News aus dem Thurgau

Konfirmiert – was ist daraus geworden?

von Ernst Ritzi
min
24.04.2026
Welchen Stellenwert kann die Konfirmation im Leben haben? Das Konfirmationsverständnis der Evangelischen Landeskirche Thurgau lässt einen breiten Raum und ist offen für vielfältige Lebenserfahrungen.

In der Kirchenordnung der Thurgauer Landeskirche wird die Bedeutung der Konfirmation in Kurzform so beschrieben: «Bei der Konfirmation erhalten die Jugendlichen Gelegenheit, die mit der Taufe verbundene Einladung zu einem christlichen Leben zu bekräftigen. Sie beinhaltet Segen und Fürbitte für die Jugendlichen und bestätigt den Abschluss des kirchlichen Unterrichts sowie die Mitgliedschaft in der Evangelischen Landeskirche. Den Konfirmanden und Konfirmandinnen wird ein Bibelwort persönlich zugesprochen.»

Offen für unterschiedliche Lebenswirklichkeiten

Auf der Webseite der Landeskirche wird angesprochen, dass sich aus der Konfirmation unterschiedliche Lebenswirklichkeiten entwickeln können: Ein bewusstes persönliches Glaubensbekenntnis von allen Konfirmandinnen und Konfirmanden erwarten zu wollen, wäre unrealistisch.

Aber es geht bei der Konfirmation auch um den Segen, der den jungen Menschen beim Übergang ins Erwachsenenalter zugesprochen wird und um die Aufnahme in die Gemeinde als erwachsene Mitglieder. Das Fest der Konfirmation soll den jungen Menschen bewusst machen, dass sie nun mündige Kirchbürger mit Stimm- und Patenrecht sind und bestimmte Rechte und Pflichten haben.

Die Konfirmation versteht sich auch als Abschluss des kirchlichen Unterrichts. Über Jahre hinweg konnten die Kinder und Jugendlichen auf unterschiedliche Weise erfahren und Anteil nehmen an all dem, was die Kirchen und Religionen in Vergangenheit und Gegenwart bewegt und umgetrieben hat. Und es ist zu hoffen, dass diese jungen Menschen dabei etwas mitbekommen haben von dem, was dem Leben Halt und dem Glauben Orientierung gibt. Die Redaktion des Kirchenboten hat eine ehemalige Konfirmandin und einen ehemaligen Konfirmanden gebeten, zu beschreiben, was die Konfirmation im Rückblick bedeutet.

 

Das meinen Katja Brunnschweiler-Weingart und Michael Raduner:

 

Ein Meilenstein im Leben

Katja Brunnschweiler-Weingart, Hauptwil, Konfirmandin 1988. (Bild: zVg)

«In meinem Leben hat es immer wieder Meilensteine und Ankerplätze gegeben. Der Tag meiner Konfirmation war so einer. Es war für mich eine Erneuerung der Taufe, ein Bekenntnis dazu, dass ich mit dem Gott, den ich aus der Bibel kenne, in meinem Leben unterwegs sein möchte.

Ich bin in einer normalen reformiert-landeskirchlichen Familie aufgewachsen, als Kind getauft worden und habe die Sonntagschule und den kirchlichen Unterricht besucht. Später habe ich mich auch als Leiterin in der Jungschar engagiert. Zum Konfirmationsjahr gehörte ein Konflager. Dort habe ich eine intensive und bewegende Gemeinschaft und Auseinandersetzung mit Lebens- und Glaubensfragen erlebt. Wir haben bis in alle Nächte geredet und diskutiert und ich kam zum Schluss, dass ich in der Sache mit Gott etwas festmachen wollte.

Die Konfirmation hat dieses für mich prägende Jahr mit einem Fest abgerundet. Im Gegensatz zu meiner Kindertaufe war das Glaubensbekenntnis nun meine freie Entscheidung. Nach der Konfirmation waren mir mein Glaube und meine persönliche Beziehung zu Gott als Au-pair im Tessin eine wichtige Stütze. In der Fremde zu sein, war für mich nicht so einfach. Die Gemeinschaft in einer christlichen Gemeinde und die Kontakte zu meinem Umfeld zu Hause gaben mir Halt. Mein Glaube ist in meinem Leben zu einem festen Ankerplatz geworden – auch in schweren Zeiten. Ich weiss mich getragen von Gott und von den Menschen, die mir nahestehen.»

Es ist doch etwas hängen geblieben

Michael Raduner, Horn, Konfirmand 1975. (Bild: zVg)

«Welchen Stellenwert hat die Konfirmation in meinem Leben? – Da komme ich ins Grübeln und Nachdenken. Auf den ersten Blick war die Konfirmation für mich ein Abschluss, eine Befreiung, ja eine Erlösung – vom doch so mühsamen und ach so ärgerlichen Unterricht. In Erinnerung geblieben ist mir lediglich, dass gefühlt mindestens jede zweite Stunde einige Konfirmanden aus dem Unterricht nach Hause geschickt wurden oder gar die ganze Stunde abgebrochen wurde.

Ein Konflager oder eine Konfreise gab es unter diesen Voraussetzungen nicht. Ein persönliches Bibelwort für mich – das wird es wohl gegeben haben, ich kenne es nicht. Da stellt sich für mich schon die Frage, was ich damals mitbekommen habe und was geblieben ist. Nach vielen Jahren «Kirchenabstinenz » kam ich später auf anderen Wegen ganz allmählich und sehr zögerlich wieder mit der Kirche in Kontakt. Es scheint bei mir also doch etwas hängen geblieben zu sein. Ich glaube nicht, dass sich mein heutiges Engagement einfach so aus dem «Nichts» entwickelt hat.

Ich bin beeindruckt, wie intensiv und vielseitig sich die Jugendlichen heute auf die Konfirmation vorbereiten, wie kritisch und reflektiert sie sich mit dem Glauben auseinandersetzen und wie sie sich am Unterricht und an der Gottesdienstgestaltung beteiligen. Ganz anders als zu meiner Konfirmationszeit – somit bin ich voller Hoffnung, dass die Jugendlichen auf ein gutes kirchliches Fundament bauen können und auch darauf zurückgreifen werden.»

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