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Politik

«Die Situation ist katastrophal»

Wasserbauer Urs Fröhlich aus Frauenfeld ist besorgt um die Menschen im Westen Kameruns. Ein Konflikt droht zum Bürgerkrieg auszuarten. Die Arbeiten sind trotz Thurgauer Unterstützung im Moment blockiert.

«Ich will und kann nicht untätig hier in der warmen Stube sitzen, angesichts dieser katastrophalen Situation, in der sich die anglophone Bevölkerung Kameruns befindet», sagt Urs Fröhlich, ehemaliger Kirchenvorsteher von Frauenfeld, der viele Jahre auch in der Arbeitsgruppe von Brot für alle und Fastenopfer engagiert war. Was ihn umtreibt: In der Schweiz weiss kaum jemand etwas von diesem Konflikt in Kamerun. Deshalb arbeite er aus persönlicher Überzeugung in der Entwicklungszusammenarbeit: «Die Arbeit, welche die anerkannten evangelischen und katholischen Missionen heute leisten, empfinde ich als sehr hilfreich.»

Frauenfelder Lauf unterstützte
In jungen Jahren war Urs Fröhlich für die Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas im Westen Kameruns tätig. Der Wasserbauer leitete Wasserversorgungs-Projekte. Man habe nicht nur Reservoirs gebaut, Wasserleitungen verlegt, sondern für deren Bau und Unterhalt auch Handwerker ausgebildet. Den Dorfbewohnern wurde gezeigt, wie man Quellgebiete schützt, Böden nicht übernutzt und gerodetes Land wieder aufforstet. Die Schweiz habe in Kamerun sehr viel investiert. In West-Kamerun hätten insbesondere Helvetas und die Basler Mission dafür gesorgt, dass sich die Lebensgrundlage für die Menschen erheblich verbessert habe. Urs Fröhlich hat in den vergangenen Jahren die abgeschlossenen Projekte inspiziert und auf seine Initiative wurde ein Unterhaltsprojekt für die mittlerweile 40-jährigen Arbeiten auch vom Frauenfelder 2-Stunden-Lauf unterstützt.

Arbeiten sind blockiert
Aktuell sind die Arbeiten durch den Konflikt blockiert. Die erfolgreiche Entwicklungsarbeit scheint in Gefahr. Grund dafür ist ein hausgemachter Konflikt innerhalb Kameruns. Nach der Unabhängigkeit bis 1972 war Kamerun eine Föderation von zwei Teilstaaten. Entsprechend der kolonialen Vergangenheit wurde der grössere, frankophone Teil, nach französischer, zentralistischer Art organisiert, im anglophonen Teil galten dezentrale Verwaltungsstrukturen. 1972 wurde die vereinigte Republik Kamerun auf Initiative des frankophonen Präsidenten Paul Biya ausgerufen. Seither wurde die englischsprachige Bevölkerung kulturell, institutionell und sprachlich immer mehr unterdrückt. Trotz Protesten kam es zu keinem Dialog. Der Staat antwortete auf brutale Weise – mit willkürlichen Verhaftungen und Tötungen. Ein kleiner Teil der Bevölkerung radikalisierte sich deshalb.

Genf – «zweite Hauptstadt Kameruns»
«Zahlreiche Dörfer sind verlassen, Schulen und Spitäler sind abgebrannt, und viele Menschen sind aus Angst in den Busch und nach Nigeria geflüchtet», weiss Urs Fröhlich. Auf die Frage, was die Kirche für diese Menschen tun kann, sagt er: «Es ist nur schon hilfreich, wenn viele Menschen guten Willens die Situation kennen und die Not leidenden Menschen mit guten Gedanken, Gebeten und solidarischem Wirken begleiten.» Urs Fröhlich hat sich mit Gleichgesinnten zur «Swiss Cameroon Crisis Group» zusammengeschlossen, sie wollen dafür sorgen, dass beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten dieser Konflikt nicht in Vergessenheit gerät. Von Bern aus werde nun der konstruktive Dialog zwischen allen Konfliktparteien gefördert. Der Weg ist laut Fröhlich und Medienberichten gar nicht so weit, denn der Diktator soll die Geschicke seines Landes jährlich während Monaten «aus der zweiten Hauptstadt Kameruns» von seiner Suite in einem Genfer Luxushotel aus lenken.


(20. Dezember 2019, Barbara Hettich)


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

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