News aus dem Thurgau
Kriegszustand in Israel

Blog: Der Krieg geht weiter

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02.12.2023
Eigentlich hätten sie im Oktober eine Reisegruppe aus dem Thurgau in Israel empfangen sollen. Nun berichten eine israelische Friedensaktivistin und ein arabischer Pfarrer, wie sie den Kriegszustand vor Ort erlebt.

Eine Reisegruppe aus der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil rund um Organisator Daniel Aebersold w├Ąre vom 8. bis 19. Oktober nach Israel gereist. Nach dem Kriegsausbruch am 7. Oktober durch den ├ťberraschungsangriff der Hamas musste die Reise abgesagt werden. Vor Ort h├Ątte die Gruppe eine Menschenrechtsaktivistin getroffen, die aus Sicherheitsgr├╝nden anonym bleiben m├Âchte. Die j├╝dische Israelin mit schweizerisch-christlichen Wurzeln lebt seit den 1970er-Jahren in Israel. Die lizenzierte Reiseleiterin ist mittlerweile pensioniert, setzt sich gemeinsam mit j├╝dischen, christlichen und muslimischen Frauen aber seit Jahren f├╝r eine friedliche und gerechte L├Âsung in Israel und Gaza ein. Daniel Aebersold steht mit ihr und anderen Menschen vor Ort in Kontakt. Ihre teils schockierenden Ausf├╝hrungen vom Kriegsausbruch und den Zust├Ąnden vor Ort sind im folgenden Blog nachzulesen.

 

--- Samstag, 2. Dezember ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Auf dem Platz der Gekidnappten, im Zentrum von Tel Aviv, Freitag vor einer Woche. Hoffnung und grosse Anspannung. Halten sich beide Seiten an das ausgehandelte Abkommen? Ich stehe mit den Friedensfrauen auf dem Platz. Eine ├Ąltere Frau bleibt neben mir stehen, sie weint. 'Ich warte auf 16.00 Uhr, auf die Nachricht, dass die ersten Geiseln freikommen.' Ein junger Mann mit einem Baby im Kinderwagen fragt mich: 'Darf ich Dich umarmen?' Wir umarmen uns lange und fest. Dann sprechen wir ├╝bers Baby und werfen die Frage auf, wie wir diesem Baby hier eine Zukunft erm├Âglichen k├Ânnen.

Jeden Tag hoffen wir, dass Ditza Heiman, 84, die Mutter von Neta, einer unserer Friedensfrauen, freigelassen wird. Im f├╝nften Austausch, am Mittwoch, wird sie freigelassen, ein Lichtblick in diesem Psychoterror. Aber es sind noch viele dort.

24 Stunden hat es gedauert, bis ich den Namen Frau B├╝denbender aussprechen konnte, ohne nachzudenken. Frau B├╝denbender ist die First Lady von Deutschland, die Ehefrau vom Bundespr├Ąsidenten Frank-Walter Steinmeier. Die beiden kommen, wie viele andere, auf Blitzbesuch nach Israel. Auf ihre Bitte treffen wir Friedensfrauen sie im schicken King David Hotel in Jerusalem, f├╝r eine kurze halbe Stunde. Sie ist eine empathische Frau, die gut und aufmerksam zuh├Âren kann, gescheite Fragen stellt. Unterst├╝tzung und Druck aus dem Ausland ist heute wichtig, und wird noch wichtiger werden, wenn die Waffen irgendwann mal endg├╝ltig ruhen.

Also, das war die Woche: tempor├Ąrer Waffenstillstand, R├╝ckkehr von Verschleppten, Freilassung von Pal├Ąstinensern, ein bisschen Freude, ein kurzes Aufschnaufen. Nun ist der Krieg wieder in vollem Gange."

 

--- Donnerstag, 22. November ---

Beitrag eines arabischen Pfarrers in Nazareth:

"Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit den politischen Beh├Ârden der Stadt Nof HaGalil sind wir damit besch├Ąftigt, die n├Ąchste Phase unserer Kriegshilfe f├╝r Familien vorzubereiten, die in dieser Stadt Zuflucht gefunden haben. Diese Hilfsaktionen, welche von arabischen Menschen zu Gunsten von j├╝dischen Fl├╝chtlingen erfolgen, erregen grosse Aufmerksamkeit in der Region.

Es gibt nichts Besseres als solche Zeugnisse, um die Realit├Ąt der Macht Gottes zu demonstrieren, die im Leben der Menschen am Werk ist. Wir hatten in der 'Home of Jesus the King Church' das Privileg, Gottes Wunderkraft bei vielen Gelegenheiten am Werk zu sehen.

Mein Sohn (Sohn des Pfarrers) Suleiman repr├Ąsentiert eine neue Generation junger Christinnen und Christen in Israel, die das wahre Bild des einen neuen Menschen in Christus manifestieren. Die jungen arabischen und j├╝dischen Christinnen und Christen in Israel n├Ąhern sich den gesellschaftlichen Spaltungen in Israel mit den Augen des Glaubens und unternehmen bewusste Anstrengungen, Br├╝cken zu bauen und als Friedensstifter in Israel zu dienen."

