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Kirche

«Die Gottesdienste sind uns etwas wert»

15.12.2021
Judith Hübscher Stettler leitete am 6. Dezember zum letzten Mal eine Synode in gesamter Länge. Im Interview erzählt sie von ihren Höhepunkten, den Herausforderungen und wie sie die freiwerdende Zeit nutzen wird.

Welche Gefühle haben Sie begleitet, als sie am 6. Dezember Ihre letzte Synodensitzung geleitet haben?
Judith Hübscher Stettler: Ich bin, wie an jede Synodesitzung, mit Respekt herangegangen. Dieses Mal war speziell, dass sich gleich vier Kandidaten um den sechsten Kirchenratssitz beworben haben, was ein herausforderndes Wahlgeschäft vorhersagte. Ich habe mich wie immer sorgfältig vorbereitet und in die Geschäfte eingelesen. Das gibt mir Sicherheit. Wenn ich selbst sattelfest bin, kann ich zügig durch die Traktanden führen.

Sie haben während Ihrer Amtszeit gleich zwei entscheidende Wahlen erlebt.
Ja, die neue Besetzung des Kirchenratspräsidiums war eine spannende und arbeitsintensive Aufgabe. Für uns vom Synodalbüro war es wichtig, dass der Wahlprozess transparent und korrekt ablief. Das Resultat fiel dann deutlich auf Christina Aus der Au.

Pfarrer Paul Wellauer hingegen wurde mit nur einer Stimme mehr gewählt.
Das bildet wahrscheinlich die Situation der Synode ab.

Was meinen Sie damit?
Paul Wellauer und Steffen Emmelius stehen für unterschiedliche Positionen im Glauben. Das knappe Resultat interpretiere ich als Ausdruck einer ausgewogenen Vertretung der unterschiedlichen Glaubensverständnisse und theologischen Ausrichtungen in der Synode.

Gab es einen Höhepunkt während Ihrer Legislatur?
Die Gesprächssynode im vergangenen August. Im Unterschied zu den normalen Synoden werden da nicht Budget, Rechnung, Gesetzes- oder Verordnungsanpassungen behandelt, sondern inhaltliche Fragen besprochen. Der gegenseitige Austausch steht im Zentrum.

Wann wurden Sie besonders gefordert?
Wenn es während der Synode zu intensiven Diskussionen mit vielen Anträgen kam. Dann ist es besonders wichtig, den Überblick zu behalten und so zu kommunizieren, dass das Parlament folgen kann. In diesen Fällen konnte ich aber auf die Unterstützung des Synodalbüros oder einzelner Synodemitglieder zählen. Ich bin eine Teamplayerin und schätze das Mitdenken und Mitwirken aller Beteiligten.

Welche Tipps geben Sie Ihrem designierten Nachfolger Haru Vetsch auf den Weg?
Ihm brauche ich keine Tipps mitzugeben, er ist sehr erfahren.

Und was wünschen Sie dem Kirchenrat und der neuen Präsidentin?
Ich wünsche dem gesamten Gremium ein gelingendes Miteinander und Gottes Segen für das Wirken in unserer Landeskirche. Insbesondere Weisheit, Vertrauen und Mut. Es stehen einige Herausforderungen an. Einerseits ist eine zunehmende Säkularisierung zu beobachten, auf der anderen Seite sehnen sich viele Menschen nach Spiritualität. Gut möglich, dass diese Entwicklungen künftig neue Lösungen und mutige Entscheide brauchen.

Sind Sie weiterhin in der Landeskirche aktiv anzutreffen?
Wenn ich als Synodalin wiedergewählt werde, wird man mich an den Sitzungen wiedersehen. Ich engagiere mich gerne für eine offene Kirche.

Was machen Sie mit der freiwerdenden Zeit?
Ich freue mich darauf, wieder mehr Zeit für andere Menschen zu haben. Zudem möchte ich meinen Vorsatz für mein Synodepräsidium fertig umsetzen und in jeder Kirchgemeinde einen Gottesdienst besuchen, was ich wegen der Pandemie nicht ganz geschafft habe. Ich finde es beeindruckend, wie unterschiedlich die Gottesdienste sind und was alles an nährenden Worten und schöner Musik in besonderen Räumlichkeiten geboten wird. Gottesdienste sind uns etwas Wert.

 

(Interview: Claudia Koch)


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