Chance ist zum Greifen nah
Während mittlerweile fast alle Kirchgemeinden über ihren lokalen Kirchenboten oder die Webseite kommunizieren, tun sie sich auf Social Media häufig noch schwer. Das sei eine verpasste Chance, sagt die gebürtige Stettfurterin Alexandra Stark: «Mit digitalen Kanälen können wir mehr Menschen erreichen: solche, die keine Printmedien nutzen und solche, die keinen regelmässigen Kontakt zu kirchlichen Angeboten haben.»
Stark arbeitet als Journalistin und Beraterin an der Schnittstelle von Journalismus und Technologie. Die sozialen Medien bieten aus ihrer Sicht einen weiteren grossen Vorteil: Mit ihnen könne die Kirche direkt mit Menschen in den Dialog treten.
Gemeinschaft aufbauen
Diesen Aspekt streicht auch Nicole Noelle, Online- und Social Media-Redaktorin des Kirchenboten, hervor: «Über Social Media ist der Aufbau einer Community, also einer Gemeinschaft, möglich. Diese kann dann auch wieder in den analogen Alltag reichen – zum Beispiel mit interessenbasierten Veranstaltungen, die man zusammen mit der Community entwickelt.»
Noelle warnt gleichzeitig davor, sich zu übernehmen. Die digitale Kommunikation mache in der Regel nämlich mehr Arbeit, als man denke. «Es ist sinnvoll, sich zu überlegen: Wen möchte ich ansprechen? Was möchte ich kommunizieren? Und auf welchem Kanal findet das statt?» Diesbezüglich sei weniger oft mehr, wenn dafür regelmässig kommuniziert werde. Zudem müsse das Rad nicht immer neu erfunden werden. «Es lohnt sich, zu schauen, wie andere es machen, wo etwas ankommt oder nicht ankommt, und sich davon inspirieren zu lassen.»
Mehr Zeit dank KI
Alexandra Stark, die mittlerweile in Zürich lebt, fokussiert sich in ihrer Beratungstätigkeit zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI). Diese könne – gerade auch im Umgang mit sozialen Medien – Arbeit abnehmen und Zeit freischaufeln, «die wir dort nutzen können, wo wir als Menschen einen Unterschied machen können».
Nicole Noelle konkretisiert: «KI kann Routineaufgaben wie Textentwürfe, Übersetzungen und Zusammenfassungen übernehmen. Sie hilft auch, Texte barrierefreier zu schreiben und den Ideenhorizont zu erweitern.» Wichtig sei, dass man alles prüfe, was die KI ausspucke.
Print bleibt wichtig
Trotz aller digitalen Möglichkeiten sind sich die beiden Expertinnen einig, dass auch Printmedien wie der Kirchenbote mit lokalen Informationen ihren Platz im Kommunikationsmix der Kirche haben. Nicole Noelle erklärt: «Mit Printmedien lassen sich Menschen erreichen, die nicht oder wenig online unterwegs sind. Das gedruckte Medium schafft eine andere Aufmerksamkeit, lädt zum Verweilen ein und hat eine besondere Wertigkeit. Gerade für Gemeinschaftsgefühl und lokale Verwurzelung bleibt ‹Print› zentral.»
Es gelte deshalb, analoge und digitale Kommunikationskanäle sinnvoll miteinander zu verknüpfen, um die Vorteile aus beiden Welten zu nutzen.
Chance ist zum Greifen nah