News aus dem Thurgau

Religion trifft Schule

min
24.05.2022
Religion und Glauben bleiben in der Schule ein Thema – trotz oder gerade wegen der zunehmenden pluralen Gesellschaft. Umso wichtiger sei es, dass Lehrpersonen in Schule und Kirche mehr voneinander wissen, sagt die Spezialistin für Religionsunterricht, Mirjam Loos.

Im Rahmen der F√§cher ¬ęNatur, Mensch, Gesellschaft¬Ľ (NMG) und ¬ęEthik-Religion-Gemeinschaft ¬Ľ (ERG) sieht der Volksschullehrplan vor, dass alle Lernenden im Umgang mit Religionen und Weltsichten kompetent werden. Viele Sch√ľlerinnen und Sch√ľler besuchen zudem den kirchlich verantworteten Religionsunterricht. Deshalb sagt Mirjam Loos, Leiterin der Fachstelle Religionsunterricht bei der Evangelischen Landeskirche Thurgau: ¬ęIch m√∂chte dazu beitragen, dass Lehrkr√§fte an der Schule und die kirchlichen Religionslehrpersonen ein gegenseitiges Verst√§ndnis entwickeln. Bestenfalls erhoffe ich mir daraus einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte.¬Ľ

Gute Zusammenarbeit
Naturgem√§ss habe der konfessionell oder √∂kumenisch erteilte kirchliche Religionsunterricht eine Innensicht auf religi√∂se Sachverhalte, so Loos. Die Perspektive in den schulisch verantworteten F√§chern NMG und ERG¬†sei religionskundlich. Aber dass didaktische und lerntheoretische Grund√ľberzeugungen √§hnlich sind, zeige sich an der guten Zusammenarbeit der beiden landeskirchlichen Fachstellen mit der P√§dagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) in Kreuzlingen. Namentlich mit Judith Bohrer, die an der PHTG die Ausbildung und Beratung f√ľr den Bereich Religion f√ľr k√ľnftige Volksschullehrpersonen verantwortet.

Evangelische Medienstelle auf Campus
Ein Beispiel dieses guten Einvernehmens sei die Medienstelle der Evangelischen Landeskirche Thurgau, die Jmerio Pianari f√ľhrt und die in die Campus-Bibliothek der PHTG integriert ist. Indes: ¬ęManche Lehrkr√§fte an den √∂rtlichen Schulen wissen zum Teil zu wenig, wie stark unser neuer Religionslehrplan auf den kantonalen Lehrplan abgestimmt ist¬Ľ, sagt Loos. Deshalb sei die bessere Vernetzung sinnvoll, was unter anderem mit einer interkantonalen Impulstagung an der PHTG¬†im Juni √ľber den staatlichen und kirchlichen Bildungsauftrag bewirkt werden soll.

Gute Beispiele sollen zug√§nglich gemacht werden. Die Doppelfunktion von Christina Aus der Au sei ebenso hilfreich: Die neue Kirchenratspr√§sidentin und PHTG-Dozentin f√ľr Religionen, Ethik und Politik moderiert die Tagung. Der katholische Kirchenratspr√§sident Cyrill Bischof w√ľnscht sich, dass die Schule ¬ęzu einer echten Lebensschule¬Ľ wird, die nicht in einer ¬ęfiktiven religi√∂sen Neutralit√§t verhaftet ist, sondern eine verortbare, ethische Grundhaltung in offener Toleranz vertritt¬Ľ.

Zeitgemäss interpretieren
Magnus Jung, Pr√§sident der Thurgauer Schulleitenden und Schulleiter in Sulgen, r√§umt ein, dass die Bedeutung der Religionslehre in der Schule abnehme. Die Schule m√ľsse sich mit verschiedenen Wertehaltungen, Lebenspl√§nen und Weltanschauungen auseinandersetzen. Sie k√∂nne sich nicht auf eine einzige Richtung eingrenzen. Dennoch sei die Zugeh√∂rigkeit zu einer Religion ein Rahmen, der Verl√§sslichkeit und Strukturen bringe, die viele Menschen (wieder) suchten.

Jung selber genoss seine Erstausbildung zum Primarlehrer am einstigen katholischen Lehrerseminar St. Michael, der heutigen P√§dagogischen Hochschule in Zug. Dort sei er von weisen Pers√∂nlichkeiten positiv gepr√§gt worden. Er habe miterlebt, dass es zielf√ľhrend sei, religi√∂se Vorschriften oder Glaubenss√§tze zeitgem√§ss zu interpretieren. Gewichtige Aufgabe Die Rektorin der PHTG, Sabina Larcher ist √ľberzeugt: ¬ęDer neu ‚ÄĻharmonisierten‚Äļ Schule kommt in einem religi√∂s vielf√§ltigen und heterogenen Umfeld eine gewichtige Aufgabe zu.¬Ľ

Es gehe darum, Sch√ľlerinnen und Sch√ľler mit religi√∂sen Traditionen, ethischen Orientierungen und kulturellen Fragen pluraler Gesellschaften in Kontakt zu bringen. Der schulisch verantwortete Unterricht d√ľrfe klar profiliert sein, m√ľsse aber auch die Glaubens- und Gewissensfreiheit gew√§hrleisten. Das zeigt sich etwa darin, dass der islamische Religionsunterricht in Kreuzlingen an den √∂ffentlichen Schulen vor zw√∂lf Jahren eingef√ľhrt wurde und nach den Sommerferien im Rahmen eines dreij√§hrigen Projekts auch in Romanshorn starten soll.


Hier finden Sie weitere Informationen zur Tagung¬†¬ęReligion in der Schule¬Ľ vom Freitag, 10. Juni, 9 bis 17 Uhr, PHTG in Kreuzlingen.


(Roman Salzmann)

Unsere Empfehlungen

Solidarität mit Christen in Afghanistan

Solidarität mit Christen in Afghanistan

Der Gebetstag für bedrängte und verfolgte Christen findet am 5. März 2023, am zweiten Sonntag der Passionszeit, statt. Dabei soll der schwierigen Situation für die unterdrückten Christinnen und Christen in Afghanistan gedacht und für sie gebetet werden.
Spannende Aspekte des Judentums

Spannende Aspekte des Judentums

Das Christentum verbindet sehr viel mit dem Judentum: Die beiden Weltreligionen stehen in einem unzertrennbaren Verhältnis. Und doch wissen längst nicht alle über das Judentum Bescheid: ein kleiner Überblick.
Davidstern missbraucht

Davidstern missbraucht

«Je mehr die Menschen über jüdische Bräuche und Traditionen wissen, desto mehr können Vorurteile abgebaut werden», sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Er erklärt warum, und Religionswissenschaftlerin Sarah Werren spricht von traurigen ...
Wie viel Gewicht hat die Religion?

Wie viel Gewicht hat die Religion?

Eine repräsentative Befragung der Universität Luzern zeigt auf, wie uns Religion trennt und verbindet. Themen sind etwa Diskriminierung, aber auch die Voranstellung der Religion vor der Verfassung. Imam Rehan Neziri und Monica Ferrari vom Interreligiösen Arbeitskreis ziehen einen Vergleich zum ...