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Politik

Den Glauben noch nicht verloren

23.02.2021
Die Klimathematik hat Simon Vogel zur Politik gebracht. Er sitzt für die Grünen im Grossen Rat und versucht, die Thurgauer CO2-Bilanz zu verbessern. Allein mit Gesetzen und Technologie werde die Klimakrise nicht zu bewältigen sein. Die Ökumenische Kampagne rege diesbezüglich zu mehr Bewusstsein an.

Beide Grossväter von Simon Vogel waren einst Grossratspräsidenten im Thurgau. Doch bis Vogel vor rund sechs Jahren bewusst wurde, wie existenzbedrohend sich die nahende Klimakrise auftürmt, hatte er mit Politik nicht viel am Hut. Sein Grossvater Walter Vogel, der als Kirchenratspräsident die Thurgauer Landeskirche prägte, gab ihm viel mehr das Interesse an der Technik mit.

Kirche als ideale Plattform
Der gelernte Elektroniker forscht mittlerweile an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und ist zur Einsicht gekommen: «Allein mit technischem Fortschritt wird der Klimawandel nicht zu bewältigen sein. Wir müssen ganz allgemein unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft hinterfragen.» Wer Zeit findet, eine kaputte Maschine zu reparieren, anstatt gleich eine neue zu kaufen, habe schon einen Teil dazu beigetragen. «Das bedeutet gleichzeitig, unsere Vorstellungen von Wohlstand und Glück neu zu überdenken.» Eine Diskussion, die nur schwer auf politischer Ebene geführt werden könne, wo es vor allem um konkrete Entscheidungen geht. Dass sich die Ökumenische Kampagne während der Fastenzeit dem Thema Klimagerechtigkeit widme, sei wichtig. Die Kirche spiele in der Klimadiskussion nämlich eine wichtige Rolle, ist Vogel überzeugt: «Die Fronten sind nicht verhärtet und man kann offen über das Thema sprechen.»

Verzicht als Chance nutzen
«Unter den Auswirkungen der Erderwärmung leiden heute vor allem Menschen im globalen Süden, die wenig dazu beigetragen haben», sagt der 27-Jährige. «Die Ökumenische Kampagne hilft, solche versteckten Auswirkungen unseres Lebensstils ins Bewusstsein zu bringen.» Gleichzeitig biete die Kampagne Möglichkeiten zum Austausch, um etwas gegen diese Ungerechtigkeit zu unternehmen. Er selbst fliegt seit Jahren nicht mehr und lebt weitgehend vegan. «Was im ersten Moment nach Verzicht und Einschränkung aussieht, kann sich auch als Chance entpuppen. » Wenn noch mehr Menschen zu dieser Einsicht gelangen, hält er es für realistisch, alle in der Schweiz verursachten Treibhausgasemissionen bis 2040 auf null zu reduzieren. Den Glauben daran, dass die Menschheit die Klimakrise bewältigen kann, hat der junge Politiker Simon Vogel jedenfalls noch nicht verloren.

 

(Emil Keller)

Suppe zum Mitnehmen

Die traditionelle Suppe nach dem ökumenischen Gottesdienst muss aufgrund der Corona- Pandemie dieses Jahr in vielen Kirchgemeinden nach draussen verlegt werden. Mit der «Take-Away-Fastensuppe» möchten die Kirchgemeinden an Jesu Hingabe für die Menschen erinnern. Kompostierbare Suppenbecher oder selbst mitgebrachtes Geschirr sollen das Ansteckungsrisiko geringhalten. Gleichzeitig werden bei diesem Solidaritätsessen für «Brot für Alle» und «Fastenopfer» Spenden gesammelt, um Menschen in Not ein besseres Leben zu ermöglichen. Sinnvoll ist, sich vorab über eine allfällig nötige Anmeldung für Gottesdienst und Essen zu informieren.

 

(Emil Keller)


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