Logo
Politik

Nächstenliebe als Richtschnur wählen

Hans-Jörg Willi antwortet auf die Frage, was er von einer Predigt am Schweizer Nationalfeiertag erwartet.

«Ich bin kein treuer Predigthörer. Musik und Gesang mag ich nicht. Die 6. Bitte im Herrengebet missfällt mir. Und die Lehre der Dreifaltigkeit sehe ich zwiespältig. Aber Glauben im Sinn von christlichem Lieben und Loben ist für mich wichtig, gerade auch am 1. August.

Zwar halte ich den Befehl ‹Betet, freie Schweizer, betet!› für falsch. Man soll nicht befehlen, den Geist und die Kraft der Schöpfung zu bitten. Die von Jesus gepredigte Nächstenliebe als Richtschnur zu wählen, ist jedoch richtig. Sie ist ebenso nötig wie eh und je.

Geboren 1946, hatte ich Glück. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, und der Kalte Krieg kippte mehrmals nur fast in einen heissen Krieg, der alles Leben auf der Erde beendet hätte. Als Arboner weiss ich: Im 3. Jahrhundert bauten die Römer das Kastell Arbor felix, weil sie den Limes als Wohlstandsgrenze zwischen Germanen und Römern an den Bodensee zurücknahmen. Zur gleichen Zeit baute China die Grosse Mauer. Auch heute gibt es solche Wälle, etwa Amerikas «Wall» und Europas Mittelmeer, beide gegen die Menschen im Süden.

Vor 500 Jahren erfolgte die kirchliche Reformation. Der Verzicht auf mittelalterliche Lehren führte, ganz im Sinn des Wanderpredigers aus Nazareth, zu den Menschenrechten, aber noch nicht zur Überwindung von Wohlstandsgrenzen. Nächstenliebe heute fordert eine global finance transaction tax. Denn nur ein Wohlstandsausgleich wird die Menschenströme bremsen, das Bevölkerungswachstum zähmen und den Klimawandel dämpfen.»


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen