News aus dem Thurgau
Popkultur und Spiritualität

David Bowie, der rastlose Spirituelle

von Vera Rüttimann
min
10.01.2026
Am 10. Januar 2026 jährt sich der Tod von David Bowie zum 10. Mal. Der Brite gilt nicht nur als Chamäleon der Popkultur, sondern als einer der grossen Sinnsucher des 20. Jahrhunderts.

Andächtig stehen Leute mittleren Alters vor den Hansa Studios, unweit der einstigen Berliner Mauer am Potsdamer Platz. Hier entstand David Bowies legendäre Berlin-Trilogie: «Low» (1977), «Heroes» (1977) und «Lodger» (1979).

Berlin hat für David Bowie eine nahezu mythische Bedeutung – künstlerisch, biografisch und spirituell. In den Jahren zwischen 1976 und 1978, die er überwiegend in Westberlin verbrachte, wurde die einstige Mauerstadt zu seinem Zufluchtsort. Tobias Rüther, Autor des Buches «Helden: David Bowie und Berlin», sagt: «Nie war er näher bei sich als in dieser Stadt.»

Bowie und der Glaube

In Berlin richtete sich David Bowie nicht nur musikalisch, sondern auch spirituell neu aus. In der damals dunklen, grauen Stadt begann, weiss Tobias Rüther, Bowies existenzielle Auseinandersetzung mit dem Thema Religion. Tatsächlich finden sich später in vielen Liedtexten Bowies Hinweise zu spirituellen Themen.

 

Gedenktafel an David Bowies Wohnhaus in der Hauptstrasse 155 in Berlin-Schöneberg: «We can be heroes, just for one day». | Foto: Vera Rüttimann

Gedenktafel an David Bowies Wohnhaus in der Hauptstrasse 155 in Berlin-Schöneberg: «We can be heroes, just for one day». | Foto: Vera Rüttimann

 

Warum fasziniert David Bowie bis heute so viele Menschen? Das liegt nicht nur an vielen zeitlos guten Popsongs, die der Weltkünstler produzierte. Es ist auch seine unermüdliche Suche nach Orientierung, Sinn und Transzendenz. Für den Theologen Frank Thomas Brinkmann, Autor des Buches «Ashes to Ashes, Spaceboy?!», ist David Bowie nicht bloss ein hell leuchtender Popstar. Er sei auch Wanderer zwischen den Kulturen, Glaubensformen und Identitäten gewesen.

David Bowies spirituelle Reise begann früh. In den 1960er-Jahren interessierte er sich für Zen-Buddhismus, las D. T. Suzuki und suchte im Londoner Tibetan Society Centre nach Antworten. Zeitlebens interessierte er sich für verschiedene Meditationsformen. Nach seiner Beschäftigung mit dem Buddhismus wandte er sich okkulten Symbolsystemen zu. Danach trieb es ihn zur Kabbala, zu Nietzsche und zur westlichen Esoterik. In Interviews sagte er später, er habe immer nach dem «wirklicher Kern» gesucht. Gott, den er hell schimmernd im dunklen Wasser wahrnahm.

In den letzten 15 Jahren seines Lebens fand eine tiefere Auseinandersetzung mit christlichen Themen statt. Bowie sprach etwa im «Rolling Stone» darüber, dass der christliche Glaube für ihn eine geistige Heimat geworden sei.

«Something happened on the day he died»

Diese leise, ernste Hinwendung prägt auch Bowies letztes Werk «Blackstar». Das Album, nur zwei Tage vor seinem Tod erschienen, ist ein meditatives Nachdenken über das Sterben und die Neugier darauf, was nach dem Tod kommt. In den Songs geht es auch um Verwandlung, Bowies Lebensthema, – besonders eindrücklich in den Songs «Something happened on the day he died» und «Lazarus». In den Zeilen «Look up here, I’m in heaven» schwingt eine tiefe Sehnsucht nach dem Übertreten in eine andere Welt mit.

Und dennoch ein Licht darin suchen

Zu David Bowies 10. Todestag gibt es viele Neuerscheinungen, so etwa etwa «Spaceboy. Über David Bowie. Über mich» von Bestsellerautor Frank Schätzing. In diesem Doppelporträt zieht Schätzing immer wieder Linien zwischen Bowies Suche und seiner eigenen: Beide ringen, stellvertretend für viele Menschen heute, mit Fragen nach Existenz, Identität, Bedeutung und Transzendenz.

Für Frank Thomas Brinkmann liegt Bowies spirituelle Reife darin, dass er nie behauptete, endgültige Antworten gefunden zu haben. Der Autor sieht Bowie als exemplarische Figur des modernen Menschen: spirituell interessiert und existenziell fragend, «aber ohne Anspruch auf absolute Antworten».

Wo war Bowie nach seiner langen spirituellen Reise gelandet? Bowie starb womöglich als Christ, aber als einer, der das Dunkel nicht verdrängte. In «Blackstar» nahm er das Dunkle ernst – und suchte dennoch bis zum Schluss ein Licht darin.

 

David Bowie-Büste mit dem ikonischen Blitz im Gesicht in einem Berliner Schaufenster: Auch 10 Jahre nach seinem Tod ist der Popstar in der Stadt präsent. | Foto: Vera Rüttimann

David Bowie-Büste mit dem ikonischen Blitz im Gesicht in einem Berliner Schaufenster: Auch 10 Jahre nach seinem Tod ist der Popstar in der Stadt präsent. | Foto: Vera Rüttimann

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