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Kirche

Als ganzer Mensch da sein

Der Kreuzlinger Pfarrer Gunnar Brendler ist seit dem Dezember 2018 Seelsorger in der Psychiatrischen Klinik und in der Stiftung Mansio in Münsterlingen. Dort trifft er nicht nur auf Gläubige. Eine grosse Aufgabe.

Der weite See, diese fast andächtige Stille: So könnte es im Paradies sein. Doch Zeit und Musse, die Vorzüge dieser Landschaft zu geniessen, hat Pfarrer Gunnar Brendler nur selten. «Ich bin viel in den Häusern auf dem Areal unterwegs. Die Leute kennen mich und wissen, dass ich für sie da bin und dass sie mich ansprechen können.»

Die Leute, das sind Patienten der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, Bewohnerinnen und Bewohner und Arbeitende der Stiftung Mansio, Mitarbeitende und Führungskräfte beider Institutionen – insgesamt fast 1500 Menschen. Erst seit Dezember 2018 ist Pfarrer Brendler Seelsorger in Münsterlingen. Und doch habe er schon viel Vertrauen gewinnen können, sagt er zufrieden. «Vertrauen ist das wichtigste Gut in der Seelsorge. Das Seelsorgegeheimnis ist hundertprozentig. Die Menschen wissen das.»

Gunnar Brendler arbeitet zu 60 Prozent in Münsterlingen und zu 40 Prozent als Pfarrer in Kreuzlingen. In Münsterlingen ist er von Mittwoch bis Freitag anzutreffen – nach einem festen Stundenplan. Er führt vor allem Gespräche, veranstaltet aber auch zusammen mit der katholischen Seelsorgerin Claudia Duff zahlreiche Gottesdienste, unter anderem mit Taizé-Liedern und Meditationen. In seiner Arbeit spiele die Konfession erst mal keine grosse Rolle. Im Mittelpunkt stehe der Mensch als solcher. Ihm solle man mit Wertschätzung und Empathie, aber nicht mitleidig begegnen. «Auch ein okkulter Satansanbeter muss sich als Mensch angenommen fühlen.» Und was sagt er einem Satansanbeter? «Ich sage ihm, dass Gott stärker ist.» Er sage den Menschen auch, dass sie keine Schuld hätten an ihrer Krankheit und dass sie bei Gott geschützt seien.

Glaube kann Heilung fördern
Haben psychisch kranke Menschen andere Fragen an einen Seelsorger als «Gesunde» in einer Kirchgemeinde? «Ja», sagt Pfarrer Brendler. «Die Menschen in der Psychiatrischen Klinik sind interessierter an spirituellen Fragen und sensibler aufgrund der Krisensituation, in der sie sich befinden. Überdurchschnittlich viele können sich präzise ausdrücken und ihre Fragen formulieren.»

Pfarrer Brendler absolvierte Aus- und Weiterbildungen als klinischer Seelsorger, in Transaktionsanalyse – einer psychologischen Theorie der menschlichen Persönlichkeitsstruktur – in Spiritual Care und Palliative Care sowie als Feuerwehr- und Notfallseelsorger. In Münsterlingen arbeitet er als Gesandter des Kirchenrates der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau. Arbeitsrechtlich ist er der Pflegedirektion unterstellt. «Eine gute und moderne Arbeitgeberin», sagt der Pfarrer, «sie lässt mich unabhängig arbeiten und schaut schon, dass es nicht zu viel wird. Denn auch in meiner Arbeit bleibe ich von Hektik nicht verschont. Und ich will ja immer als ganzer Mensch da sein.»

Er wisse, wie er seine Batterien aufladen könne. «Meine grosse Kraftquelle ist der Glaube.» Pfarrer Brendler ist überzeugt, dass seine Arbeit in Münsterlingen sehr wichtig ist. Er weiss, dass ein gelebter Glaube die Heilung befördern kann. Es vergehe denn auch kaum ein Tag, an dem er nicht sagen könne, «dass es ein sinnvoller Tag gewesen ist.»


(Esther Simon, 23. September 2019)

 

Medikamentenversuche unter der Lupe

Historikerinnen und Historiker der Universität Zürich haben im Auftrag der Thurgauer Regierung die Medikamententests an der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen zwischen 1946 und 1980 untersucht. Die Ergebnisse der Forschung liegen nun vor. Lesen Sie die wichtigsten Erkenntnisse in der zusammenfassenden Medienmitteilung.

Das Buch «Testfall Münsterlingen Klinische Versuche in der Psychiatrie, 1940–1980» ist im Chronos-Verlag erschienen und kann hier bezogen werden.


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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