Logo
Kirche

Das «Labor für Kirchenentwicklung»

Eine Chance für die Kirche. So sieht die Frauenfelderin Christina Aus der Au den Deutschen Evangelischen Kirchentag, dessen Präsidentin sie ist. Ihr Anliegen: Reformation soll pluralistischer und internationaler wahrgenommen werden.

Eigentlich erstaunlich: Die Thurgauerin Christina Aus der Au prägt als Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung an der Universität Zürich das Gesicht des Kirchentages in der Öffentlichkeit. Sie weibelt als Repräsentantin für diesen Grossanlass, der vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfindet, der Geburtsstätte der Reformation schlechthin. Der Kirchentag sei ein «Labor für Kirchenentwicklung» und damit «eine grosse Chance für unser Zentrum», sagt Aus der Au: «Hier werden neue Gottesdienstformen ausprobiert, Themen aufgenommen und prominent diskutiert, welche auch Christinnen und Christen in der Schweiz bewegen.»

Schweizer als grösste Ausländergruppe
Es erstaunt denn auch nicht, dass Teilnehmende aus der Schweiz meist die grösste Gruppe von ausländischen Gästen an deutschen Kirchentagen bilden. Aus der Au hofft, dass dieses Jahr erstmals die Tausendermarke geknackt werden kann. Insgesamt werden zum Kirchentag rund 120‘000 Besucher erwartet. Auch aus dem Thurgau reisen verschiedene Gruppen an (siehe Kasten).

Nicht auf Deutschland begrenzt
Die Wirkung entfaltet sich gemäss Aus der Au bereits vor dem Mega-Event: «Mich überrascht immer wieder, wie selbstverständlich ich als Kirchentagspräsidentin von Menschen auch in säkularen Positionen auf Augenhöhe empfangen werde.» Warum aber gerade ist es wichtig, dass eine Schweizerin den Kirchentag anführt? «Ich stehe als Reformierte dafür, dass die Reformation pluralistischer und internationaler war, als es manchmal in Deutschland gesehen wird. Darin sind auch theologische Unterschiede enthalten. Aber vor allem ist es erstaunlich, wie es doch auch Unterschiede in der Kultur gibt, trotz einer mehr oder weniger gemeinsamen Sprache. Und das liegt nicht nur daran, dass es keine reformierten Bischöfe gibt.»

«Du siehst mich»
Die Losung des Kirchentags heisst «Du siehst mich». Deshalb sei es ihr wichtig, dass Menschen einander wahrnehmen und miteinander ins Gespräch kommen. Unter den 2500 Veranstaltungen gebe es viele Gelegenheiten, die helfen, dass Menschen unterschiedlicher Tradition und Herkunft einander begegnen könnten. Aus der Au wird konkret: «Zum Beispiel die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Ethiker Torsten Meireis, der bis vor kurzem an der Uni Bern gelehrt hat; Innenminister Thomas de Maizière mit dem ägyptischen Islamgelehrten Scheikh Ahmad al-Tayyeb oder die Geschäftsfrau und Gattin des Microsoft-Gründers, Melinda Gates, mit dem Philosophen William McAskill.»

Fröhlich-bunte Atmosphäre
Sie freue sich aber vor allem auf «die fröhliche und bunte Kirchentagsatmosphäre, die spontanen Liedeinlagen in der U-Bahn, aber auch auf die Podiumsdiskussion mit den Atheisten darüber, was am Ende des Lebens trägt». Wenn sich eine Kirchgemeinde mit einer Gruppe Gemeindemitglieder auf den Weg mache, erwarte sie dort ein «Glaubensfest, von dem sie mit vielen wunderschönen Erinnerungen, neuen Bekanntschaften und frischen Impulsen heimkehren».


Roman Salzmann (27. April 2017)

Thurgauer am Kirchentag

Mit einem voll ausgebuchten Bus reist der Arboner Pfarrer und Buschauffeur Hans Martin Enz an den Deutschen Evangelischen Kirchentag. Enz erhofft für sich, dass der Kirchentag «eine Horizonterweiterung in Sachen Kirche und Glauben» mit sich bringt. Die Evangelischen Kirchgemeinden Felben und Pfyn verbinden ihre gemeinsame achttägige Gemeindereise mit dem Besuch des Kirchentags und einem zusätzlichem Programm in und um Berlin. (sal)