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Gesellschaft

Der Kaiserdom wird zum Theaterraum

Im September wird das Basler Münster zur Bühne für die eigene Geschichte. Das «Theater im Münster» zeigt die wichtigsten historischen Ereignisse des Kaiserdoms, mit 150 Mitwirkenden und zehn Chören.

«Während zweier Wochen ordnet sich das Münster unserem Stück unter», schwärmt Sandra Rudin Förnbacher, die Regisseurin des «Theaters im Münster». «Wir haben die seltene Gelegenheit, das Gotteshaus als Raum zu bespielen.» Im Rahmen des Münsterjubiläums spielt das Theaterensemble Szenen aus der 1000-jährigen Geschichte des Basler Kaiserdoms. Initiant des Projekts ist Kirchenratspräsident Lukas Kundert, die musikalische Leitung hat Oliver Rudin inne und als Projektleiter fungiert Matthias Zehnder.
Die Aufführung verläuft quer durch das Münster auf einem spektakulären Steg; das Publikum sitzt sich gegenüber. Die Mischung aus Chören, professionellen Schauspielerinnen und Laiendarstellern verspreche einiges. «Das ganze Ensemble ist hoch motiviert, denn die Mitwirkenden haben einen starken Bezug zu ihrem Münster. Ich freue mich auf jede einzelne Vorstellung», sagt Rudin Förnbacher.

Musik als Highlight
Ein besonderes Erlebnis ist die Musik. «Der bekannte Basler Komponist Balz Aliesch hat speziell für dieses Stück die modernen Zwischenspiele geschrieben », erklärt die Regisseurin. Die professionellen Instrumentalisten sorgen für das entsprechende Ambiente. Die neun Vorstellungen seien allesamt Unikate, betont Rudin Förnbacher. In jeder Vorstellung tritt einer von insgesamt  neun Gastchören aus der Region auf. «In jeder Aufführung mit von der Partie ist zudem die Knabenkantorei Basel.»

Szenen einer Kirche
Das Stück thematisiert vier Szenen aus der Geschichte des Münsters: Die Stiftung des Basler Münsters vor 1000 Jahren, das Konzil im Jahr 1439, die Reformation um 1529 und der internationale Friedenskongress von 1912.Am 11. Oktober 1019 weihte Bischof Adalbero II. das Münster in Anwesenheit von Kaiser Heinrich II (973–1024). Der letzte ottonische Kaiser und seine Frau, Kaiserin Kunigunde von Luxemburg, hatten nicht nur das Münster gestiftet, sondern auch die Goldene Altartafel, das Heinrichskreuz und die Heinrichsglocke.Von 1431 bis 1449 fand das Basler Konzil statt. Bereits zu Beginn der Versammlung kam es zu Spannungen mit dem Papst, 1439 gar zum Bruch: Als Reaktion berief Papst Eugen IV. in Ferrara ein eigenes Konzil ein, im Gegenzug wählte das Konzil in Basel mit Felix V. einen Gegenpapst. Das Konzil brachte Basel nicht nur internationale Bedeutung, sondern auch einen starken, wirtschaftlichen Aufschwung.Am 8. Februar 1529 kam es zum Bildersturm im Münster: Die Neugläubigen entfernten die «Götzenbilder» aus dem Münster, etwa 60 Altäre und die Heiligenstatuen und übertünchten die Fresken an den Wänden. Die Reformation setzte sich in Basel durch. 555 Delegierte aus 23 Ländern trafen sich am 24. November 1912 aufgrund der steigenden Spannungen in Europa zum «Ausserordentlichen Internationalen Sozialistenkongress» in Basel. Der Kongress stand unter der Parole «Krieg dem Kriege!». Ein Demonstrationszug mit zehntausend Teilnehmern führte durch die Stadt. Unter Glockengeläut und Orgelklang zog die Menge schliesslich mit den roten Fahnen der Internationalen ins Münster ein. Die Kundgebung fand in der ganzen Schweiz und international Beachtung. Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 konnte sie leider nicht verhindern.

Theaterprobe als Rahmenhandlung
Verpackt sind die vier historischen Szenen in eine Rahmenhandlung rund um die Proben des Stücks. Die Szenen im Stück passen nicht allen Figuren: Der Sigrist hat Einwände gegen die «Internationale», die 1912 gesungen wurde. Die Schauspielerinnen ärgern sich über die Rolle der Frauen in der Geschichte des Münsters und ein österreichischer Tourist stört die Probe, weil er «seine» Anna sucht.
So gibt das Stück spannende Einblicke in die Geschichte des Basler Kaiserdoms und vermittelt gleichzeitig auf lockere Art einen Eindruck von den Auseinandersetzungen rund um den Bau und die Kirche.

Theater im Münster. Neun Aufführungen vom 13. bis 27. September, jeweils 19.30 Uhr. Tickets ab 30 Franken. Vorverkauf: Bider & Tanner sowie www.ticketcorner.ch

www.1000JahreBaslerMünster.ch

Toni Schürmann, kirchenbote-online.ch, 14. August 2019


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