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Kirche

Aufmunterung in schwierigen Zeiten

23.03.2021
«Humor ist wie Wein – Geschmacksache», finden Rahel und Daniel Gerber. Was sie über Humor in der Kirche denken, sagen sie im Interview. Die beiden engagieren sich in der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil beruflich und ehrenamtlich und sind bekannt für ihren Humor.

Wie sorgen Sie dafür, dass die Kirchgemeinde das Lachen nicht verliert - darf Kirche lustig sein?

Rahel: In Zeiten, in denen wir Abstand halten oder Masken tragen müssen, kann Humor oder ein angenehmes fröhliches Auftreten eine wohltuende Nähe schaffen. Ich bin der Meinung, dass Kirche lustig sein darf, jedoch immer mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. So kann z.B. eine witzige Nachricht oder ein lustiges Bild per Whatsapp für jemanden ermutigend sein.

Daniel: Es heisst im Römer 12,15: «Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.» Das ist für mich ein Abbild einer relevanten Kirche. Wir sind seelsorgerlich füreinander da, sei es in Krisen, bei Krankheiten oder bei Trauer. Wir haben einen barmherzigen Gott, das Evangelium ist eine gute Nachricht und eine Frucht des Himmels. Freude und Humor hat sogar eine missionale bzw. gewinnende Anziehungskraft. Wenn ich überlege, warum sich Jesus so viel Zeit für gemeinsame Essen nahm und mit was für Menschen ich gerne in meiner Freizeit zusammen bin. Ich bin mit geselligen, genussfähigen Menschen, die über sich und andere lachen können unterwegs. In diesem Sinne will ich selbst dieser Mensch sein. Mir gefallen z.B. die witzigen «Church Signs» von einigen Kirchen in Amerika. Da stehen Sätze wie «Heute ist ein guter Tag für einen Gottesdienstbesuch – der Pastor ist gerade in den Ferien!» Einfach sympathisch.

 

Sind die Menschen momentan empfänglich für Humor?

Rahel: Ich erlebe, dass eine zufriedene Haltung oder ein Lachen eine persönlich kritische Situation in einem Gespräch entspannen kann. Das kann etwas Leichtigkeit und damit Distanz und Perspektive auf das Problem geben. Ich selbst bin dankbar, den alltäglichen Schwierigkeiten und meinen Missgeschicken mit Gelassenheit zu begegnen. Dies hat eine positive Wirkung auf mein Umfeld.

Daniel: Ich erlebe grundsätzlich, dass Mitmenschen gerne lachen. Momentan sind viele dankbar für etwas Auflockerung. Es darf nicht auf Kosten von der Not einer Person oder eine Berufsgruppe sein. Guter Humor ist wie eine Art Seelen-Ventil, gerade in der Corona Zeit. Vielleicht stimmt das deutsche Sprichwort: «Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet und am sichersten wirkt.» Das finden Krankenkassen natürlich nicht lustig.

 

Unterscheiden Sie zwischen den Zielgruppen, wenn Sie Ihren Humor leben? Treten Sie beim Seniorennachmittag anders auf als im Gottesdienst oder im Umgang mit Jugendlichen, anders als mit Erwachsenen oder in der Behördensitzung?

Daniel: Ich unterscheide weniger in den Zielgruppen, sondern mehr in welcher «Rolle» ich anwesend bin. Wenn es um ein schwieriges Thema geht, ist ein Schwerz nicht angebracht, andererseits kann ein guter Spruch eine ernste Situation auch entspannen. Es ist aber auch so, dass nicht alle Personen und Altersgruppen den gleichen «Humor-Zugang» haben. Das muss man herausspüren und situativ abwägen. Für mich ist Humor vergleichbar mit Wein: «Es ist Geschmackssache.»

 

Wo hört es auf mit dem Humor, wo ziehen Sie die Grenze?

Rahel: Ich ziehe eine klare Grenze, wenn sich das Gegenüber bei einem 'Witz' abgewertet, unterlegen oder verletzt fühlen könnte. Die Grenze ist manchmal auch etwas heikel, vor allem wenn es Richtung Zynismus oder Sarkasmus geht. Persönlich finde ich es störend, wenn jemand meint, er müsse immer lustig sein, dann fühle ich mich unwohl.

