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Kirche

Kirche soll Bekennermut zeigen

Erstmals in ihrer Geschichte führte die Thurgauer Evangelische Landeskirche eine Gesprächssynode durch. Hauptziel der Diskussion über den Zukunftskurs der Kirche war, eine richtungsweisende Vision zu entwickeln.

Entstanden ist an der Gesprächssynode ein aussagekräftiges, breit abgestütztes Meinungsbild des Thurgauer Kirchenparlaments. Zehn symbolische Gesprächsthemen, betitelt mit Bildern aus der Seefahrt, bildeten den Rahmen für die Synodalen. Der Kirchenrat hörte zu und beantwortete Fragen, hielt sich aber inhaltlich zurück. Nicht so Clownin Paula, die sich zwischendurch wohltuend einmischte. Organisationsentwickler Paul Baumann von der Arbeitsstelle Gemeindeentwicklung und Mitarbeiter-förderung der Evangelisch-reformierten Landeskirche St. Gallen stand der Vorbereitungsgruppe beratend zur Seite und moderierte die Gesprächssynode. Beim Thema Schiffsbau ging es um Fragen zu kirchlichen Strukturen: Nachgedacht wurde etwa über die Abkehr vom reinen Milizsystem in der Kirchenvorsteherschaft. Rund um das Seemannsgarn befassten sich die Synodalen mit kirchlicher Kommunikation und zielgruppengerechter Präsenz in den unterschiedlichen Medienplattformen. Thematisiert wurden überdies die «Kirchensprache» oder andere verbale, emotionale, visuelle und stufengerechte Kommunikationsformen. So soll das Coaching von Gottesdienstverantwortlichen gefördert werden, denn «lebensnahe Verkündigung ist eine Daueraufgabe», wurde festgehalten. 

Flagge zeigen

Eine wertvolle Fracht sind die christlichen Werte, war man sich einig: Die Kirche soll wichtige gesellschaftliche Themen benennen und aktiv zum Diskurs bringen. Um Wertethemen breit abzustützen, sollen im Zweijahresturnus Gesprächssynoden stattfinden. Die Landeskirche soll ihre Zurückhaltung ablegen und in gesellschaftlichen Fragen, die christliche Werte tangieren, im Sinne ihres Wächteramtes mutig Stellung beziehen, «Flagge zeigen» und in den Medien präsent sein. Sie soll ohne Scheu vor möglichen Kirchenaustritten im Spannungsfeld Demokratie und biblische Offenbarung
deutlich machen, dass sich nicht alles mit Mehrheiten beschliessen lässt. Vor Abstimmungen soll sie Entscheidungsgrundlagen aus christlicher Sicht mit Pro-und-contra-Argumenten liefern.

Andere Schiffe kreuzen

Der Wunsch, eine Konfliktkultur zu pflegen, wurde beim Gesprächsthema Kompass und Karte deutlich, das unterschiedliche Bibelverständnisse innerhalb der Landeskirche an den Tag brachte. Bildungs-angebote, Gespräche über die Bibel auf allen Ebenen und interreligiöser Dialog sollen dazu beitragen, andere Religionen und Glaubensgemeinschaften zu verstehen. Das helfe auch, andere Positionen innerhalb der eigenen Landeskirche zu verstehen und das eigene Profil zu stärken, hiess es. «Anker lichten» war das Stichwort, um sich mit Tradition und Innovation zu befassen: Selbst wenn man mit der Zeit gehen will, wird eine klare Positionierung befürwortet: «Offen für alle, aber nicht für alles.»

Freiwilligenarbeit sichtbar machen

Die Tischrunde, die sich mit Mannschaft und Besatzung auseinandersetzte, will verstärkt den Wert der Freiwilligenarbeit sichtbar machen. Die Kantonalkirche soll deshalb alle fünf Jahre einen Austausch organisieren, um neue Impulse zu vermitteln. Um die Kirche in der Gesellschaft ging es beim Thema Leuchttürme. Offene Kirchentüren, hindernisfreier Zugang, Stundenschlag der Kirchenglocken, Nutzung und Umnutzung von Kirchenräumen und denkmalpflegerische Ansprüche bewegten die Synodalen.

Schwerpunkte setzen

Am Schluss galt es, die einzelnen Visionen zu gewichten und Punkte zu verteilen. Einige stellten fest, dass es gar nicht so einfach ist zu entscheiden, welche Themenschwerpunkte sie persönlich setzen möchten. Die Vorbereitungsgruppe wertet nun im September die Gesprächssynode aus, konkretisiert die Visionen und bespricht das Resultat mit dem Kirchenrat. Die Erkenntnisse bilden als eine von drei Quellen die Grundlage für die öffentliche Tagung zur Zukunft der Evangelischen Landeskirche Thurgau am 10. Februar 2018. Weiterbearbeitet werden dort auch die Resultate der Hearings des Kirchenrates vom vergangenen Jahr (Kirchenbote September) sowie die von den 63 Kirchgemeinden am Thurgauer Kirchensonntag angeschlagenen Thesen zur Zukunft der Kirche (Kirchenbote Extrablatt Juli 2017).

 

(Brunhilde Bergmann, 22.09.2017)

 


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