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Kirche

Für Menschen und Mauern

Der Protestantisch-kirchliche Hilfsverein Thurgau ist eine Erfolgsgeschichte. Er wurde im November 1844 gegründet – also vor 175 Jahren. Brauchen tut es ihn nach wie vor.

Im Gründungsjahr des «Hülfsvereins», 1844, bestand der Bundesstaat noch nicht einmal. Und nicht alle Kantone hatten die gleichen Masse und Gewichte! Der Leitvers lautet nach wie vor: «Darum lasst uns, solange wir noch Gelegenheit haben, allen Menschen Gutes tun, am meisten aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.» (Galaterbrief 6,10)

Schweizweit vernetzt
Der Protestantisch-kirchliche Hilfsverein Thurgau ist Mitglied der Protestantischen Solidarität Schweiz (Soliprot). Soliprot ihrerseits ist ein Netzwerk von Hilfsvereinen und Mitgliedkirchen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Soliprot unterstützt Orte des Glaubens in der Diaspora, in diesem Falle Kirchen und Gebäude in mehrheitlich katholischen Gebieten, und damit die dort wohnenden Protestanten. Die Mittel dafür werden jährlich am Reformationssonntag, dem ersten Sonntag im November, in einer von Soliprot organisierten schweizweiten Kollekte gesammelt. Mit der Konfirmandengabe unterstützt Soliprot Projekte für Kinder und Jugendliche vorwiegend im Ausland. Die Reformationskollekte 2019 wird für die Sanierung der Kirche in Einsiedeln erhoben. Die Konfirmandengabe 2020 geht an ein Konfirmandenlager in der Ukraine.

Solidarität tut not
«Protestantische Solidarität ist, auch im Zeitalter der Ökumene, durchaus aktuell», sagt Pfarrer und Kirchenratspräsident Wilfried Bührer, der seit zwei Jahren Vorsitzender des Hilfsvereins ist. «Und sie wird in Zukunft möglicherweise noch aktueller; denn es gibt Gegenden, die für den Protestantismus neue Diaspora sind. So können die ehemaligen klassischen Diasporakirchen von Schwyz und Zug heute weitgehend auf eigenen Beinen stehen, während Kantone mit ehemals protestantischer Mehrheit wie Neuenburg oder Basel-Stadt heute angesichts geschrumpfter Mitgliederzahlen Mühe haben, die Gelder für die nötigen Arbeiten aufzubringen. » Die Ergebnisse der Reformationskollekte seien plus/minus stabil: In den vergangenen Jahren konnten immer zwischen 15’000 und 16’000 Franken gesammelt werden, 2018 waren es 17’200 Franken. Bei der Konfirmandengabe sei ein rückläufiger Trend spürbar. «Das dürfte damit zu tun haben, dass viele Pfarrer die Konfirmanden bei der Festlegung der Kollekte (mit)bestimmen lassen», sagt Bührer. Da stünde die Unterstützung von Einrichtungen der Diaspora, auch wenn sie primär Jugendlichen zugutekommen, nicht im Vordergrund.

Kein Fest, aber ein Flyer
Anlässe zum 175-Jahr-Jubiläum seien keine geplant, aber es wurde ein neuer Flyer geschaffen. Und aus Anlass des Jubiläums wurde die Bettagskollekte für die Renovation des Kirchgemeindehauses in St. Aubin im Kanton Neuenburg und für den evangelischen Religionsunterricht im Tessin empfohlen. Überdies ging die Kollekte an der Juni-Synode an die Sanierung der Kirche in Môtiers im Val de Travers. Bis jetzt sei der Verein vor allem ein «Geldbeschaffungsverein ». Es sei aber denkbar, «dass wir die Arbeit in Zukunft intensivieren», sagt Pfarrer Bührer. «Im Flyer ist ja auch von ‹geistlicher› Verbundenheit die Rede: durch Anteilnahme am Ergehen von Glaubensgeschwistern durch gezeigtes Interesse, Besuche, Fürbitte und materielle Hilfe». Es geht also nicht nur um Mauern, sondern auch um Menschen.


www.evang-tg.ch/soliprot


(23. Oktober 2019, Esther Simon)


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