Daniel: Ich besuchte letztes Jahr ein Seminar bei Mark Walder, einem mehrfachen Rhetorik-Europameister. Er meinte, dass Humor in einer Rede «Hohe Kunst» ist. Sobald man sich über andere lustig macht, verliert man das Publikum. Was meistens funktioniert, wenn die Leute über den Redner lachen können. Das bedingt, dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt, was für mich eine Basis für einen wohltuenden Humor ist. Es ist klar, dass Sarkasmus oder Zynismus nicht ins kirchliche Umfeld gehören oder dass man in bestimmten Situationen besser nichts sagt, als eine billige Pointe zu setzen.

 

Bauen Sie bewusst Witze in die Predigten ein?

Rahel: In meinen Predigten lese ich nicht alles ab und es entwickelt sich manchmal auch ganz spontan ein 'Spruch'. Predigen ist für mich ein Dialog mit den Gottesdienstbesuchern und das macht mich sehr lebendig und kreativ. Dabei versuche ich mich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

Daniel: Persönlich erzähle ich selten einen Witz. Ich baue aber regelmässig bewusst Humor in meine Predigten ein. Meistens eine Anekdote aus unserer Ehe, ein Wortspiel oder etwas Selbstironisches. Mir wurde diesbezüglich Charles Haddon Spurgeon (1834 – 1892) ein Vorbild. Er war bekannt für seinen leidenschaftlichen und klaren Predigtstil. Er hatte aber immer wieder Anekdoten, Sprüche und Witze eingebaut. Nach einer solchen Predigt kam eine vornehme Dame auf ihn zu und rügte ihn, weil sich das für einen Gottesmann, wie ihn, nicht gezieme. Seine Antwort war: «Mir ist es lieber, wenn die Leute im Gottesdienst lachen, als einschlafen!» Das wurde eines der Leitmotive für meinen Predigtstil. Ich bekomme häufig positive Rückmeldungen auf meinen Humor in Predigten.

Könnte unsere Kirche mehr Humor vertragen? Diskutieren Sie mit!

 

Osterwitze

«Heute war ich mit einem Freund in der Kirche. Auf einmal zündet der sich eine Zigarette an. Ich konnte es nicht glauben! Vor Schreck wäre mir fast mein Bier aus der Hand gefallen!»

 

«Verlangen deine Eltern von dir, dass du vor dem Essen betest? », erkundigt sich die Pfarrerin. «Nein», schüttelt Remo den Kopf: «Meine Mutter kocht eigentlich recht gut!»

 

Schild an einer Kirche: Heute ist ein guter Tag für einen Gottesdienstbesuch – der Pfarrer ist gerade in den Ferien!

 

Der Pfarrer/die Pfarrerin ist unterwegs, um Hausbesuche zu machen. Als er bei Familie Meister klingelt, tönt es aus der Sprechanlage: «Engelchen, bist du’s?» Antwortet er schmunzelnd: «Nicht ganz, aber aus dem gleichen Unternehmen.»

 

Der Pfarrer macht einen Hausbesuch. Zur Feier des Tages stellt die Hausfrau eine grosse Wurst auf den Tisch und bittet den Gast, diese anzuschneiden. «Ist es egal, wo ich sie anschneide?» fragt der Pfarrer. «Aber natürlich.» «Dann schneide ich sie zu Hause an.»

 

Am Strassenrand mitten im Dorf versucht ein Mann vergeblich, seinen älteren Töff anzukicken. Er kickt und kickt und flucht dabei unflätig und lautstark. Der Dorfpfarrer kommt des Weges, schaut dem Treiben kurz zu, versucht den Fluchenden zu beruhigen: «Guter Mann, fluchen bringt gar nichts. Halten Sie einen Moment inne, sprechen Sie: «mit Gott geht's und versuchen Sie es nochmals». Der Töfffahrer folgt dem Ratschlag, tritt kurz in die Startpedale – siehe da, der Motor springt sofort an. Verdutzt meint der Pfarrer: «Sternechaib, da hätti denn scho ned denkt!»


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