstgemeinten» Landkarte der Thurgauer Frömmigkeitslandschaft lädt die Landeskirche dazu ein, sich Gedanken zur eigenen Frömmigkeit zu machen.

Die Thurgauer Landeskirche will Menschen mit unterschiedlichen Frömmigkeitsstilen miteinander ins Gespräch bringen. Dazu hat sie – als Gedankenanstoss – eine «nicht ganz ernstgemeinte» Landkarte realisiert, auf der die fiktive (evangelische) Frömmigkeitslandschaft im Thurgau dargestellt ist.

Religiöse Milieus als Landschaftselemente
Auf der fiktiven Thurgauer Karte werden die unterschiedlichen religiösen Milieus bestimmten Landschaftselementen zugeordnet: Das «reformierte Hochland», das «Land der distanzierten Kirchenmitglieder», die «sozial-diakonische Insel», die «liberale Bucht», die «freikirchliche Ecke», der «mystische Wald», die «fromme Wüste» und die «charismatische Senke». Die religiösen Milieus werden mit Eigenschaften und mit einer konkreten Aussage umschrieben. Sie ermöglichen eine Zuordnung und regen zu Zustimmung und Widerspruch an.

Landkarte enthält auch Wertungen
Die Landkarte enthält durchaus Wertungen, dort, wo einem Milieu wenig vorteilhafte Eigenschaften zugeschrieben werden. Der «charismatischen Senke» werden «viel Geist, viel Gefühl und nicht immer viel Struktur» zugeschrieben. Der «frommen Wüste» wird attestiert, dass sie «Freiheit schwierig» finde. Besser kommt da das «reformierte Hochland» mit den Eigenschaften «nüchtern, pflichtbewusst, diskussionsfreudig » weg und die «liberale Bucht» mit: «Glauben ja – aber bitte mit Fragen, offen für Neues, kritisch, Suche nach Sinn.»

Angeregt durch die Frömmigkeitslandkarte hat die Redaktion des Kirchenboten zwei regelmässige Besucher des Männergesprächskreises der Kirchgemeinde Sulgen- Kradolf eingeladen, sich in der fiktiven Frömmigkeitslandschaft des Kantons Thurgau zu verorten.

Das meinen Joachim Nerz und Richard Kessler:

 

Gott ist mir ein persönliches Du


Joachim Nerz, Schönenberg. (Bild: zVg)

«Ich glaube an einen persönlichen Gott, also an ein Du, nicht an ein abstraktes Wesen. Es ist der christliche Gott der Bibel. Wahrheit ist aus meiner Sicht etwas Absolutes.

Hingegen betrachte ich unsere Erkenntnis und Wahrnehmung als vorläufig und unvollkommen. Beim Umgang mit der Heiligen Schrift ist mir wichtig, dass Zusammenhänge, Spannungen und scheinbare Widersprüche nicht ausgeblendet werden, sondern dass die Auslegung in sorgfältiger Abwägung nach dem Sinn und Geist des Evangeliums erfolgt. Denn 'der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig'. (2. Kor. 3,6) Diesem Geist möchte ich mich öffnen, mich von ihm, von Gott, begeistern lassen. Weil Gott für mich ein Du ist, bete ich regelmässig, und das im Sinne von Reden und Hören.

Die Bibel lese ich aktuell sporadisch, eher themenorientiert. Ich habe sie aber – vor längerer Zeit – ganz gelesen, so dass ich glaube, ein wenig zu wissen, was drinsteht. Gottes Wirken erwarte ich im Kleinen wie im Grossen. Wobei für mich offensichtlich ist, dass Gott nicht so eingreift, wie es meinen persönlichen Werten entsprechen würde. Sonst wären zum Beispiel nicht so viele Egomanen so mächtig auf dieser Welt.

Ich versuche zu akzeptieren, dass Gottes Gedanken nicht mit meinen eigenen zu vergleichen sind (vgl. Jesaja 55,8+9). Demgegenüber habe ich aber persönliche Erfahrungen mit Gott gemacht, die mir sehr geholfen haben und die meinen Glauben, mein Vertrauen auf Gott, stark prägen.»

 

Mein Fundament ist Gottes Wort


Richard Kessler, Sulgen. (Bild: zVg)

«Schnell habe ich in der fiktiven 'Frömmigkeitslandschaft' meine bevorzugten 'Ecken' gefunden. Mein vergangenes Leben betrachtend, hat meine Frömmigkeit zusehends Risse und Löcher bekommen. Der Glaube an Gottes Wort – ich glaube heute an die Irrtumslosigkeit der Bibel – führt je nach Charakter oder Gaben zu verschiedenem Verhalten.

Nächstenliebe leben, ohne vorher belehren zu wollen, fällt mir schwer. Ab und zu brauche ich die 'Wüste', um wieder Ordnung in meine Gedanken zu bringen. 'Nüchtern' und 'pflichtbewusst', nicht immer 'diskussionsfreudig, hilft mir nur das Wissen, dass Gott mich liebt und mich gemäss seinem Wort verändern will. Diese Erziehung ist oft ernüchternd und unangenehm und wenn ich dann mit neuer Erkenntnis gefüllt in die Überheblichkeit abzugleiten drohe, führt er mich liebevoll auf den Weg zurück. Ich mag das 'Liberale' und die 'Mystik' nicht, und bei der 'charismatischen Senke' sehe ich die Gefahr, über das Wort hinauszugehen.

Ich singe gerne Gotteslieder, wo die Melodie den guten Text unterstützt, zu moderne Lieder oder schwärmerischer Lobpreis führen zu Stirnrunzeln. Den Sinn des Lebens sehe ich darin, Gott immer besser kennenzulernen, seine Liebe zu erwidern, indem ich seine Gebote zu halten versuche und an meinen Herrn Jesus glaube – den Weg, die Wahrheit und das Leben. Der am Kreuz auch alle meine Schuld getragen und mir aus Gnade die Wiedergeburt und das ewige Leben schenkt. Dessen Wort bleibt, auch wenn die Erde vergeht. 'Freut euch im Herrn allezeit!' (Phil 4,4)»

 

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