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Politik

Einstehen für eine bessere Welt

Friedenskundgebungen zu Ostern haben eine lange Tradition. Seit über 60 Jahren engagieren sich Menschen an Ostermärschen für Frieden und Gerechtigkeit. Was treibt Thurgauer an?

An den kommenden Ostertagen ziehen weltweit Tausende Friedensaktivisten wieder durch die Strassen, um für ihre Überzeugungen einzustehen. Der «Internationale Friedensweg» ist einer der bekanntesten Ostermärsche der Schweiz mit über 800 Teilnehmern. Er findet seit 2009 jedes Jahr in einer Stadt am Bodensee statt. Dieses Jahr ist Bregenz der Gastgeber. Den Friedensweg organisieren verschiedene Arbeitsgruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit dabei ist auch der Güttinger Christian Brönimann von der Institution Betula in Romanshorn. Er ist seit 2015 Mitglied der Spurgruppe Schweiz und verantwortlich für den Kontakt zu Partnerorganisationen, die Website und das Spendensammeln. Unter dem Motto «Geld macht Krieg, Dialog macht Frieden» wollen die Veranstalter dieses Jahr die friedensträchtige Funktion des Dialoges thematisieren und sich für Frieden und gerechte Ressourcenverteilung stark machen.

Christian Brönimann sieht sich in seinem Engagement für den «Friedensweg» verpflichtet: «Schaut man Tag für Tag in die Zeitungen, dann sieht man, wieso Engagement wichtig ist.» Er betont weiter: «Manche Elendsregionen oder Brennpunkte werden nicht mal mehr wahrgenommen.» Darum ist Brönimann auch von der Wirkung der Ostermärsche überzeugt: «Es macht Sinn, sich mit der Friedensförderung auseinanderzusetzen und andere Modelle davon kennenzulernen. Wir setzen ein farbiges und fröhliches Zeichen, dass es auch Andersdenkende gibt.» Ermutigend fügt er hinzu: «Auch als kleiner Bürger kann ich mitbestimmen, welche Entwicklungen begüns­tigt werden.»

Neue Märsche, bekannte Themen

Krieg und Frieden sind Themen, die die Gesellschaft aktuell beschäftigen. Zu Ostern gibt es aber auch Märsche, welche sich mit der Thematisierung von Vergangenem beschäftigen, wie der «Marsch des Lebens für Israel». Er dient der Aufarbeitung der Judenverfolgung und der antisemitischen Geschichte in der Schweiz. Am Ostermontag fällt mit dem Marsch Konstanz-Kreuzlingen der Startschuss für den einmonatigen Gedenkmarsch quer durch die Schweiz. Das Ziel ist der UNO-Hauptsitz in Genf. Urs Jundt ist langjähriger Teilnehmer des Marsches und leitet dieses Jahr die Organisation der Startveranstaltung Konstanz-Kreuzlingen zusammen mit seiner Frau Susanna. Das Schicksal der Juden im zweiten Weltkrieg und das Mitwirken der Schweiz bei der Deportierung beschäftigt sie seit langem. Die beiden sind fasziniert von der Wirkung des Anlasses. «Offizielle Stellen aus Politik und Wissenschaft sind beidseits immer mehr bereit, sich mit der zum Teil unrühmlichen Vergangenheit zu beschäftigen und daraus zu lernen», meint Urs Jundt.

Diese Bereitschaft begann erst vor einigen Jahrzehnten, betont er weiter. Die Schweiz habe aber noch viel Nachholbedarf: «Im Vergleich zur weltweiten Bewegung müssen wir noch einiges unserer antisemitischen Geschichte aufarbeiten.» Urs Jundt hat dementsprechend hohe Erwartungen an den Marsch: «Wir erhoffen uns eine ungeschminkte Erinnerungskultur an den Antisemitismus. Die Menschen sollen zu ihren Fehlern stehen und daraus lernen, damit sich ein solches Ereignis nicht wiederholt.» «Denn», so betont Jundt, «nur mit einer aufgearbeiteten Vergangenheit hat man einen ungetrübten Blick für die Realität der Gegenwart und die Gefahren der Zukunft.»

Der Marsch des Lebens für Israel und der Internationale Bodensee-Friedensweg finden beide am Ostermontag statt. Weitere Informationen unter www.marschdeslebens.ch oder www.bodensee-friedensweg.org.

(23. März 2018, Text: Pascal Häderli, Bild: Raphael Saxer & zVg)