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Kirche

Heute die Weichen für morgen stellen

Ob sie in der Familie diskutiert, wo die Familie Weihnachten feiert, oder ob unterschiedliche Auffassungen im Kirchenrat erörtert werden: Ruth Pfister ist es wichtig, Differenzen im Guten auszudiskutieren. Die Kirchenrätin blickt auf ihre erste Amtszeit zurück und erzählt, was sie aktuell beschäftigt.

Von Brunhilde Bergmann 

Sie lebt mit ihrem Mann, den beiden Söhnen und der Tochter in Amriswil, naturnah am Siedlungsrand. In ihrer knapp bemessenen Freizeit frönt Kirchenrätin Ruth Pfister einer ganzen Palette an Bewegungsarten im Freien: Velofahren, Laufen, Sommer- und Wintersport in den Bergen, am liebsten mit der Familie. Das Laub im Garten recht sie vor das Igelhäuschen. Mit etwas Abstand zum Gartensitzplatz haben Pfisters ein Insekten-Hotel platziert. «Ist sie nicht herzig?», fragt die gelernte Versicherungsfachfrau in der Stube und weist stolz auf die kleine schwarze Harfe neben der grossen. «Und sie ist ganz fein zu spielen», lächelt sie liebevoll. Leider bleibt wenig Zeit dazu. Basis für ein konstruktives Miteinander, auch bei Sachdifferenzen, sei die gute zwischenmenschliche Beziehung und das Gespür für das Gegenüber. «Dieses Miteinander, auch wenn die Meinungen unterschiedlich sind, funktioniert in unserem Gremium», resümiert Pfister. Seit Juni 2016 bekleidet sie zusätzlich das Vizepräsidium.

Anforderungsvolles Wunschressort

Das breit gefächerte Ressort «Kirche, Kind und Jugend KKJ» mit den sechs Fachstellen – Fiire mit de Chliine, Kindergottesdienst, Jugendgottesdienst, Jugendarbeit, Religionsunterricht und Medienstelle – ist sehr zeit- und personalintensiv. Trotzdem bezeichnet es Pfister als ihr Wunschressort: «Es ist noch vielseitiger, als ich mir das vorgestellt habe.» Zur Personalverantwortung über sechs landeskirchliche Mitarbeitende kommt die Verantwortung für die Aus- und Weiterbildung von katechetischem Personal, deren Beratung und Begleitung. Am stärksten in Beschlag nimmt sie die Fachstelle Religionsunterricht. Diese ist stark von Veränderungen geprägt und seit Februar 2015 personell reduziert unterwegs. Zudem stehen bald zwei Pensionierungen langjähriger Mitarbeiter an.

Perspektiven ermöglichen

«Meist sind es Frauen, die nach der Familienphase die anspruchsvolle Katechetik-Ausbildung wagen. Ihnen eine zukunftsweisende Ausbildung, zeitgemässe Arbeitsbedingungen und Sicherheit zu ermöglichen, liegt mir besonders am Herzen.» Überlegungen, wo es Sinn macht in diesen Fragen ökumenisch oder kantonalkirchlich zusammenzuspannen, beschäftigen Pfister derzeit intensiv. Auch setzte sich die Ressortleiterin zusammen mit der katholischen Landeskirche dafür ein, dass der kirchliche Religionsunterricht seine Stellung und den Platz in der Schule behaupten konnte.
Praxisnähe ist der Kirchenrätin wichtig: «Ziel ist, dass die Fachstellen die Kirchgemeinden optimal unterstützen können. Die Visitationen helfen uns sehr, zu erfahren, was die Leute bewegt.» Auch der Austausch bei den Ressorttreffen dient dieser Praxisnähe. In diesem Sinn wünscht sich Pfister für das kommende Jahr «eine kinder- und jugendfreundliche Kirche, wo es beides gibt: ein bereicherndes Miteinander – und ein Nebeneinander von Jung und Alt.» Auch ihre kleine schwarze Harfe möchte sie lieber spielen als nur abstauben. Zunächst steht jedoch noch die familieninterne Diskussion an, ob Pfisters den Weihnachtsgottesdienst in Amriswil oder in den Bergen besuchen werden.