 

--- Sonntag, 19. November ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Eine Freundin aus den USA fragt mich, ob es richtig sei, dass wir Gaza bombardieren. Ich zitiere hier Ahmed Mansour, einen israelisch-pal├Ąstinensischen Psychologen, der seit Jahren in Deutschland lebt. Geschrieben hat er das am 11.10.2023 in der NZZ. 'Wer im Nahen Osten Schw├Ąche zeigt, wird gefressen. Diese Schw├Ąche hat Israel jetzt gezeigt. Wenn das nicht korrigiert wird, wird es sehr viele Nachahmer geben in der Region. Ohne diese Korrektur kann eine solche Schw├Ąche zu einer Existenzbedrohung Israels werden.' Mansour, als Jugendlicher selber Anh├Ąnger einer islamistischen Gruppierung, ist eine der wichtigen Stimmen gegen religi├Âs-islamistischen Extremismus in Europa. Es lohnt sich, ihm gut zuzuh├Âren.

Der Nahe Osten ist eine Region, wo es nur um Macht und Machterhalt geht, nicht von Nationen, sondern von St├Ąmmen und Familienclans, getrieben von pers├Ânlichen Interessen. Es gibt viel religi├Âsen Fanatismus, und sehr viel systematische Unterdr├╝ckung ÔÇô von Frauen, Minderheiten und Andersdenkenden. Aufkl├Ąrung, Demokratie, Verpflichtung einer Regierung ihren B├╝rgern gegen├╝ber ist nichtexistent. Unter diesen Bedingungen k├Ânnen sich hier keine fortschrittlichen, aufgeschlossenen und positive Gesellschaften und Staaten entwickeln.

Westliche L├Ąnder sehen sich immer wieder in der Schuld f├╝r die ganze Misere hier: die eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interessen, die Kolonialisierung. Ich finde es angebracht, die Mitschuld der arabisch-islamischen Gesellschaft auch mal deutlich auszudr├╝cken, es w├Ąre politisch sehr korrekt und auch sehr angemessen.

Ich k├Ąmpfe f├╝r den Frieden, glaube auch nach dem 7.10. immer noch ans Gute im Menschen, obwohl dieser Glaube nun auf eine harte Probe gestellt wird. Wir Friedensfrauen arbeiten intensiv f├╝r den 'Tag nach dem Krieg', f├╝r Verhandlungen zwischen kompetenten F├╝hrungskr├Ąften und Mitbeteiligung von Frauen an allen Gespr├Ąchen.

Und meiner amerikanischen Freundin stelle ich eine Frage: Stell Dir vor, dass an 9/11 sechzigtausend Amerikaner umgebracht wurden. Und Amerika tut gar nichts. Und dann fordere ich sie auf, die Erkl├Ąrung von Ahmed Mansour nochmals durchzulesen."

 

--- Donnerstag, 16. November ---

Beitrag aus Jerusalem von Mitarbeitenden im Vers├Âhnungsdienst:

"Israel ist seit 41 Tagen im Krieg. Seit dem brutalen Einfall der Hamas in die j├╝dischen D├Ârfer in der N├Ąhe vom Gazastreifen am Samstag, 7. Oktober 2023 versucht die israelische Armee, die Terroristen in ihren unterirdischen G├Ąngen aufzusp├╝ren und auszurotten. In diesen Tagen sind 1400 israelische Zivilisten umgebracht worden, 4500 sind verletzt. Hamas hat unterdessen mehr als 10ÔÇÖ000 Raketen auf israelisches Territorium abgeschossen. Noch immer sind mehr als 200 Geiseln in der Hand der Hamas. Israel k├Ąmpft nicht nur in Gaza. Auch im Norden wird es von der Hisbollah bedr├Ąngt, beschossen, angegriffen. In der Westbank versuchen sich terroristische Gruppen neu zu organisieren. Und weltweit ist Israel Gegenstand einer Medienschlacht. Antisemitismus schiesst ├╝berall aus dem Boden, als h├Ątte der Feind Gottes nur auf diese Gelegenheit gewartet. Israel braucht Gebet. Es wird immer offensichtlicher: nur Gott vermag Rettung zu bringen! In dieser Zeit wenden sich viele Israelis wieder ihrem Gott zu!

Auch die Pal├Ąstinenser brauchen Gebet, denn viele unschuldige Kinder, Frauen und M├Ąnner leiden unter der Saat der Gewalt, die ihre F├╝hrer, die Hamas ├╝ber Israel und damit auch ├╝ber sie gebracht haben. Die pal├Ąstinensische Bev├Âlkerung wird von ihren eigenen F├╝hrern als menschliche Schutzschilde im Krieg gegen Israel benutzt; wollen sie sich aus der Gefahrenzone retten, werden sie von der Hamas erschossen. Gott leidet auch an ihrer Not.

