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Gesellschaft

Weihnachtspäckli-Aktion: Bescherung aus dem Baselbiet

Jedes Jahr freuen sich Tausende bedürftige, verwaiste und obdachlose Kinder in Rumänien und Portugal über ein Weihnachtspäckli aus dem Baselbiet. 4227 Geschenke waren es dieses Mal.

Zu viele und teure Geschenke, verwöhnte Kinder – jedes Jahr rufen in der Schweiz Stimmen in den Medien zur Mässigung auf. Sie kritisieren den Weihnachtskommerz, der den eigentlichen Sinn des Festes in den Hintergrund rücke. Doch Geschenke gehören zu Weihnachten und an manchen Orten ist es nicht das Problem, dass sie zu zahlreich oder zu teuer sind, sondern dass es gar keine gibt. So würden die Waisenkinder im «Haus der Hoffnung» im rumänischen Brasov sowie die Strassenkinder in Lissabon und die Kinder mittelloser Familien im Sozialzentrum der portugiesischen Dörfer Cova e Gala zu Weihnachten von niemandem beschenkt, wenn nicht Tausende von Baselbieter Schulkindern für sie jedes Jahr ein Päckchen zusammenstellen würden: eine Tafel Schokolade, ein Baumkerzli, eine kleine Schachtel Farbstifte und ein Block Papier.

Der Inhalt ist aus zolltechnischen Gründen genau vorgeschrieben. Zudem entstehe keine Eifersucht, wenn alle Kinder das Gleiche bekommen, erklärt Toya Schweizer, Assistentin im Pfarramt für weltweite Kirche beider Basel. Sie leitet die jährliche Weihnachtspäckli-Aktion, welche das Heks-Komitee Baselland seit über 50 Jahren koordiniert. Sie verstehe es gut, dass man den Kindern etwa mit einem kleinen Plüschtier Freude bereiten wolle, sagt Schweizer. «Doch Päckli, die nicht den vorgeschriebenen Inhalt haben, müssen unsere freiwilligen Helferinnen und Helfer aus- und wieder neu einpacken. Das ist sehr aufwendig.» Die Schweizer Kinder können dem Geschenk eine persönliche Note geben, indem sie eine kleine Grussbotschaft, eventuell auch mit einem Foto und ihrer Adresse, beilegen.

3822 Päckli kamen an Weihnachten 2018 zusammen, dieses Mal waren es sogar 4227. Damit alle Geschenke rechtzeitig zum Fest bei den Kindern ankommen, beginnt die Organisation bereits im September. An der Aktion beteiligen sich nicht nur Kirchgemeinden und Katechetinnen und Katecheten mit ihren Religionsklassen, auch Schulen, Kitas und viele weitere engagierte Personen machten mit, sagt Toya Schweizer. «Die Beteiligung war schon so gross, dass in den Geschäften die benötigten Artikel ausverkauft waren.»

Engagierte Helfer
Anfang November sammeln dann Mitglieder und Freunde des Heks-Komitees die Päckli im ganzen Baselbiet ein. Die Geschenke lagern sie in der Kirche Bubendorf, wo sie Sigrist Kaspar Elsässer für den Transport vorbereitet. Ein kleines Team hilft ihm, die Päckli in Kartonschachteln zu verpacken, anzuschreiben und in die Lastwagen zu stapeln. «Ohne das Engagement von Kaspar Elsässer und seinem Team wäre diese Arbeit nicht zu bewältigen», betont Toya Schweizer. Zwei Drittel der Geschenke gehen nach Rumänien, die übrigen nach Portugal.

Wie sehr sich die Kinder über die Päckli freuen, erfahren die Baselbieter jeweils im Januar, wenn die Post Berichte und Fotos aus Rumänien und Portugal bringt. «Dieses Dankeschön und die Fotos, die den Beschenkten ein Gesicht geben, leiten wir dann gerne an die Kinder im Baselbiet weiter», sagt Toya Schweizer.

Karin Müller, Januar 2020