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Kirche, Politik

Politisch, persönlich, protestierend

Was ist öffentliche Theologie? Die 67. Internationale Theologische Bodenseekonferenz sucht nach Antworten: am Freitag, 20. April in der Kartause Ittingen – mit dem bekannten deutschen Theologen Wolfgang Huber.

Das Thema der Konferenz klingt vielversprechend und zukunftsorientiert: «Zwischen Protest und Reformationsjubiläum. Wie kann Theologie öffentlich wirken?» Doch bevor es in die Zukunft geht, müsse die Vergangenheit verstanden werden, sagt Hauptreferent Wolfgang Huber. Er ist Professor an der Humbolt-Universität in Berlin und ehemaliger Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. An der Bodenseekonferenz wird er während zwei Stunden das Thema beleuchten und auch für Fragen zur Verfügung stehen.

Zeitreise der Theologie

«Ich werde zunächst an die Zeit vor fünfzig Jahren erinnern, in welcher der Protestantismus sich in unterschiedlichen Formen mit dem studentischen Protest verband», erklärt Wolfgang Huber und fragt sich: «Ist davon noch etwas geblieben, oder handelt es sich um eine längst vergangene Zeit?» «Ein zweiter Rückblick gilt der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Von dort schaue ich dann auf unsere Zeit.» Glaube, Protest und Politik, das klingt zuerst gegensätzlich, aber Wolfgang Huber betont: «Der christliche Glaube ist so persönlich, wie er politisch ist.» Leider werde gerade die persönliche Dimension zu wenig thematisiert. Deshalb setze er sich für die Erweiterung der Vorstellung von öffentlicher Theologie ein.

Richtiger Zeitpunkt

Der Zeitpunkt sei denkbar richtig und wichtig: «Die Rolle der Kirchen verliert an Selbstverständlichkeit. Eine verbreitete Reaktion der Kirchen besteht darin, sich ins eigene Milieu zurückzuziehen und nur durch vereinzelte, politische Stellungnahmen in die Öffentlichkeit zurückzufinden.» Jedoch sei die Öffentlichkeit voll von politischen Themen, und die Kirchen müssten diese Themen wieder vermehrt aufgreifen.

Verpasste Chancen

Huber ist der Ansicht, dass gerade das Reformationsjubiläum gute Initiativen hervorbrachte, aber in Bezug auf eine öffentliche Theologie nur unzureichend genutzt wurde. Damit spricht er das Problem an, dass sich die Kirche zu stark an der weltpolitischen Agenda orientiert: «Die Interpretationsleistung, die öffentlich vertretene Theologie zu erbringen hat, kann ja nicht darin bestehen, dass sie sich einfach einem säkularen Konsens unterwirft und von Gott schweigt», sagt Huber. Die öffentliche Theologie müsse auch die Fragen aufrufen, die über diese Agenda hinausreichen, da sie explizit mit der Frage nach dem Gottesverhältnis des Menschen zu tun haben. Dann könne öffentliches theologisches Nachdenken den Diskurs über die grossen Fragen unserer Zeit nicht nur beleben, sondern auch neue Klärungen zuführen.

Anmeldung und weitere Informationen unter www.tecum.ch

(3. April 2018, Text: Pascal Häderli, grosses Bild: Wikimedia commons, kleines Bild: Deutscher Ethikrat)