Wir als Gemeinschaft hier vor Ort brauchen auch Gebet, um Weisheit und Kraft. Aktuell wurden 200ÔÇÖ000 Israelis aus ihrem Zuhause evakuiert und sind als Fl├╝chtlinge provisorisch untergebracht. Wir, zurzeit ein Team von 14 Mitarbeitern, stehen jenen in Jerusalem so weit als m├Âglich bei, praktisch, aber auch geistlich.

Unsere Arbeit unter den arabischen Kindern geht weiter. Mehr denn je brauchen sie die Botschaft der Liebe, um dem Hass und den L├╝gen nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Wir planen Weihnachtseins├Ątze an arabischen Schulen durchzuf├╝hren."

 

--- Dienstag, 14. November ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Vivian Silver ist tot. Ermordet am 7. Oktober in ihrem Luftschutzraum. Vivian war eine Mitbegr├╝nderin von Women Wage Peace. Sie galt als vermisst, h├Âchstwahrscheinlich verschleppt. Letzte Nacht wurde ihrer Familie die bittere Nachricht mitgeteilt.

'Es reicht. Wir k├Ânnen nicht ohne einen politischen Horizont weitermachen', sagte sie vor wenigen Jahren auf einer Kundgebung von Women Wage Peace. Vivian wusste, wovon sie sprach, ihr Kibbutz liegt drei Kilometer von der Grenze zum Gazastreifen entfernt. 'Wir k├Ânnen nicht hinnehmen, dass Operationen und Kriegshandlungen, die nur Tod, Zerst├Ârung und Schmerz bringen, und uns allen seelischen und k├Ârperlichen Schaden zuf├╝gen, an der Tagesordnung sind. Wir rufen den Premierminister, den Verteidigungsminister und das Kabinett auf, den n├Âtigen Mut zu finden, um politische Alternativen zu f├Ârdern, die uns Frieden und Sicherheit bringen. Wir rufen unsere Schwestern in Gaza auf: Schliesst Euch uns an und fordert Eure F├╝hrung auf, das gleiche zu tun. Terror n├╝tzt niemandem. Auch ihr habt Frieden und Sicherheit verdient.'

Das Verm├Ąchtnis von Vivian ist die Friedensarbeit. Wir Frauen werden nicht ruhen, bis wir das Ziel erreicht haben, dem Vivian ihr Lebenswerk gewidmet hat. Aber heute sind wir einfach nur traurig. Shalom, Havera."

 

--- Montag, 13. November ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Arbeitstag in der Region Gaza. In Israel gab es Tausende von thail├Ąndischen Arbeitern in der Landwirtschaft. Mindestens zw├Âlf von ihnen wurden am 7. Oktober von der Hamas entf├╝hrt, weitere werden vermisst. Seither sind ein Drittel von allen nach Hause geflogen, teilweise schwer traumatisiert, und auch, weil es der K├Ânig von Thailand so angeordnet hat. In der Landwirtschaft fehlt es ├╝berall an Arbeitern, und dies kurz vor den Winterregen. Einige meiner Freunde leisten Freiwilligenarbeit, und wie viel anderes wird auch das ├╝ber die Zivilgesellschaft organisiert.

Zwei Reiseleiterkollegen haben einen Arbeitstag f├╝r deutschsprachige Reiseleiterinnen auf einem Biohof organisiert, drei Kilometer n├Ârdlich vom Gazastreifen. Toll, so viele Kollegen wieder zu treffen, und wir sind ja eh wieder mal arbeitslos. Wir haben gepfl├╝ckt, geschnitten, verpackt, und Tausende von Salaten in den gut vorbereiteten Boden gesteckt. Die meisten Arbeiter des Biohofes sind fort, der wirtschaftliche Schaden ist immens, und der Staat ist... nirgendwo.

Wir arbeiten im milit├Ąrischen Sperrgebiet. Bei der Anfahrt gibt es Milit├Ąrsperren. Wir werden durchgelassen, weil wir in der Landwirtschaft arbeiten. Zivilverkehr gibt es kaum mehr, aber immer mehr Milit├Ąrfahrzeuge aller Art. Nach dem zweiten Checkpoint, auf einem von Raupenfahrzeugen umgepfl├╝gten Feld, ein Zeltlager des Milit├Ąrs. Am Wegrand parken die verstaubten Autos der Soldaten. Ein abgebranntes Feld, abgeerntete Baumwollfelder, und ├╝ber allem liegt dieser graue Staub.

Bevor wir mit der Arbeit beginnen, erhalten wir die beruhigende Erkl├Ąrung, dass hier keine Raketen aus Gaza fallen, trotz der N├Ąhe. Die Hamas zielt auf die St├Ądte weiter n├Ârdlich, Ashkelon, Ashdod, Tel Aviv. Das Donnern stammt von unseren Truppen, es sind Absch├╝sse. Dazu kommt der Flugl├Ąrm, Helikopter, Kampfjets, den ganzen Tag lang. Nach zwei Stunden Petersilie-Pfl├╝cken habe ich mich an die L├Ąrmkulisse gew├Âhnt, es ist nur noch ein ganz gew├Âhnliches Hintergrundger├Ąusch. Aber jeder Abschuss hat ein Ziel, irgendwo dort im Gazastreifen."

