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Kirche

«Nicht ganz einfach»

20.07.2021
Sigrid Strahlhofer antwortet auf die Frage, wie sie Frauenrechte, Nationalfeiertag und Sonntag in ihrer Predigt unter einen Hut bringt.

Als Laienpredigerin gehe ich in meinen Predigten oft von meinen Lebens- und Glaubenserfahrungen aus. Für meine Predigt am 1. August in Altnau habe ich die Bibelstelle aus dem 1. Korintherbrief 14 ausgesucht, in der der Apostel Paulus der christlichen Gemeinde in Korinth den Rat gibt, dass die Frauen in der Gemeinde schweigen sollten. Das ist nicht so einfach zu verstehen, weil es im Gefolge von Paulus durchaus auch den Männern gleichgestellte Gemeindeleiterinnen gab, wie etwa Priska, Junia und Phoebe.

Obwohl die Frauen in unserer reformierten Kirche an der Basis seit Jahrhunderten vor allem die diakonische Arbeit getragen haben, war der Weg ins Pfarramt und auf die Kanzel lang und beschwerlich. Als 1971 das Frauenstimmrecht eingeführt wurde, konnten Frauen in vielen Schweizer Landeskirchen noch nicht ins Pfarramt gewählt werden. Sie waren lediglich Hilfspfarrerinnen.

Die Frauen sind heute aus der kirchlichen Arbeit nicht wegzudenken. Ich werde in meiner Predigt darauf verweisen, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter auch in den Köpfen geschehen muss und das am Beispiel meiner Schwiegermutter illustrieren, die vor 30 Jahren am 8. März (Tag der Frau) meine Kinder gehütet hat, weil ich eine Verpflichtung hatte. Als ich bei meiner Rückkehr ein violettes Tüchlein trug, das ich von engagierten Frauenrechtlerinnen geschenkt bekommen hatte, meinte sie vorwurfsvoll: «Wenn ich gewusst hätte, dass du am Frauenstreik mitmachst, hätte ich die Kinder nicht gehütet…» Dabei bin ich noch nie an einen Frauenstreiktag auf die Strasse gegangen…


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