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Kirche, Kultur

Das Musical Josef - und wer dahinter steckt

THURGAU. Jeder kennt sie, die Geschichte von Josef, der von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft – und dort oberster Beamter des Pharaos wird. Crossnet hat darüber ein Musical kreiert. Hinter drei Rollen stecken engagierte Jugendliche aus Thurgauer Kirchgemeinden.

Von Basil Höneisen

Die Frau des ägyptischen Beamten Potifar ist eine hinterlistige Verführerin, welche die biblische Geschichte massgeblich mitgeschrieben hat. Zuerst will sie Josef, den Diener von Potifar, um den Finger wickeln und ihren Mann betrügen. Als das misslingt, bezichtigt sie Josef der versuchten Vergewaltigung, woraufhin ihn Potifar ins Gefängnis werfen lässt. Wer möchte eine solche Figur freiwillig in einem Musical spielen? Janice Oertly aus Bischofszell hat sich dieser Rolle angenommen. Die Floristin liebt ihre Rolle im Josef-Musical. «Die Frau von Potifar ist das pure Gegenteil von mir», sagt Janice, «es gefällt mir, eine Person zu spielen, mit der man in Wirklichkeit nichts gemeinsam hat.»

Musical und Message in einem

Janice liebt das Singen und Schauspielern. Sie spielt bereits zum zweiten Mal bei einem Musical von «Crossnews» mit – so nennt sich ein Verein, der mit Jugendlichen Musik-, Theater- und Musical-Produktionen erarbeitet und aufführt. Dabei solle nicht nur der Inhalt von der Bibel geprägt sein, sondern auch der Umgang im Team, schreiben die Verantwortlichen. Genau so etwas motiviert Janice. «Die Kunst eines guten Musicals verbunden mit einer biblischen Botschaft – das gefällt mir», sagt sie. Um die Rolle zu bekommen, musste Janice vor dem Kernteam des Musicals vorsingen. Damals wusste sie noch nicht, welche Rolle sie spielen würde. «Das war nicht entscheidend. Ich wollte einfach dabei sein.»

Der Pharao – beruflich und privat

Der junge Mann, der den Pharao spielt, heisst Elias Eggenberger. Als Kind schon gerne in Herrscherkostümen wie jenem von Julius Cäsar, fühlt sich Elias sehr wohl in der Rolle als Monarch. «Pharao sein gefällt mir sehr gut. Meiner Ansicht nach ist es auch eine entscheidende Figur für den Verlauf der Geschichte», sagt der 18-jährige Maturand aus Sitterdorf. Privat würde er sich nicht direkt als Pharao-Typ bezeichnen, doch sieht er bei sich schon hie und da herrische Züge. «Mein Temperament kann schon mal aufbrausen und meine Stimme sich erheben, wenn ich etwas will», sagt Elias. Die Gründe, bei einem solchen Musical auf der Bühne zu stehen, sind für ihn klar. Er schauspielert und musiziert leidenschaftlich. Aber es geht noch um mehr: «Diese Leidenschaft mit einem christlichen Musical zu verbinden ist für mich eines der höchsten Gefühle.»

«Juda» und sein Engagement

Einer von Josefs Brüder, Juda, wird vom Sitterdorfer Jeremia Wick gespielt. Wie Elias ist Jeremia ebenfalls durch die Freude am Theaterspielen und «dem Privileg, anderen Leuten auf eine spezielle Art Gott näherzubringen» motiviert worden, Teil des Musicals zu werden. Auch ausserhalb des Musicals engagiert sich Jeremia. «Ich bin in der Jungschar tätig und gestalte mit ein paar anderen gelegentlich den Worship in der Kirche», sagt der 18-Jährige Schreinerlehrling. Sein Engagement in der evangelischen Kirche ist keine Selbstverständlichkeit. «In der Jungschar hatten wir zwar noch nie einen Leitermangel. Doch im Allgemeinen habe ich schon das Gefühl, dass es schwieriger wird, junge Leute einzubinden.» Janice, Elias und er sind zurzeit alle in Projekten der evangelischen Kirche tätig. Sie freuen sich über jeden, der sich ihre Arbeit, das Musical, nicht entgehen lässt. «Ob jung oder alt, gläubig oder nicht, kein Besucher ist Fehl am Platz», sind sich die Jugendlichen einig und freuen sich auf ausgebuchte Vorstellungen.