 

--- Mittwoch, 8. November ---

Beitrag eines arabischen Pfarrers aus Nazareth:

"Es gibt wunderbare Freundschaften und Partnerschaften zwischen arabischen und j├╝dischen Israelis, insbesondere unter Gl├Ąubigen. Gemeinsam sind wir Br├╝der und Schwestern in Christus, die unerm├╝dlich f├╝r den Herrn zusammenarbeiten, das Licht des Evangeliums sowohl in arabischen als auch in j├╝dischen Gemeinden verbreiten und an der Seite Israels stehen und seinem Volk in diesen herausfordernden Zeiten eine helfende Hand anbieten...

Du als Partner bewirkst etwas! Dank Deiner Unterst├╝tzung konnten wir eine Vielzahl von vom Krieg betroffenen Familien segnen, die derzeit in Hotels in Nof HaGalil untergebracht sind. Diese lieben Menschen wurden aus israelischen Gemeinden im S├╝den und Norden evakuiert, die unter Beschuss terroristischer Kr├Ąfte geraten sind. Wir konnten sie mit lebenswichtigen G├╝tern versorgen, da sie teilweise alles verloren hatten und vor dem Nichts stehen.

K├╝rzlich haben wir w├Ąhrend unseres Schabbat-Gottesdienstes in der 'Home of Jesus the King Church' eine Veranstaltung abgehalten, bei der wir unsere Kinder in dieser Zeit des Krieges f├╝r den Frieden zwischen Arabern und Juden sowie f├╝r den Frieden Jerusalems beten und F├╝rbitte einlegen lie├čen. Die lieben Kleinen gingen auf die B├╝hne und begannen, zuvor ausgew├Ąhlte Schriftstellen vorzulesen, und erhoben ihre Stimmen im Gebet zum Himmel. Der Friede beginnt in den Herzen und wir wollen unsere Kinder den Weg des Friedens und der Vers├Âhnung lehren."

 

--- Mittwoch, 1. November ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Unsere Welt hat sich vollst├Ąndig ver├Ąndert. Wir alle haben eine neue Zeitz├Ąhlung: vor und nach dem 7. Oktober. Nur drei dr├╝ckend hei├če Tage vor diesem Datum versammelten sich Vertreterinnen von Women Wage Peace (WWP) und ihrer pal├Ąstinensischen Schwesterbewegung Women of the Sun (WOS) auf einem H├╝gel in Jerusalem im Park der Toleranz.

Gemeinsam suchten wir unter gro├čen wei├čen Sonnenschirmen Schutz vor der prallen Sonne. Nur drei Tage vor diesem Samstag, als die Hamas die letzten Details ihrer Pl├Ąne f├╝r einen brutalen Angriff auf israelische Zivilisten ausarbeitete, erkl├Ąrten Delegierte ÔÇô angesehene Frauen aus ├╝ber 27 L├Ąndern, darunter Iran, den USA, Frankreich und Irland ÔÇô ihre Solidarit├Ąt mit WWP und WOS. Nur drei Tage vor diesem entsetzlichen Tag, als j├╝dische Israelis sich auf die gemeinsamen Feiertage Schabbat und Simchat Tora freuten, kamen 2000 Mitglieder von WWP und WOS und Unterst├╝tzerinnen ans Tote Meer, um gemeinsam an einem ruhigen Strand ├╝ber Frieden zu sprechen. Wir erkl├Ąrten: Frieden ist m├Âglich, wenn Frauen Wege finden, ihrer Stimme in ihren eigenen Gemeinschaften und in den Hallen der Macht Geh├Âr zu verschaffen.

Es reicht mit dem Blutvergie├čen! Es reicht! Das war und ist unser Appell, jetzt noch mehr als zuvor. Seit unseren Anf├Ąngen vor neun Jahren, nach dem Gaza-Krieg 2014, haben wir Hoffnung auf die gleiche Weise verstanden wie der tschechische Held Vaclav Havel ÔÇô die Entschlossenheit, f├╝r etwas zu arbeiten, nicht weil die Chance auf Erfolg unmittelbar bevorsteht, sondern weil es gut ist.

Auch wenn wir uns jetzt im Krieg befinden, der durch das schrecklichste, schockierendste und brutalste Massaker an Juden seit dem Holocaust verursacht wurde, werden wir unsere Rolle als Vermittler dieser Art von Hoffnung niemals aufgeben. Nur durch Frieden k├Ânnen wir den Tod vieler weiterer Israelis und Pal├Ąstinenser verhindern. Wir fordern Verhandlungen!"

 

--- Donnerstag, 26. Oktober ---

Beitrag eines arabischer Pfarrers aus Nazareth:

"Es war eine sehr arbeitsreiche Zeit f├╝r uns hier in der 'Home of Jesus the King Church', da wir Lebensmittelboxen und andere wichtige humanit├Ąre Hilfe f├╝r vom Krieg betroffene Familien gepackt, vorbereitet und verteilt haben. Unser Hilfsprojekt lief gut und im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit einer Reihe j├╝disch-israelischer Organisationen konnten wir eine Vielzahl Familien unterst├╝tzen, die unter Raketenbeschuss leben oder vertrieben wurden.

