News aus dem Thurgau
Weltgebetstag: Nigeria

Weibliches Potenzial entfalten

von Cyrill Rüegger / Manuel Ditthardt
min
03.03.2026
Wie geht es den Frauen in Nigeria? Diese Frage wird am Weltgebetstag vom 6. März thematisiert. Eine, die es weiss, ist die Thurgauer Migrationsfachfrau Rita Kobler-Emiko.

Sie kamen vor 24 Jahren aus Nigeria in die Schweiz. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Rita Kobler-Emiko: Ich musste mich damals in einer neuen Sprache, Kultur und Umgebung zurechtfinden. Es war eine sehr frustrierende Erfahrung, da die Realität hier oft nicht den Erwartungen entsprach.

Ich verstand schnell, dass ohne Bildung und kulturelle Öffnung keine Fortschritte möglich sind. Diese persönlichen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie herausfordernd Integration sein kann, aber auch, wie viel Potenzial und Stärke in den Menschen steckt, wenn sie die richtige Unterstützung erhalten.

Sie haben die Migrationsfachstelle (MIFA) gegründet, die hauptsächlich im Thurgau und in St. Gallen tätig ist. Was macht die MIFA genau?

Die MIFA mit Standorten in Wil und Romanshorn bietet interkulturelle und kulturspezifische Dienstleistungen in der Ostschweiz an. Dabei arbeiten wir eng mit den Gemeinden und den kantonalen Institutionen zusammen, um Behörden zu entlasten und Integrationsprozesse nachhaltig und kulturspezifisch zu fördern. Wir möchten mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass das Zusammenleben in der Schweiz gelingt.

Der Weltgebetstag widmet sich der Situation von Frauen in Ihrer ursprünglichen Heimat Nigeria. Wie beurteilen Sie die Lage?

Im Vergleich zur Schweiz, wo Frauen rechtlich weitgehend gleichgestellt sind, bestehen in Nigeria nach wie vor erhebliche Unterschiede. In gewissen Gebieten Nigerias sind Frauen weiterhin mit Herausforderungen wie Frühverheiratungen, Benachteiligungen beim Erbrecht und Gewalt konfrontiert.

Gleichzeitig zeigen viele Frauen Eigeninitiative: Sie bilden sich weiter, entwickeln neue Fähigkeiten und zeigen Mut, um ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung zu stärken. Projekte wie «Help me Stand» unterstützen diesen Prozess zusätzlich, indem sie Bildung, Coaching und unternehmerische Möglichkeiten bieten. Solche Initiativen ermöglichen es Frauen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten und ihr Potenzial zu entfalten.

 

Nigeria, das Land, aus dem die diesjährige Liturgie zum Weltgebetstag stammt, kämpft mit Gewalt, Armut und Unsicherheit. Terrorgruppen wie Boko Haram und ISWAP hinterlassen Zerstörung und Leid. Umso wichtiger, das Land ins Zentrum zu rücken.

>> Zum Artikel: Nigeria: zwischen Angst, Elend und Hoffnung

 

Die Liturgie am Weltgebetstag beruht auf dem Bibelvers «Ich will euch stärken, kommt!» (Mt 11,28). Inwiefern passt dieser Vers zur Situation in Nigeria?

Er vermittelt die Botschaft von Hoffnung und Erleichterung inmitten von Herausforderungen. In Nigeria, einem Land, das mit politischer Instabilität und sozialen Problemen zu kämpfen hat, spricht dieser Vers besonders die Menschen an, die schwere Lasten tragen.

Der Vers erinnert daran, dass der Glaube eine Quelle der Kraft und Heilung sein kann. Es ist eine Einladung, sich trotz der Belastungen auf den Glauben und die Gemeinschaft zu stützen, um Frieden zu finden und neue Perspektiven zu gewinnen.

Worin unterscheidet sich das kirchliche Leben in Nigeria von dem in der Schweiz?

Das kirchliche Leben in Nigeria ist ein gutes Beispiel für die polychronische Zeitkultur: Hier wird der Fokus mehr auf das Zusammenkommen und das Gemeinschaftsgefühl gelegt, anstatt sich strikt an die Uhr zu halten.

In der Schweiz hingegen herrscht die monochronische Zeit, bei der die Pünktlichkeit und eine strikte Zeitplanung entscheidend sind. Beide Kirchenarten sind besonders auf ihre eigene Art. In Nigeria spürt man die lebendige Energie und die lange Zeit mit Gott, während in der Schweiz Struktur und Effizienz das Leben erleichtern.

 

Weltgebetstag

Am Freitag, 6. März 2026, wird der Weltgebetstag in der Schweiz zum 90. Mal gefeiert. Viele Kirchgemeinden veranstalten Gottesdienste – in diesem Jahr mit Texten und Spezialitäten aus Nigeria.

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