News aus dem Thurgau

Davidstern missbraucht

min
20.10.2021
«Je mehr die Menschen über jüdische Bräuche und Traditionen wissen, desto mehr können Vorurteile abgebaut werden», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Er erklärt warum, und Religionswissenschaftlerin Sarah Werren spricht von traurigen Tatsachen.

Sarah Werren, Religionswissenschaftlerin und Koordinatorin der Sigi Feigel-Gastprofessur f├╝r J├╝dische Studien an der Universit├Ąt Z├╝rich stellt einen aktuellen Bezug her: ┬źEnde September endete mit Simchat Tora, dem Fest zur Freude des Empfangs der Tora am Sinai, der herbstliche Feiertagszyklus, der mit dem j├╝dischen Neujahr und Jom Kippur, dem Vers├Âhnungstag, Anfang September seinen Auftakt fand.┬╗

Dabei wird ihr bewusst: Der Anschlag auf die Synagoge in Halle (D) vor zwei Jahren ist nicht vergessen. Vor der j├╝dischen Gemeinde in Basel stehen Schutzbarrikaden, die Security ist allgegenw├Ąrtig, und die Polizei patrouilliert verst├Ąrkt. Mit ihrer sch├Ânen Kuppel ist die Basler Synagoge im maurischen Stil ein auff├Ąlliger Bau. Mehrere Schweizer Synagogen wurden in diesem Stil gebaut, so etwa auch die Israelitische Kultusgemeinde in Z├╝rich oder die J├╝dische Gemeinde in Bern.

Basel und Z├╝rich werden als Einheitsgemeinden mit orthodoxem Rabbinat gef├╝hrt und bieten ┬źihren Mitgliedern ein kulturelles und religi├Âses Zuhause┬╗, wie auf der Homepage des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) zu lesen ist. Indes, so Werren: ┬źDie Sicherheitsmassnahmen pr├Ągen den Alltag vieler j├╝discher Mitmenschen mehr denn je; eine traurige Gemeinsamkeit, die europ├Ąische Juden und J├╝dinnen mit Israelis teilen.┬╗ Immerhin habe es 2020 keine physischen Angriffe gegeben, kommentiert Werren.

Die Covid-Pandemie habe allerdings aufgezeigt, wie sehr Juden und J├╝dinnen noch immer Gegenstand von Verschw├Ârungstheorien seien, wenn zum Beispiel Impfgegner alte Vorurteile auf aktuelle Situationen umm├╝nzten.

┬źAntisemitismus-Trigger┬╗
Der aktuelle Antisemitismusbericht des SIG f├╝r die Deutschschweiz bringt es denn auch ans Licht: Im Internet sind rassistische Vorf├Ąlle nicht zuletzt wegen der Verbreitung von Verschw├Ârungstheorien weit zahlreicher als in der realen Welt. Die Coronapandemie wird sogar als ┬źAntisemitismus- Trigger┬╗ bezeichnet: So wurden beispielsweise mehrfach ┬źJudensterne┬╗ mit der Aufschrift ┬źungeimpft┬╗ oder ┬źMaskenattest┬╗ an Demonstrationen gesichtet.

Dies bereitet Jonathan Kreutner grosse Sorgen. Trotzdem f├╝hle er sich ┬źals Schweizer und Jude in meinem Land sehr wohl┬╗. Der SIG setze vor allem auf Pr├Ąvention durch Aufkl├Ąrung und Information. Er werde von Beh├Ârden, Politik, den Medien und den anderen Religionsgemeinschaften als j├╝discher Dachverband akzeptiert und sei gern gesehener Ansprechpartner.

Solidarit├Ąt zeigen
Wie aber k├Ânnen sich Mitglieder christlicher Gemeinden gegen Antisemitismus einsetzen? Kreutner: ┬źEinerseits durch Solidarit├Ąt und konsequenten Einsatz gegen Antisemitismus innerhalb und auch ausserhalb ihrer Gemeinden. Und andererseits dadurch, dass die Tatsache, dass es leider bei einer Minderheit immer noch einen christlichen Antisemitismus gibt, ernst genommen wird.┬╗

 

(Roman Salzmann)

Unsere Empfehlungen

Solidarität mit Christen in Afghanistan

Solidarität mit Christen in Afghanistan

Der Gebetstag für bedrängte und verfolgte Christen findet am 5. März 2023, am zweiten Sonntag der Passionszeit, statt. Dabei soll der schwierigen Situation für die unterdrückten Christinnen und Christen in Afghanistan gedacht und für sie gebetet werden.
Religion trifft Schule

Religion trifft Schule

Religion und Glauben bleiben in der Schule ein Thema – trotz oder gerade wegen der zunehmenden pluralen Gesellschaft. Umso wichtiger sei es, dass Lehrpersonen in Schule und Kirche mehr voneinander wissen, sagt die Spezialistin für Religionsunterricht, Mirjam Loos.
Spannende Aspekte des Judentums

Spannende Aspekte des Judentums

Das Christentum verbindet sehr viel mit dem Judentum: Die beiden Weltreligionen stehen in einem unzertrennbaren Verhältnis. Und doch wissen längst nicht alle über das Judentum Bescheid: ein kleiner Überblick.
Wie viel Gewicht hat die Religion?

Wie viel Gewicht hat die Religion?

Eine repräsentative Befragung der Universität Luzern zeigt auf, wie uns Religion trennt und verbindet. Themen sind etwa Diskriminierung, aber auch die Voranstellung der Religion vor der Verfassung. Imam Rehan Neziri und Monica Ferrari vom Interreligiösen Arbeitskreis ziehen einen Vergleich zum ...