Es war f├╝r uns ein gro├čes Privileg, letzte Woche den B├╝rgermeister von Nof Hagalil in unserer Kirche zu empfangen. Das ist wirklich ein Wunder, denn es ist das erste Mal ├╝berhaupt, dass ein j├╝discher B├╝rgermeister eine Kirche in Nazareth besucht. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit B├╝rgermeister Ronen und dem Rathaus von Nof Hagalil zusammen, schon seit der Zeit der Corona-Krise, als Nof Hagalil von einem Gro├čbrand verw├╝stet wurde, und jetzt w├Ąhrend des Krieges in Israel."

 

--- Sonntag, 22. Oktober ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Ganz zu Anfang dieses noch namenlosen Krieges meinte mein Mann, dass er sich wie in einem luftleeren Raum f├╝hle. Wir sind in einem schwerelosen Zustand. Freuen kann man sich ├╝ber nichts, wir versuchen nur, uns ├╝ber Wasser zu halten, nicht unterzugehen. Hoffen, dass es nicht allzu schlimm wird. Bodenoffensive, Angriffe aus dem Libanon, ein konzertierter Angriff, geplant vom Iran? Und was ist mit den Verschleppten, mit V., mit D., und allen anderen? Was geschieht mit den Menschen im Gazastreifen, von ihren Machthabern als Schutzschilder benutzt? Die N├Ąchte sind unruhig, trotz meiner Schwerh├Ârigkeit erwache ich vom L├Ąrm der Kampfflugzeuge. Ich tr├Ąume, dass meine Enkel verschleppt wurden. Ich rede mir ein, dass ich keine 'Panikerin' bin, erschrecke tags├╝ber dennoch wegen vrschiedener Ger├Ąusche.

In unserem Eukalyptuswald, der bereits w├Ąhrend Corona Zufluchtsort war, wachsen nach den ersten Regenf├Ąllen zarte gr├╝ne Gr├Ąschen, dort finde ich etwas Ruhe. Als die Kinder klein waren, haben wir immer mit den Fingern sachte ├╝ber das Gr├╝n gestrichen. Da muss an ein Gedicht denken, das ich meinen Gruppen oft nach dem Besuch des Yad Vashem vorgelesen habe.

'Freunde, dass der Mandelzweig wieder bl├╝ht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der tr├╝bsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Bl├╝tensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Bl├╝ten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig f├╝r des Lebens Sieg.' (Das Zeichen, Shalom Ben Chorin, 1942.)"

--- Freitag, 20. Oktober ---

Beitrag eines arabischen Pfarrers aus Nazareth (bearbeitet durch Daniel Aebersold):

"In Kriegszeiten ist es f├╝r eine Nation von entscheidender Bedeutung, angesichts ihrer vielen Herausforderungen ungeteilt und geeint zu bleiben. Der Krieg, der derzeit im S├╝den und Norden Israels tobt, ist eine solche Zeit. Es ist besonders wichtig, dass die christliche Kirche in Einheit zusammenkommt, den Bed├╝rftigen Gutes tut und allen die Liebe Jesu widerspiegelt.

Daher war es f├╝r uns ein gro├čes Privileg und eine gro├če Freude, angesichts der j├╝ngsten Ereignisse mit unseren Br├╝dern und Schwestern aus einer j├╝dischen Gemeinde zusammenzuarbeiten. Dank der Hilfe unserer Partner konnten wir diese Gemeinde bei ihrer Arbeit unterst├╝tzen, angegriffene j├╝dische Familien in Aschdod und Aschkelon mit lebenswichtiger humanit├Ąrer Hilfe zu segnen."


--- Mittwoch, 18.
 Oktober ---

Beitrag eines arabischen Pfarrers aus Nazareth (bearbeitet durch Daniel Aebersold):

"Durch Gottes Gnade und die Unterst├╝tzung unserer Partner konnten wir von der 'Home of Jesus the King-Church' (Home JTK) 500 Toilettenartikel und Hygienek├Ârbe an vom Krieg betroffene israelische Familien in den Gemeinden und St├Ądten rund um Gaza verteilen. Dar├╝ber hinaus haben wir mehr als 300 Lebensmittelboxen an betroffene Familien verschickt. Wir dachten auch an die Kinder und legten P├Ąckchen mit Pralinen bei, um ihnen ein L├Ącheln ins Gesicht zu zaubern...

In der vergangenen Woche trafen wir uns bei Home JTK unter Raketenbeschuss und w├Ąhrend alarmierender Sirenen zu einem Abend des Gebets und der Anbetung f├╝r den Frieden in Jerusalem und Israel. Trotz der Gefahren, die es mit sich bringt, inmitten der Raketenangriffe nach drau├čen zu gehen, kamen unsere wertvollen Leute dennoch zum Gottesdienst und Gott ehrte uns mit einer gesegneten gemeinsamen Zeit..."

