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Kirche

Beruflich und privat ein Team

THURGAU. Dass sich Pfarrehepaare eine Stelle teilen, ist heute keine Seltenheit mehr. Was romantisch klingt, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich. Der Kirchenbote hat sich bei zwei Pfarrehepaaren aus dem Thurgau erkundigt.

Von Cyrill Rüegger

«Wir haben den ‹Fünfer und s’Weggli›», sind sich Corinna und Beat Junger einig. Die beiden Eheleute arbeiten seit bald 20 Jahren gemeinsam in einem Pfarramt. Die Kirchgemeinde Burg in der Region Stein am Rhein ist ihre zweite Station. Die Pfarrstelle teilen sie sich Fifty-Fifty. «Der grosse Vorteil ist: Wir können beide unserem Beruf nachgehen und haben Zeit für Kinder, Haus und Garten», betont Corinna Junger.

Klare Aufgabenteilung

Szenenwechsel. Vom Ufer des Untersees einige Kilometer ostwärts ans Bodenseeufer. Hier in der Kirchgemeinde Scherzingen-Bottighofen arbeitet ebenfalls ein Ehepaar als Pfarrteam. Und auch Gabriele Weiss und Andres Bertram-Weiss machen das seit längerem. Fast zwölf Jahre sind es nun. Was ist ihr Erfolgsrezept? «Eine klare Aufgabenteilung ist wichtig», sagt Gabriele Weiss. «Wir halten zudem – wann immer möglich – den Samstag als gemeinsamen Ruhetag frei.» Ansonsten unterscheide sich das eheliche Jobsharing nicht gross von der Arbeit in einem «normalen» Pfarrteam. Auch bei Ehepaaren gebe es Ähnlichkeiten und Unterschiede, was die Persönlichkeitsstruktur und den Arbeitsstil betreffe. «Wichtig ist, dass wir geistlich auf einem Grund stehen, der uns verbindet und das Gemeinsame betont», fügt Andreas Bertram-Weiss an. Der christliche Glauben biete dafür die ideale Grundlage – gerade heute, wo in Wirtschaft und Politik leider eher «der Kampf untereinander» im Vordergrund stehe.

Rollenwechsel fordert heraus

Harmonie allenthalben? Das greife zu kurz, sagt Beat Junger: «Die Herausforderung als Pfarrehepaar ist, eine gute Balance zwischen Arbeits- und Freizeit zu finden.» Pfarramtliches solle beispielsweise nicht immer Gesprächsthema sein am Esstisch. Gleichzeitig sei er sich bewusst, dass man den Beruf als Pfarrperson ohnehin nicht einfach ablegen könne. «Man ist schliesslich auch Pfarrer, wenn man in der Freizeit seine Einkäufe erledigt.» Sind die Erwartungen der Kirchgemeindemitglieder an ein Pfarrehepaar also umso höher? Andreas Bertram-Weiss verneint: «Man kennt das Jobsharing auch von anderen Professionen und weiss, dass zwei halbe Stellen nicht für jeden jederzeit zu 100 Prozent Bereitschaft bedeuten. Bei einer Ärztin in Bereitschaft beschwert man sich ja auch nicht, nur weil man eigentlich lieber den älteren Kollegen gehabt hätte.» 

«Herr Pfarrer» ist verankert 

Klare Kommunikation und zwar von Anfang an sei bezüglich der Akzeptanz innerhalb der Kirchgemeinde besonders wichtig, betont Gabriele Weiss. «Klar ist auch, dass es verschiedene Vorlieben gibt unter den Leuten», fügt Corinna Junger an. Hier liege aber auch ein grosser Vorteil, wenn sich zwei unterschiedliche Menschen das Pfarramt teilen. Herausfordernd sei eher, wenn in den Köpfen einiger Menschen nach wie vor der «Herr Pfarrer» verankert sei. In den allermeisten Fällen spiele es aber keine Rolle, wer vom Pfarrehepaar zu Besuch komme. 

Nichts für jedes Pfarrpaar

Obwohl alle vier Personenglücklich sind mit ihrer Situation, empfehlen sie die eheliche Berufsteilung nicht allen Paaren. Zumindest müsse man es sich sehr gut überlegen, meint Corinna Junger. Ein Pfarramt so zu teilen sei quasi ein Lebensstil. Und Andreas Bertram- Weiss ergänzt: «Es braucht ein waches Bewusstsein für die Trennung von Rolle und Person, von Dienst und Privatem.» Als Pfarrehepaar seien diese Grenzen noch fliessender als ohnehin schon in diesem Beruf.