--- Dienstag, 17. Oktober ---

Beitrag von Daniel Aebersold:

"An Gebets-Treffen in den letzten Tagen, unter anderem in den Kirchgemeinden Amriswil und Bischofszell-Hauptwil, beteiligte sich eine erfreuliche Zahl von Frauen und M├Ąnnern. Diese Zeichen von Solidarit├Ąt mit allen Opfern in diesem Krieg in Israel und dem Gazastreifen sind wichtig und eine St├Ąrkung f├╝r die Betroffenen. Die Pr├Ąsenz und der pers├Ânliche, eindr├╝ckliche Bericht einer Frau, die seit Jahren in Israel lebt und in diesen Tagen einen lang geplanten, kurzen Aufenthalt in der Schweiz verbrachte, gab dem Treffen eine Tiefe. Sie erz├Ąhlte, wie auf die ersten ungl├Ąubigen Reaktionen eine gewisse Schockstarre, bald darauf aber ein geistliches Engagement folgte.

Zudem st├Ąrken Kontakte mit Bekannten und Freunden durch den Zuspruch von Trost und das Gebet. Es gibt auch zunehmend Initiativen von der Schweiz aus, Menschen in Israel zu unterst├╝tzen, welche Betroffenen durch humanit├Ąre Aktionen beistehen. Beispielsweise einen arabischen Pfarrer aus Nazareth, der seit Tagen Hilfslieferungen f├╝r Opfer des terroristischen ├ťberfalls rund um den Gazastreifen organisiert (siehe Eintrag vom 14. Oktober weiter unten) und dankbar ist f├╝r Unterst├╝tzung (zum Beispiel ├╝ber die Plattform www.homejtk.org). Auch Friedensfrauen sind daran, praktische Unterst├╝tzung zu organisieren."

--- Montag, 16. Oktober ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Was erwartet man von F├╝hrungskr├Ąften in solch bitteren Tagen? Eine Rede an die Nation, mit Zuspruch an die Bev├Âlkerung, die v├Âllig am Anschlag ist, Empathie, Verst├Ąndnis. Vielleicht auch eine Entschuldigung f├╝r die Fehler, die in den letzten Monaten gemacht wurden, f├╝r die verfehlte Politik der letzten Jahre?

Gestern hat mich ein Zeitungsbericht in der liberal-kritischen Haaretz v├Âllig aus den Socken gehauen. Ein hoher Offizier der israelischen Armee, Roni Numa, wurde mit dem Wiederaufbau der zerst├Ârten Infrastruktur der D├Ârfer rings um den Gazastreifen beauftragt, D├Ârfer, die um bis zu 100 ermorderten Menschen trauern, D├Ârfer mit verbrannten, gepl├╝nderten H├Ąuser. Das B├╝ro des Ministerpr├Ąsidenten weigert sich, mit Numa zusammenzuarbeiten. Dieser Befehl stammt von Sara Netanjahu, der Ehefrau von Ministerpr├Ąsident Benjamin Netanjahu. Numa ist Teil der Protestbewegung der letzten Monate und hat eine Petition ans Hohe Gericht eingereicht gegen den Ministerpr├Ąsidenten.

Ich habe mir daraufhin die Videobotschaft von Netanjahu vom Schwarzen Samstag angesehen. Empathie, Verst├Ąndnis, Mitgef├╝hl? Eine 'blood, tears and sweat'-Rede ├á la Winston Churchill? Nichts dergleichen. Leere Floskeln ├╝ber schwere Stunden und ein hohles Versprechen, dass wir siegen werden. Empathie gibt es nicht im Hause der Familie Netanjahu, auch nicht f├╝r die Opfer der Hamas, wichtiger ist die Rache am Offizier, der gegen ihre Herrschaft protestiert hat."

--- Samstag, 14. Oktober ---

Beitrag eines arabischen Pfarrers aus Nazareth (bearbeitet durch Daniel Aebersold):

"Das Land Israel leidet derzeit unter dem schrecklichen Massaker, das den israelischen Gemeinden rund um Gaza zugef├╝gt wurde, und wir als Kirche beten st├Ąndig f├╝r die Heilung und Wiederherstellung der Nation. Dies ist auch f├╝r uns als Kirche die Zeit, mit der Kraft des Heiligen Geistes aufzustehen und das Licht Christi in die Dunkelheit zu strahlen und Gutes zu tun, wie der Herr es angewiesen hat. Bitte beten Sie weiterhin und stehen Sie uns in dieser schwierigen Zeit bei.

W├Ąhrend die Nation Israel langsam mit den Gr├Ąueltaten klarkommt, die die Terroristen aus Gaza gegen die Israelis im S├╝den begangen hat, ist unsere Hilfe als Christen mehr denn je n├Âtig. Tausende Israelis werden durch den Krieg verletzt und vertrieben und ben├Âtigen lebensnotwendige G├╝ter des t├Ąglichen Bedarfs. Es war sehr ermutigend zu sehen, wie positiv sich unsere bisherigen monatlichen Lebensmittelprojekte in Nazareth unter bed├╝rftigen christlichen und muslimischen Arabern ausgewirkt haben. Wir bauen auch Br├╝cken zwischen den Menschen und Jesus Christus und machen sie mit seiner grenzenlosen Liebe und seinem Mitgef├╝hl bekannt. Und sie sind bereit, obwohl selbst in Not, am Leid von Anderen mitzutragen."


--- Freitag, 13. Oktober ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Bestien, Unmenschen, Tiere, Ungeheuer. Diese Worte haben mich in der letzten Nacht verfolgt.

Vier, f├╝nf Tage lang habe ich alles von mir weggeschoben, keine Bilder, keine Filme, nur intelligente Kommentare in den liberalen Zeitungen Haaretz und der NZZ gelesen. Gestern hat es mich eingeholt, das erste Mal konnte ich weinen. Israel ist ein kleines und gut vernetztes Land. Wenn 1200 Menschen sterben, vergewaltigt, ermordet, verschleppt werden, kennt jeder irgendjemanden. Und diese Geschichten gehen jetzt herum, in den Gespr├Ąchen mit Nachbarn, Familie, Freunden, und nat├╝rlich in den Sozialen Medien. Eine Freundin berichtet von ihrer 22-j├Ąhrigen Tochter, die von Beerdigung zu Beerdigung eilt. So gibt es endlose Geschichten, jeder Mensch hat Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn. Hinter diesen trockenen Zahlen stehen Menschen, und jeder Mensch hat eine Geschichte, ein Schicksal.

Ein Lichtblick sind die Stunden, die wir in unserer engsten Nachbarschaft verbringen, unsere Enkeln mit den Kindern der Nachbarn. Auf unserem 30 Meter langen Str├Ąsschen tummeln sich diese kleinen Kindern mit ihren Fahrr├Ądern, besuchen sich gegenseitig, spielen zusammen. Sie gilt es zu sch├╝tzen vor der Scheusslichkeiten der Welt und den Machtmenschen."

--- Montag, 9. Oktober ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Ein sehr emotionaler Tag heute. Namen werden publiziert, Familien, die ausradiert wurden in den D├Ârfern rings um den Gazastreifen, Namen und Bilder von Soldaten, jungen Menschen. Dazu gehen die Ger├╝chte um von unfassbaren Grausamkeiten, die an unschuldigen Menschen begangen wurden.

Wir versuchen, uns selber und vor allem die Enkel m├Âglichst zu sch├╝tzen, wie wir es vor Jahren auch mit unseren Kindern gemacht haben. Es ist der israelische 9/11 (Terroranschl├Ąge vom 11. September 2001 in den USA; Anmerkung der Redaktion). Gespr├Ąche mit Familien und Freunden sind nicht weniger emotional und gestalten sich manchmal sehr schwierig. Zwischen Rache und Todesangst, Wut und Trauer findet man da alles. Bewundernswert ist wie immer die israelische Solidarit├Ąt. Menschen ├Âffnen ihre Herzen und ihre H├Ąuser, um Bed├╝rftigen zu helfen, organisieren alles, was Menschen ben├Âtigen, die alles zur├╝cklassen mussten.

Hier, wo keine Raketen fallen, h├Ârten wir heute deutlich die Einschl├Ąge weiter s├╝dlich, zwischendurch haben die Fenster immer mal wieder gesch├╝ttelt. In den letzten Stunden fliegen die Kampfjets pausenlos. Unser Dorf ist abgeschlossen, der einzige offene Eingang wird kontrolliert, alle M├Ąnner in unserem Haushalt haben sich freiwillig f├╝r Patrouillen gemeldet. Heute kam ein Aufruf, dass sich alle, die Waffen besitzen, melden sollen. Es wird also eine Art B├╝rgerwehr gebildet. Die Nachbarin meinte, dass es ├ťbergriffe aus den arabischen Nachbard├Ârfern geben k├Ânnte. Ich mag da gar nicht hinh├Âren. Von V., unserer Freundin und Friedensfrau, haben wir leider keine neuen Information. Es sollen 130 Menschen nach Gaza verschleppt worden sein."

--- Sonntag, 8. Oktober ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Ganz herzlichen Dank f├╝r alle Nachfragen, und deren erhalten wir sehr viele. Das erw├Ąrmt das Herz. Zur aktuellen Lage, das erf├Ąhrt ihr aus den Medien, soweit das in dieser weiterhin sehr un├╝bersichtlichen Lage ├╝berhaupt m├Âglich ist. Hunderte von Toten, Verschleppten, die Gefahr, dass sich dieser Krieg, und anders kann man das nicht nennen, ausweitet durch Beschuss aus dem Libanon (Nasrallah hat hunderttausende von Raketen), ein Gewaltausbruch im Westjordanland und in den gemischten St├Ądten im Kernland von Israel selber. Wir leben auf dem Lande, ein bisschen ausserhalb der Reichweite der Raketen, und der Luftschutzraum gibt einem das Gef├╝hl, gesch├╝tzt zu sein. Aber das kann auch nur ein vermeintlicher Schutz sein.

Letzte Woche bin ich V. (zu ihrem Schutz bittet die Familie, ihren Namen nicht weiterzugeben) drei Mal begegnet, im Rahmen der Friedensaktivit├Ąten.

Gestern gegen 11 Uhr schrieb sie die letzte WhatsApp-Nachricht, dass sie sich im Luftschutzraum befinde und M├Ąnner aus dem Gazastreifen in ihr Haus eingedrungen seien. Nun wurde best├Ątigt, dass sie verschleppt wurde, 75-j├Ąhrig, eine mutige, kluge Frau, einer der Eckpfeiler unserer Frauenfriedensbewegung, in den Gazastreifen. Es geht sehr nahe, sehr tief. Bitte betet f├╝r die Sicherheit und eine gute und baldige Heimkehr von V.

Die Pal├Ąstinenser rufen uns in Erinnerung, dass auch sie existieren, dass man nicht einfach einen sch├Ânen Frieden mit den Saudis machen kann und sie weiterhin nicht beachtet. Es ist eine gewaltige Ohrfeige, und die Bev├Âlkerung bezahlt einen hohen Preis daf├╝r. Und wie immer sind das beide Seiten, die betroffen sind. Lasst uns beten, f├╝r V. und f├╝r alle anderen, die betroffen sind."

--- Samstag, 7. Oktober ---

Beitrag einer j├╝dischen Menschenrechtsaktivistin in Israel:

"Diese Woche hat so ganz anders begonnen, voller Hoffnung. Wir Friedensfrauen, israelische und pal├Ąstinensische M├╝tter, die sich um ihre Kinder sorgen, haben nach monatelangen Vorbereitungen ein Zeichen gesetzt und zum Ende des Blutvergiessens aufgerufen. Es waren Tage der Hoffnung, wir setzten ein Zeichen, dass es einen anderen Weg gibt und geben muss. Am Sonntag hatten wir eine Begegnung mit Friedensaktivistinnen gleich neben dem Gazastreifen, Frauen, die ich sehr sch├Ątze, die seit Jahren in Kontakt sind mit Menschen auf der anderen Seite der Mauer. Aktuell sitzen diese Frauen nun im Luftschutzraum, w├Ąhrend die Militanten in ihre H├Ąuser eingedrungen sind.

Wir selber wohnen, meistens, ausserhalb der Reichweite der Raketen, und haben auch einen Luftschutzraum. Aktuell sind Tochter und Familie, die in Tel Aviv wohnen, bei uns. Die sowieso aufgeheizte Stimmung im Lande selber k├Ânnte jedoch auch zu internen Zwistigkeiten und mehr f├╝hren.

Was ich von unserer unf├Ąhigen Regierung halte, wisst ihr ja, daf├╝r gehen wir seit 39 Wochen auf die Strasse. Heute Abend gibt es keine Demos, wegen den Raketen. F├╝r die Zukunft unserer Kinder und Enkel m├╝ssen wir dieses Blutvergiessen endlich beenden. Dazu rufen wir Frauen auf, immer und immer wieder, bis wir erh├Ârt werden."


--- Statement der Reisegruppe aus Bischofszell-Hauptwil ---

Beitrag von Daniel Aebersold:

"Schockiert, betroffen, w├╝tend und traurig: So l├Ąsst sich unsere Gem├╝tslage umschreiben, als wir am 7. Oktober von den massiven Angriffen auf die israelische Zivilbev├Âlkerung durch die pal├Ąstinensische Hamas erfahren haben. Als die israelische Regierung den Kriegszustand ausrief und auch das Eidgen├Âssische Departement f├╝r ausw├Ąrtige Angelegenheiten (EDA) von Reisen nach Israel abriet, wurde f├╝r die Reiseveranstalter ┬źKulTour┬╗ und uns rasch klar, dass die Reise nach Israel nicht wie geplant durchgef├╝hrt werden kann. Die Sicherheit der Reisegruppe w├Ąre nicht gew├Ąhrleistet. Der Flugverkehr von und nach Israel ist weitgehend eingestellt.

Es schmerzt uns sehr, dass wir all die eindr├╝cklichen biblischen Orte nicht besuchen und die geplanten Begegnungen mit Personen aus verschieden Kulturen und Projekten nicht geniessen k├Ânnen. Unsere Gedanken und Gebete sind┬á aber momentan vor allem bei der Bev├Âlkerung in Israel und auch bei jenem Teil der pal├Ąstinensischen Bev├Âlkerung, welche diesen Krieg nicht m├Âchte. Gott schenke den Verantwortlichen Weisheit, die komplexen Probleme m├Âglichst friedlich zu l├Âsen.

Ob und zu welchem Zeitpunkt die Reise nach Israel nachgeholt werden kann, ist noch offen: Wenn die Situation sich beruhigt, k├Ânnte wohl fr├╝hestens in einem Jahr oder anderthalb an eine Ersatzreise gedacht werden."

 

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